Dortmunder Arzt zu Corona-Impfstoff: „Können nicht mit Wundern rechnen“

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Schon zwei Impfstoffe gegen Corona in Sicht? Kommt bald der Durchbruch? Entspannt sich die Lage in den Krankenhäusern? Ein Infektiologe aus Dortmund sagt, womit er für den Winter rechnet.

Dortmund

, 19.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist sein Alltag: der Kampf gegen Covid-19 und Corona, gegen die Krankheit und das Virus, das sie verursacht. Dr. Simon Larrosa-Lombardi ist Infektiologe am Knappschaftskrankenhaus Dortmund. Er hat genau im Blick, welche Fortschritte die Pharmafirmen melden, wenn es um Impfstoffe geht.

Wie beurteilt er den aktuellen Stand? Wie wird es wohl weitergehen? Ist eine Entspannung in Sicht für die Krankenhäuser und das Gesundheitssystem an sich?

? Wie ist der aktuelle Stand?

Biontech/Pfizer und Moderna hatten gute Nachrichten: Einen 90-prozentigen, oder sogar 94,5-prozentigen Schutz vor Corona-Neuinfektionen würden ihre Impfstoff-Kandidaten wohl haben.

Dr. Larrosa-Lombardi aber erläutert: Das seien „Zwischenergebnisse aus der letzten Studienphase“. Dennoch müssten nun „diese Studien abgeschlossen und dann Zulassungsverfahren durchgeführt werden.“

Vermutlich würden „schon parallel dazu Produktionsprozesse starten. Dennoch müssen große Mengen an Impfdosen erst einmal hergestellt werden.“

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? Wie viel Impfstoff braucht man denn wohl?

„Um einen ausreichenden Bevölkerungsanteil impfen zu können, der dann die Anforderungen an die sogenannte Herdenimmunität erfüllt, müssten wir in Deutschland rund 50 Millionen Menschen impfen“, erklärt Larrosa-Lombardi. Je nach Stoff könnte auch eine zweimalige Impfung notwendig sein.

Der Dortmunder Infektiologe denkt an die praktische Umsetzung: Man müsse genügend Möglichkeiten haben, diese große Menge an Impfstoff zu kühlen. „Zur Gewährleistung der Haltbarkeit muss wahrscheinlich noch eine passende Infrastruktur geschaffen werden. Ein Thema ist ja bereits das Schaffen von Impfzentren.“

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? Wenn es einen Impfstoff gibt, ist die Pandemie bald vorbei?

„Auch wenn möglicherweise ab der Jahreswende oder früh im Jahr 2021 Impfdosen zur Verfügung stehen, müssen wir uns darauf einstellen, noch für Monate mit der Pandemie umzugehen“, schätzt Larrosa-Lombardi. Und selbst dann komme es „auch auf die Impfbereitschaft in der Bevölkerung an“.

Für die Krankenhäuser gelte „nicht zu früh nachlassen im Einhalten von Verhaltensregeln. Wir dürfen nicht zu schnell euphorisch werden. Der Winter liegt noch vor uns und auch Begegnungs-Anlässe wie Weihnachten und Silvester.“

? Also ist der Impfstoff nicht der große Durchbruch?

Larrosa-Lombardi formuliert es so: „Wir können nicht mit einem Wunder rechnen. Es gibt gerade einmal Licht am Ende eines Tunnels. Wir müssen alles dafür tun, die Corona-Fallzahlen weiter zu begrenzen und zu senken. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist weiter hoch, es liegen noch schwierige Phasen vor uns. Es wird ein großer Kraftakt erforderlich sein, der entsprechend Zeit braucht.“

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