Dortmunder Augenzeuge: "Ich habe richtig Glück gehabt"

Loveparade-Katastrophe

DORTMUND Eine Gruppe von neun Dortmundern ist der Katastrophe auf der Loveparade knapp entkommen. Die jungen Leute wollten feiern und sahen sich auf einmal im Tunnel eingekeilt. "Nur mit viel Glück sind wir da rausgekommen", erzählt Nils Hennig (22), der das Ganze auch zwei Tage später noch gar nicht richtig fassen kann.

von Von Jörg Heckenkamp

, 26.07.2010, 16:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dortmunder Augenzeuge: "Ich habe richtig Glück gehabt"

Nils Hennig (22) kann auch am Montag das Geschehen kaum fassen. Mit viel Glück entkamen er und acht Freunde fast unversehrt der Todesfalle Tunnel.

"Es dauerte keine halbe Stunde bis unsere Feier-Laune von 100 Prozent auf null runter war", sagt der sportliche junge Mann, der es langsam mit der Angst zu tun bekam. Das einzige Mädchen der Clique hatten sie da schon in die Mitte genommen: "Die Stimmung wurde immer aggressiver." Es war gegen 16, 16.30 Uhr, so genau weiß er es nicht mehr. Einer der Dortmunder sagte schließlich: "Wir müssen zurück." Die Neun bildeten, wie schon beim Hineingehen, eine Art Polonaise. Jeder fasste den Rucksack des Vordermannes. Ganz vorne ging der kräftige Lukas (22), der der Truppe einen Weg aus der Falle bahnen sollte. "Wir haben ihn 'Holzwurm' genannt, weil er sich so durchgefressen hat", erzählt Hennig.

Schließlich erreichten sie den Tunnelausgang. Nils Hennig: "Ich quetschte mich zwischen Tunnel und Zaun durch und lief die Böschung hoch. Oben war noch ein Zaun, den man einfach aushängen konnte, dahinter war die Autobahn. Ich winkte meinen Leute, sie sollten auch hochkommen." Dem Beispiel der Dortmunder folgten viele andere Besucher, die später einen Teil des Zauns niederrissen. Nur raus aus der Falle. Die neun Dortmunder gelangten von der Autobahn aufs Festivalgelände. Es war gegen 17 Uhr, doch die Partylaune war dahin. "Schon eine Stunde später wollten wir zurück, um rechzeitig eine Bahn nach Hause zu bekommen", sagt der 22-Jährige. Sie nahmen wieder den Weg über die Böschung, dieses Mal abwärts Richtung Tunneleingang.  

"Es war 18 Uhr", sagt Nils Hennig, "ich hatte auf die Uhr geschaut. Und da sahen wir auf einmal viele verdreckte Menschen. Wir dachten noch, ob die sich selber aus Spaß eingeschmiert haben." Er stockt kurz: "Doch dann blickte ich in die entsetzen Gesichter. Dann sah ich Blut. Leute setzten sich hin und ließen den Kopf hängen. Es war furchtbar." Nils Hennig ist empört, dass "erst eine halbe Stunde danach die Rettungwagen kamen". Zugleich ist er unendlich dankbar, dass er und seine Freunde bis auf ein paar Blessuren heile dieser Todesfalle entkommen sind. Hennig: "Ich habe in dem Moment wirklich gedacht: 'Du hast schon viel Pech im Leben gehabt, heute hattest du richtiges Glück'."    

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