Dortmunder erlebt humanitäre Katastrophe in Flüchtlingscamp: „Man will uns mundtot machen“

rnCamp in Bosnien

Hunderte Menschen leben auf einer alten Müllhalde in einem Camp nahe der Stadt Bihać in Bosnien. Der Dortmunder Dirk Planert hilft den Geflüchteten vor Ort. Nun droht eine Katastrophe.

Dortmund

, 04.10.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Juni leben bis zu 1200 Menschen unter widrigen Umständen in einem Zeltlager in Vučjak an der kroatisch-bosnischen Grenze. Der Dortmunder Journalist Dirk Planert begleitet die Camp-Bewohner von Tag eins an. Er war durch Zufall vor Ort, als mehrere Hundert Personen von der Polizei auf das Gelände einer ehemaligen Müllhalde gebracht wurden. Seitdem organisiert er vor allem medizinische Hilfe, obwohl er dazu nicht ausgebildet ist. „Bis heute hat das niemand anderes gemacht“, sagt Planert.

Das steht jetzt auf dem Spiel. Dirk Planert sagt: „Die humanitäre Katastrophe in

Vučjak hat begonnen.“ Denn seit dem 26. September sind die Flüchtlinge ohne medizinische Versorgung.

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Bosnische Behörden: Freiwillige Helfer müssen das Camp verlassen

Rund dreieinhalb Monate nach dem Aufbau des Camps hatte die Ausländerbehörde in Bosnien angeordnet, dass eine ungarische Ärztin, ein slowenischer Sanitätsausbilder und eine deutsche Notfallsanitäterin das Camp verlassen müssen. Dirk Planert darf bleiben, da er zum Zeitpunkt der Anordnung nicht im Camp war.

Jede medizinische oder andere Hilfe für Flüchtlinge ist dem gesamten Team untersagt worden und wird künftig als Straftat gewertet. Begründung: Hinter der Versorgung steht keine anerkannte Organisation. Weil das Camp nach Planerts Worten illegal von den Verantwortlichen der Stadt Bihać errichtet worden war, sind große Hilfsorganisationen bisher zurückhaltend.

Dortmunder vermutet politische Motive hinter der Entscheidung

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ soll künftig die medizinische Versorgung in Vučjak übernehmen. Außerdem soll eine Sanitätsstation in einem zwei Kilometer entfernten Dorf den Menschen helfen. Es gibt aber die Befürchtung, dass diese eingeschränkte Hilfe angesichts der schwierigen hygienischen Bedingungen im Lager nicht ausreicht.

Dirk Planert vermutet politische Motive hinter der Haltung der Behörden. „Neben unserer humanitären Arbeit haben wir immer wieder auf die Situation der Menschen dort, Straftaten durch die kroatische Polizei und das Nichthandeln der bosnischen Regierung in Sarajevo hingewiesen. Jetzt will man uns mundtot machen.“

Europaabgeordnete setzen sich für eine Lösung ein

Der SPD-Europaabgeordnete Dr. Dietmar Köster, der auch Dortmund vertritt, hat zusammen mit einer Fraktionskollegin aus Österreich das Thema auf die Karte genommen. „Dirk Planert und sein Team stehen für die Grundrechte der europäischen Charta, auf die sich manch anderer so gerne beruft. Das kann man nicht hoch genug schätzen.“

Dass das Team das Camp verlassen soll, nennt er „ein Desaster und eine humanitäre Katastrophe, die nicht in Übereinstimmung mit Menschenrechten zu bringen ist“. Köster kritisiert, dass sich Grenzpolizisten im EU-Land Kroatien nicht an geltendes Recht halten und Menschen mit Gewalt über die bosnische Grenze drängen, die außerhalb der EU liegt.

Die EU-Kommission müsse dringend handeln. Im Winter bestehe die Gefahr, dass Menschen erfrieren. Die Situation im Camp sei zudem ein Sicherheitsrisiko. Im September kam ein Mann bei einer Auseinandersetzung im Camp ums Leben.

Dirk Planert ist seit Tagen unterwegs, um neue Hilfe zu organisieren. Er sagt: „Aufgeben ist jetzt keine Option. Wir kämpfen!“

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