„Ich sitze zu Hause und habe Angst, den Anschluss zu verlieren“

rnGeneration Z

Umzug fürs Studium, Start der Ausbildung, Lebensplanung: Eine Pandemie macht all das schwieriger. Trotzdem fühlen sich junge Dortmunder mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Einige Beispiele.

Dortmund

, 02.11.2020, 08:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hannah Müllner ist für ihr Journalismus Studium an der TU nach Dortmund gezogen. Eigentlich kommt sie aus Heilbronn, in der Nähe von Stuttgart. Im Vorfeld habe sie geschaut, dass sie in eine Gegend zieht, in der sie sich wohl fühlt. Auch wegen der Coronavirus-Pandemie: „Die Wohnung wird der Ort sein, wo ich wahrscheinlich die meiste Zeit verbringen werde“, sagt die 20-Jährige.

Ihre neue Heimat hat sie alleine erkundet. Aus Rücksicht und Vorsicht. „Was auch cool war“, sagt sie. „Man lernt mit sich selbst Zeit zu verbringen und wird dadurch mutiger.“

Eine Infoveranstaltung vor Semesterstart konnte Hannah Müllner vor Ort mitmachen. Dabei konnte sie einige ihrer neuen Kommilitonen persönlich treffen. „Und zur Hälfte sehen, wegen der Maske“, sagt sie.

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Bei den Erstis herrsche viel Unsicherheit, wie viel Kontakt in Ordnung sei. Es sei gerade nicht die richtige Zeit für gesellige Treffen. Und obwohl die Fachschaft Kennenlern-Termine auf Zoom für die neuen Studenten organisiert, wird Hannah Müllner damit noch nicht warm: „Vielleicht komme ich noch rein, aber jetzt bin ich noch nicht so ganz vertraut damit, online Menschen kennenzulernen.“

Viel Solidarität in junger Generation

Auch sie hat manchmal das Gefühl, dass ältere Generationen den Jüngeren die steigenden Corona-Zahlen gerne in die Schuhe schieben und mit dem Finger auf sie zeigen. „Als wären wir nur die Generation Spaß ohne Solidarität“, sagt die 20-Jährige. Dabei erlebe sie genau das mit in ihrem Freundeskreis. Eigene Wünsche werden zurückgestellt und Corona-Regeln eingehalten.

So sei es ebenfalls unter ihren neuen Kommilitonen. „Das ist keine Jammergruppe, sondern alle versuchen positiv zu bleiben. Jeder ist mal sauer und hätte es sich anders gewünscht“, sagt Hannah Müllner. „Aber ich bekomme nicht mit, dass viele in meiner Generation gerade im Selbstmitleid baden.“

Sorgen der jungen Leute ernst nehmen

„Ich habe das Gefühl, dass wir von vielen nicht gesehen werden“, sagt Lea Hollender. Eigentlich wollte die 18-jährige Abiturientin dieses Jahr noch gar nicht anfangen zu studieren. Reisen nach New York und mit dem Wohnwagen durch den Balkan standen auf ihrer To-Do-Liste. Doch wie bei so vielen hat Corona ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Der Umzug von Lea Hollender (18) nach Dortmund verzögert sich - der Vormieter sitzt in Quarantäne.

Der Umzug von Lea Hollender (18) nach Dortmund verzögert sich - der Vormieter sitzt in Quarantäne. © Privat

Jetzt hat ihre Ersti-Woche angefangen. Aber auch hier stehen statt Kneipentour und Campus-Ralley Online-Treffen auf dem Programm. Generell findet ihr Journalismus-Studium an der TU nun doch digitaler statt, als anfangs gedacht. „Nur jeden zweiten Donnerstag habe ich eine Präsenzvorlesung in Dortmund“, sagt Lea Hollender.

Vormieter in Quarantäne, Umzug verschoben

Noch sitzt die Studentin auf ihren gepackten Koffern in der Eifel. Eigentlich hätte sie in dieser Woche die Schlüssel für ihre neue Wohnung in Dortmund entgegennehmen können. Doch ihr Vormieter steckt noch in Quarantäne und kommt nicht aus der Wohnung raus. „Ich weiß noch nicht, wie das laufen soll, aber das weiß man ja sowieso nie in dieser Zeit“, sagt die 18-Jährige.

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Außer den Ruhrpott und BVB verbindet sie noch nichts mit ihrem neuen Zuhause. „Sich nur mit einer Person treffen zu dürfen, ist zwar sinnvoll, aber blöd, wenn man niemanden kennt“, sagt sie. „Ich sitze zu Hause und habe Angst, da den Anschluss zu verlieren.“

Auch wenn es schlimmere Schicksale durch die Corona-Krise geben mag, als die der Abiturenten und Erstis, hat Lea Hollender trotzdem das Gefühl, dass ihre Generation immer ein wenig belächelt wird. „Der Abiball war gar nicht so schön“, hieße es dann häufig. „Aber das kann einem ja keiner zurückgeben. Hochzeiten kann man um ein Jahr verschieben. Den Abschied von der ganzen Jahrgangsstufe nicht“, sagt Lea Hollender.

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