Dortmunder erzählen von ihren Abenteuern

"Couchsurfer“

DORTMUND Eine Fremde quartiert sich nächste Woche bei Jörg Wimper (23) ein. Sie kommt aus der Ukraine, will einmal in Dortmund übernachten. Viel mehr weiß Jörg nicht über sie. Der Rest – Überraschung.

von Von Inga Wolter

, 06.03.2010, 10:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf Jörgs »Luxus-Couch« wird nächste Woche eine ukrainische Reisende schlafen.

Auf Jörgs »Luxus-Couch« wird nächste Woche eine ukrainische Reisende schlafen.

Schüchtern sagte Jörg, dass er ziemlich lange, einen Monat, bleiben wolle. „Kannst trotzdem hier wohnen, hat er geantwortet“, erinnert Jörg sich. „Und dann hab ich sein Leben mitgemacht.“ Ohne Strom gelebt, Fische geangelt, den Gast-Opa mit dem Boot besucht. In Australien hat ihn ein Ehepaar „adoptiert“. „Die beiden hatten keine Kinder,“ erzählt Jörg. „Deswegen haben sie laufend Couchsurfer aufgenommen, als Ersatz.“ In Perth überließ ihm eine Frau für vier Tage ihr Haus. „Es ist echt extrem, wie die Leute sich vertrauen“, meint Jörg. Er orientiert sich am Couchsurfing-Referenzsystem und vertraut seiner Menschenkenntnis. „Wenn es vernünftige Leute sind, gebe ich ihnen auch meinen Schlüssel.“

Beim „Surfen“ hat Jörg bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht: „Es ist, als ob man Freunde trifft. Man kommt an, und es geht sofort los.“ Zu Partys, in die Stadt, zu Familienfesten. „Und wenn einem mal nichts mehr einfällt, redet man halt übers Reisen.“ In Perth wurde er von einer Couch zur nächsten „weitergereicht“. Auch die Dortmunder Szene ist gut vernetzt. „Frag mal Timo Bouerdick“, rät Jörg. Der 30-Jährige organisiert Couchsurfer-Treffen in Dortmund, Grillen im Westpark, Kino. Als Couchsurfer ist er unterwegs, weil er so „Orte sieht, an die er sonst nie gehen würde“ – etwa die Sprayer-Szene von Brooklyn.

Claudia Schulz (41) hingegen hat sich die weite Welt bis jetzt „nur“ ins Haus geholt – Zauberer, Vogelkundler, zehn Leute. Als ihre Eltern davon hörten, waren sie skeptisch, sorgten sich um die Sicherheit von Claudias Tochter. Doch die Schulzes begegnen ihren Gästen ohne Misstrauen: „Wir denken erst immer nur das Beste.“

  • www.couchsurfing.com

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