Ungewöhnliches Hobby: Dortmunder Familie macht Kinder zu Programmierern

rn„Digitalkinder“

Eine Dortmunder Familie hat ein ungewöhnliches Projekt gestartet. Sogar Kinder ab 3 Jahren können an ihren Workshops schon teilnehmen. Auch für Eltern haben sie Tipps parat.

Dortmund

, 18.10.2020, 06:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Kinder und Jugendliche heutzutage mit digitalen Geräten in Berührung kommen, sind es meist Smartphones und Spielekonsolen. Kein Wunder, dass der frühe Kontakt der Kinder mit Technik auf diese Weise eher verpönt ist.

Das muss doch geändert werden, dachten sich vor zwei Jahren auch Ivonne und Gero Presser aus Dortmund. So entstand bei den beiden Eltern von zwei heute fünf- und siebenjährigen Jungs die Idee, Kindern mit einem Projekt den Einstieg in die digitale Welt einfacher und vor allem greifbarer zu machen.

Dafür haben sie seit zwei Monaten auch eine eigene Website ihres Projekts namens „Digitalkinder“. Heute bieten sie über die Website Anleitungen zum Programmieren, einen Blog für Eltern und Workshops für Kinder an.

„Die Kinder sollen nicht nur zu reinen Konsumenten werden“

Konkret geht es darum, dass Kinder die digitale Welt selbst prägen können und sie aktiv an ihrer Gestaltung teilnehmen. „Die Kinder sollen nicht nur zu reinen Konsumenten von IT werden“, sagt Ivonne Presser, erfahrene Sozialpädagogin. „Sie können Spiele ganz einfach selbst erschaffen und kreativ zu Produzenten werden.“

Bei "Digitalkinder" können Kinder selbst eigene Spiele und mehr entwickeln.

Bei „Digitalkinder“ können Kinder selbst eigene Spiele und mehr entwickeln. © Screenshot: privat

Vor zwei Jahren entdeckten sie auf einer Roboter-Olympiade ihrer eigenen Kinder, welche Möglichkeiten es im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) noch alles gibt, und wie viel Interesse ihre Kinder und deren Freunde doch eigentlich an dem Thema haben.

In Workshops zum Programmier-Experten

Nachdem Familie Presser bereits privat mehrere Workshops anbot, findet Ende Oktober jetzt der erste offizielle Workshop statt. Der sei auch schnell ausgebucht gewesen.

Mitmachen können beim ersten Workshop Kinder zwischen 3 und 8 Jahren. Auch wenn es von großem Vorteil sei, dass die Kinder lesen können, könnten auch schon Kleinere die IT-Welt entdecken.

„Die Kinder sind da sehr clever. Nach ein paar Erklärungen verstehen sie die Prozesse und haben viele eigene Ideen“, sagt Gero Presser, der als Informatiker arbeitet.

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In den Workshops sollen die Kleinen in Teams gemeinsam ein Spiel erschaffen und programmieren. Das steigere auch die Teamfähigkeit der Kinder.

Bei einem Spiel könnten die Kinder so einiges programmieren: von der Welt und der Spielfigur, mit der sie spielen möchten, bis hin zu kleinen Aufgaben oder Gegnern. Viel Spaß haben die Kinder an Soundeffekten wie zum Beispiel Explosionen.

Auch bei ihren Anleitungsvideos und Blogeinträgen geht es den Pressers eher darum, Impulse zu geben und nichts nur zum bloßen Nachmachen zu zeigen. So könnten Kinder auch ganz einfach alleine ins Programmieren einsteigen, ohne dass die Eltern aktiv werden.

Ehrenamtlicher Aufwand

Die technischen Geräte für die Workshops – Tablets oder Computer – werden den Kindern von Familie Presser gestellt. Bisher sind die Workshops kostenlos.

Gero und Ivonne Presser können sich auch nicht vorstellen, dass sie mal mehr als eine kleine Aufwandsentschädigung dafür nehmen würden. „Wir sehen das hier als eine Art Ehrenamt. Es macht uns ja Spaß. Dabei geht es nicht ums Geld“, sagt Ivonne Presser.

Am Anfang von „Digitalkinder“ haben die beiden sich vor allem viel mit Recherchen beschäftigt. „Es ist nicht so leicht, seriöse und gleichzeitig deutschsprachige Anleitungen für Programmierungen zu finden. So haben wir viele ausländische Quellen genutzt und eben Anleitungen für die Kinder selbst erstellt“, sagt Gero Presser.

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Für die Zukunft können sich die beiden gut vorstellen, ihre Workshops auch online oder in Schulen anzubieten.

„Apps kann eigentlich jeder programmieren“

„Im Grunde kann man nie früh genug anfangen. Anstatt Technik zu konsumieren, sollten wir und besonders unsere Kinder sich erstmal selbst ausprobieren“, so Gero Presser.

Man brauche keine Hemmungen zu haben, sich an diese Technik heranzuwagen. Auch Apps könne eigentlich jeder programmieren. Die Prozesse zu verstehen und selbst zu entwickeln, sei leichter als gedacht.

5 Tipps für Eltern

1. Gero und Ivonne Presser empfehlen Eltern vor allem, dem Thema mit einer gewissen Offenheit und Neugierde zu begegnen. „Man muss seine Ängste vor der Technik ablegen“, sagt Ivonne Presser.

2. Für das Programmieren seien die richtigen Werkzeuge ein absolutes Muss. Damit sind zum Beispiel geeignete Quellen und Programme gemeint.

3. Auch eine gute Anleitung sei daran anknüpfend sehr wichtig. Der Blog der „Digitalkinder“ soll Eltern bei der Anleitungssuche helfen und inspirieren.

4. Ein weiterer Tipp ist, mit den Kindern ständig Impulse zu suchen. „Also beim Spielen oder unterwegs im Laden Gelegenheiten zu suchen, in denen die Kinder merken: Hey, das kann ich auch ganz einfach selbst machen“, so Gero Presser.

5. „Kreativität - darauf baut auch das Programmieren auf“, sagt er auch. Besonders Eltern könnten die Kreativität ihrer Kinder fördern.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.digitalkinder.de.

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