Dortmunderinnen spenden über 500 Stoffmasken – Wir bringen sie zu den Suchenden

RN-Aktion „Maskenhilfe“

Der Bedarf an Schutzmasken ist in Corona-Zeiten groß. Mit unserer Hilfsaktion „Maskenhilfe“ bringen wir Einrichtungen und Freiwillige zusammen – eine Dortmunder Gruppe ist besonders fleißig.

Dortmund

, 22.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Renate Karaoglan (auf dem Bild zu sehen) und die Frauen des Mind-Vereins haben schon fleißig genäht.

Renate Karaoglan (auf dem Bild zu sehen) und die Frauen des Mind-Vereins haben schon fleißig genäht. © Privat

Eine Maskenpflicht gab es in NRW bislang nicht. Noch am Dienstag (21.4.) erklärte die Stadt Dortmund, dass sie derzeit noch eine einheitliche Regelung des Landes abwarte – sich aber andernfalls bis Ende der Woche „eine eigene Meinung dazu bilden“ wolle.

Diese Überlegung erübrigte sich am darauffolgenden Tag: Die NRW-Staatskanzlei kündigte eine Maskenpflicht für öffentlichen Nahverkehr und Einkäufe ab dem 27. April für das ganze Land an.

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Aktion: Wir bringen Angebot und Nachfrage zusammen

Doch ob Pflicht oder nicht: Der Bedarf an Masken ist riesig, die Vorräte sind knapp. Weil die professionellen Masken in Krankenhäusern gebraucht werden, empfiehlt unter anderem die Bundesärztekammer im Alltag das Tragen einfacher Stoffmasken.

Einrichtungen suchen freiwillige Näher – und jene, die mit Nadel und Faden bereits selbst die Initiative ergriffen haben, suchen ihrerseits Abnehmer für ihre Masken.

Wir haben die Aktion „Biete-Suche“ gestartet, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Ehrenamtliche Näher und bedürftige Einrichtungen können sich melden – wir bringen sie zusammen. Stand 21. April haben sich insgesamt bereits 57 freiwillige Näherinnen und Näher über das Formular bereiterklärt, Stoffmasken zu nähen. Dadurch konnten wir schon allen 27 Suchenden, die sich gemeldet haben, helfen.

An dieser Stelle möchten wir natürlich jeder einzelnen ehrenamtlichen Näherin / jedem ehrenamtlichen Näher ganz herzlich danken! Alle Infos und Anmeldung unter: www.rn.de/maskenhilfe

#wirhaltenzusammen – unter diesem Motto bringen wir Angebot und Nachfrage in Sachen selbst genähter Schutzmasken zusammen.

#wirhaltenzusammen – unter diesem Motto bringen wir Angebot und Nachfrage in Sachen selbst genähter Schutzmasken zusammen. © Verlag

Frauengruppe aus Dortmund näht besonders fleißig

Eine Frauengruppe aus Dortmund ist besonders fleißig. Renate Karaoglan hat mit fünf Frauen aus ihrem Verein „Mind“ (Miteinander in Dortmund) und ihrer Freundin Naciye Kamcili-Yildiz in rasanter Geschwindigkeit Masken genäht und konnte daher innerhalb kürzester Zeit folgenden Einrichtungen/Personen helfen:

  • St. Vincenz Jugendhilfe Zentrum Dortmund (200 Stoffmasken)
  • Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln (155 Stoffmasken), hier haben sie die Masken sogar persönlich vorbeigebracht
  • Zwei private Suchen von Risikopatienten (4 Stoffmasken)

Wichtig zu wissen

Kein Ersatz für professionelle Masken

  • Selbst genähte Mund-Nasen-Masken sind nur ein Behelf und kein Ersatz für professionelle Masken. Deshalb garantieren sie auch keinen Schutz vor dem Coronavirus.
  • Aber sie bremsen den Tröpfchenflug beim Atmen beziehungsweise Sprechen – und tragen so zu einem geringeren Risiko bei, sich selbst oder andere zu infizieren.
Schon vorher haben die Frauen für den Dortmunder Verein Herzkissen fleißig genäht. Irgendwann war der Bedarf dort gedeckt. „Unsere Vereinsaktivitäten sind durch das Coronavirus praktisch auf Null gefahren“, schildert Renate Karaoglan die Beweggründe, an der Aktion teilzunehmen.

Die Lehrerin sagt, dass man auf der einen Seite der Gesellschaft so etwas zurückgeben könne und auf der anderen Seite könne man wieder gemeinschaftlich mit den Freundinnen arbeiten - wenn auch räumlich getrennt. „Doch man weiß, die anderen sitzen da irgendwo und nähen auch“, sagt sie.

Naciye Kamcili-Yildiz näht pro Wochenende 100 bis 120 Masken

Ihre Freundin Naciye Kamcili-Yildiz ist Wissenschaftlerin der Religionspädagogik an der Uni Paderborn. Durch den Stopp der Vorlesungen habe sie die Zeit gehabt. „Und diese Zeit kann ich dann auch für etwas Gutes nutzen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Am Anfang - vor etwa vier Wochen - habe sie unter der Woche nach dem Homeoffice genäht. Von 18 Uhr bis tief in die Nacht.

Nach dem Homeoffice beginnt für Naciye Kamcili-Yildiz das Nähen. Sie und ihre Freundinnen haben bereits über 500 Stoffmasken genäht und gespendet.

Nach dem Homeoffice beginnt für Naciye Kamcili-Yildiz das Nähen. Sie und ihre Freundinnen haben bereits über 500 Stoffmasken genäht und gespendet. © Privat

Jetzt näht sie nur noch am Wochenende und näht den Samstag und Sonntag durch. Und näht und näht und näht. Maske für Maske. So schafft sie aktuell 100 bis 120 Stoffmasken pro Wochenende, sagt Kamcili-Yildiz. Etwa zehn Minuten brauche sie für ein Exemplar.

Zu Beginn mussten die Frauen auch alle Materialien aus eigener Tasche bezahlen. Schwierig sei es zwischendurch vor allem gewesen, an Gummi-Bänder zu kommen. Immerhin da habe es jetzt Nachschub aus einer Haushaltauflösung gegeben, sagt Naciye Kamcili-Yildiz.

Über unsere Aktion hinaus haben sie insgesamt bereits über 500 Masken genäht und gespendet.

Auch damit es abwechslungsreich bleibt, variieren die Näherinnen im Muster und Stoff.

Auch damit es abwechslungsreich bleibt, variieren die Näherinnen im Muster und Stoff. © privat

Hinweis der Redaktion (22.4.): In einer ursprünglichen Version des Artikels hatten wir berichtet, dass es noch keine einheitliche Regelung für die Maskenpflicht gebe, da der entsprechende NRW-Beschluss erst nach der ersten Veröffentlichung dieses Textes erfolgte.

Info: Wer dem Verein „Mind“ mit Sachspenden helfen möchte, kann sich per E-Mail melden an: info@miteinander-in-dortmund.de
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