Dortmunder fürchten, ihr Ortskern könnte verschwinden

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Im Dortmunder Süden geht nach der Schließung einer Kult-Kneipe die Angst um, dass ein historisch gewachsener Ortskern sein Gesicht verliert. Die Politik möchte eingreifen. Nur wie?

Berghofen

, 27.02.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ende einer Ära oder wieder geht ein Stück Berghofer Geschichte verloren. So steht es auf der Facebook-Seite der Gaststätte zum Steigerturm an der Kneebuschstraße.

Zum 1. Mai 2020 ist Feierabend in der „Pott-Kneipe“. Das Haus wird abgerissen. Mit dem mehr als 150 Jahre alten Gebäude verschwindet aber auch ein benachbarter Bauernhof. Ein altes Bauernhaus samt Stall.

Der Neubau kommt

An den Platz der beiden historischen Gebäude kommt ein Neubau. Wie der aussehen wird, steht noch in den Sternen.

Ein Investor aus Recklinghausen soll in die Planungen involviert sein. Jetzt geht die Angst in Berghofen um. Die Angst davor, dass an die Stelle der alten Gebäude ein „seelenloser Klotz“ gebaut wird.

Uwe Dörsing (BV-Fraktion), Jana Hövelmann (Vorsitzende OV Berghofen), Christiane Lusebrink-Dickewied (Ratskandidatin), Bärbel Mielicki (BV-Fraktion), Veronika Rudolf (Ratskandidatin, v.l.) vor dem Anbau der Gaststätte Steigerturm.

Uwe Dörsing (BV-Fraktion), Jana Hövelmann (Vorsitzende OV Berghofen), Christiane Lusebrink-Dickewied (Ratskandidatin), Bärbel Mielicki (BV-Fraktion), Veronika Rudolf (Ratskandidatin, v.l.) vor dem Anbau der Gaststätte Steigerturm. © Jörg Bauerfeld

Der Verein „Unsere Mitte Steigerturm“ warnt schon länger davor, dass der Ortskern verschwinden könnte. „Der alte Ortskern wird sein Gesicht verlieren“, sagte Winfried Liebig, Vorsitzender des Vereins.

Auch die SPD Aplerbeck hat sich jetzt mit der Problematik beschäftigt und versucht, einzugreifen. Nur: Die Mittel sind begrenzt, das wissen auch die Politiker.

Noch ist der Steigerturm geöffnet

Bei den Sozialdemokraten will man trotzdem nichts unversucht lassen. Einmal, was den Erhalt der noch verbliebenen alten Gebäude im Bereich der Berghofer Schulstraße und der Kneebuschstraße angeht, aber auch was die Gestaltung des Neubaus betrifft, der dort hinkommen soll, wo heute noch kühles Pils über den Tresen geht.

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„Die Eigentumsverhältnisse haben hier gewechselt und es ist ein Bauantrag gestellt worden“, sagt Veronika Rudolf (SPD-Ratskandidatin).

Eine Tatsache, die im Dorf zu einer regen Diskussion geführt hat. Denn Berghofen feiert in diesem Jahr sein 800. Bestehen.

Folgen für ganz Berghofen

Man sei nicht glücklich mit der Vorstellung, dass ein Neubau Teile der alten Dorfmitte ablöst. „Uns geht es einfach um den Erhalt der historischen Mitte“, sagt Uwe Dörsing (SPD-Fraktion in der BV Aplerbeck).

Denn mit einem Neubau würde sich nicht nur die Optik ändern, er könnte weitreichende Folgen für den gesamten Bereich haben.

Ist die alte Mauer auch in Gefahr? Durch den geplanten Neubau könnte es auch Verkehrsprobleme geben.

Ist die alte Mauer auch in Gefahr? Durch den geplanten Neubau könnte es auch Verkehrsprobleme geben. © Jörg Bauerfeld

Da ist einmal die Verkehrssituation. Zwar ist noch nicht klar, wie groß ein Neubau werden wird, doch stellen sich die Politiker schon jetzt die Frage, wie ein Verkehrskonzept aussehen könnte.

Denn die Kneebuschstraße ist gerade in diesem Bereich ziemlich schmal. „Wenn ein Neubau hier realisiert wird, gegen den man sich ja auch nicht wehren kann, hätten wir schon den Wunsch, zuvor auch einmal Gespräche mit dem Investor zu führen“, sagt Dörsing.

Historische Mitte schützen

„Wir als Berghofer bedauern ein wenig, dass man uns bisher in den Prozess nicht mit einbezogen hat“, sagt Veronika Rudolf.

Denn ein Neubau könnte auch den Rest der historischen Mitte gefährden. 2015 gab es schon einmal einen Antrag der SPD in der BV Aplerbeck, die Besonderheit der historischen Mitte Berghofens auch durch eine gestalterische Planung zu unterstützen. Aus der Verwaltung der Stadt Dortmund gab es damals einen ablehnenden Bescheid.

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Was könnte helfen, die alte Mitte zu erhalten? „Letztlich geht es wohl nur über den Denkmalschutz“, sagt Jana Hövelmann (Vorsitzende der Ortsunion Berghofen).

Da wären das alte Feuerwehrgerätehaus und der Hof Wilsmann. Ob das für die noch wenigen verbliebenden Gebäude in Berghofen aber machbar ist, sei fraglich.

Bezirksvertretung wird das Problem noch diskutieren

Für die beiden Gebäude, die Kneipe und den alten Bauernhof, ist die Messe eh gelesen.

„Wir werden jetzt versuchen, mit dem Investor Kontakt aufzunehmen und versuchen, Einfluss auf den Neubau zu nehmen“, sagt Jana Hövelmann. Auch die BV-Aplerbeck wird sich noch einmal mit dem Thema befassen.

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