Die großen Weihnachtsfeiern im Freischütz - hier ein Archivbild - wurden teilweise schon im August wieder abgesagt. Seit Wochen stornieren auch kleinere Festgesellschaften ihre geplanten Feiern. © Archiv
Coronavirus

Dortmunder Gastronomen erleben Absage-Welle bei Weihnachtsfeiern

Weihnachtsfeiern sind nach der geltenden Corona-Schutzverordnung eigentlich erlaubt. Doch es hagelt Absagen in Dortmunder Restaurants. Wir haben uns bei Gastronomen und Firmen umgehört.

Nach der am 24. November in Kraft getretenen Corona-Schutzverordnung gilt nun die 2G-Regel für Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen. Das heißt, betriebliche Weihnachtsfeiern ausschließlich mit Geimpften und Genesenen sind weiterhin erlaubt.

Doch in der Praxis sieht es offenkundig so aus, dass Bürgerverantwortung die Regierungs-Kommunikation schlägt und viele Unternehmen auf ihre Weihnachtsfeiern ganz verzichten.

Manuel Kraas, Geschäftsführer des Westermanns an der Kaiserstraße und an der Wethmarheide kurz hinter der Brechtener Stadtgrenze in Lünen, konstatiert am Mittwoch (24.11.) diesbezüglich, dass „eigentlich alles seit gestern storniert“ sei. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der plötzlichen Absagen seien natürlich katastrophal, obgleich das Geschäft à la carte weiter seinen Weg gehe. Allerdings breche eben ein erheblicher Teil des Umsatzes weg.

Weihnachtsfeiern auch für das Personal „nicht ungefährlich“

Dirk Geisler, Inhaber des Sissikingkong, bestätigt dieses Geschehen: Gerade Buchungen für „größere Feiern“ seien zahlreich storniert worden. Wirtschaftlich sei natürlich auch in seinem Restaurant mit Kegelbahn im Kreuzviertel von einem finanziellen Schaden auszugehen; er habe noch „keine Ahnung“, wie das „abgefangen“ werden könne.

Geisler kann die Absagen aber, auch im Sinne seines Betriebs, durchaus verstehen. Die aktuelle Corona-Situation sei schließlich für das Personal nicht ungefährlich.

Der große Vorderraum mit Tresen sieht noch ein wenig nach Umzug und Renovierung aus - doch Betreiber Dirk Geisler freut sich bereits auf die Eröffnung.
Der große Vorderraum mit Tresen sieht noch ein wenig nach Umzug und Renovierung aus – doch Betreiber Dirk Geisler freut sich bereits auf die Eröffnung. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Im Freischütz an der Stadtgrenze zu Schwerte ist die Situation bei den Absagen vergleichbar, wenn auch in einer anderen Größenordnung der Personenzahlen: bereits im August seien hier gebuchte Weihnachtsfeiern mit 400 bis 600 Gästen wieder storniert worden, heißt es.

Seit zwei bis drei Wochen treffe dies nun aber auch auf kleinere Festgesellschaften zu. Aktuell stünden bei 27 Stornierungen noch 22 Buchungen mit zehn bis 60 Gästen „im System“, wie Geschäftsführer Philip Winterkamp auf Nachfrage sagt.

Zum Glück mache es der Außenbereich des Freischütz möglich, auf die betriebswirtschaftlichen Ausfälle zu reagieren, die aber nichtsdestotrotz „extrem weh“ täten. Man habe beispielsweise öffentliche Feiern zwar absagen müssen, der „Winterwald“ auf dem Gelände böte aber dennoch Gelegenheit für ein „Teamerlebnis“; dort gäbe es die Gans dann eben draußen.

Noch kein Stornierungstrend bei gebuchten Weihnachtsmenüs

Obgleich man etwa im Freischütz bereits im Sommer eine konkrete Fokussierung auf den genannten Außenbereich gelegt habe, sei man auch hier von der aktuellen „Wucht“ der Absagen überrascht gewesen.

Bei den privat gebuchten Weihnachtsmenüs sei dagegen im Vergleich zu den betrieblichen Weihnachtsfeiern in den Gastronomien noch kein merklicher Stornierungstrend auszumachen. Hier hätten die Buchungen für die Feiertage größtenteils Bestand, wie Manuel Kraas und Philip Winterkamp erklären.

Neben dem Restaurant
Neben dem Restaurant „Westermanns“ an der Wethmarheide in Lünen wird zwei Jahre lang die B54 erweitert. © Claeßen © Claeßen

Ganz unterschiedlich gehen Dortmunder Unternehmen mit ihren Plänen für eine Weihnachtsfeier in diesem Jahr um. „Wir haben ein gemeinsames Essengehen am letzten Arbeitstag dieses Jahres geplant und werden das unter Anwendung der 2G-Plus-Regel auch durchführen“, sagt Stefan Rundholz vom Bauunternehmen Rundholz in Brackel.

Signal Iduna verzichtet auf das BVB-Weihnachtssingen

Er rechnet nach den Erfahrungen vergangener Jahre damit, dass etwa 60 bis 70 der insgesamt 100 Beschäftigten an dem Abendessen in der Restauration des Golfclubs in Brackel teilnehmen werden. „Wir werden alle Vorsichtsmaßnahmen treffen. Jeder wird sich, obwohl er geimpft oder genesen ist, vorher noch einmal testen lassen. Und dann ist es ja nichts Anderes, als es bei jedem normalen Restaurantbesuch auch wäre“, so Stefan Rundholz.

Er fügt hinzu: „Wir haben als Unternehmen ein tolles Jahr gehabt und möchten darauf, bevor wir bis zum 5. Januar in die Weihnachtspause gehen, noch einmal gemeinsam zurückblicken.“

Gerne hätte die Versicherungsgruppe Signal Iduna ihren 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie deren Angehörigen wieder Karten für das BVB-Weihnachtssingen zur Verfügung gestellt. „Das haben wir allerdings letzte Woche schweren Herzens aufgrund der aktuellen Entwicklung abgesagt“, sagt Unternehmenssprecher Edzard Bennmann.

Weihnachtsessen von 2020 im August 2021 nachgeholt

Und: in einer Information hat man allen Mitarbeitenden bei Signal Iduna jetzt mitgeteilt: „In der aktuellen Lage bitten wir darum, den privaten Kontakt unter den Mitarbeitenden ebenfalls einzuschränken und auf Weihnachtsfeiern, Jubilarehrungen, Geburtstagsfeiern, gemeinsame Weihnachtsmarktbesuche etc. möglichst zu verzichten.“

Noch gar nichts geplant hat Thomas Grüner, Geschäftsführender Gesellschafter von Kaddi-Lack Farben im Dortmunder Hafen. „Wir haben immer schon unsere Feier in den Januar verschoben, weil es dann einfach für alle Beteiligten entspannter ist“, sagt er.

In seiner Firma beschäftigt er sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Nachdem unser vergangenes Weihnachtsessen schon nicht stattfinden konnte und wir es im August nachgeholt haben, werden wir es eventuell auch diesmal wieder verschieben“, so Thomas Grüner.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle