Dortmunder, geht in eure Museen!

rnKlare Kante

Die Besucherzahlen in den Museen sind eher mau. Fraglich ist, ob sich daran etwas ändert, wenn nun die städtischen Museen eintrittsfrei sind. Es fehlt am Bewusstsein für kulturelle Bildung.

Dortmund

, 31.12.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Stell dir vor, Museumsbesuche sind kostenlos und keiner geht hin. Ein Szenario, das vielleicht bald Realität werden könnte. Denn in der Tat ist ab Beginn des neuen Jahres der Eintritt in die Dauerausstellungen aller städtischen Museen frei – im Museum Ostwall im U, im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, im Brauereimuseum, Kindermuseum Adlerturm, Schulmuseum, Hoeschmuseum und irgendwann auch im Naturkundemuseum, das zurzeit saniert wird. So hat es der Rat im November beschlossen.

Doch die Zweifel sind berechtigt, ob das Kulturangebot dann auch wirklich deutlich mehr genutzt wird. Denn Kunst und Bildung scheinen bei Vielen keinen hohen Stellenwert zu haben. Und das ist ebenso schade wie bedenklich.

Vorläufer waren auch nicht erfolgreich

Warum ich so skeptisch bin? Der freie Eintritt in die städtischen Museen hat einen Vorläufer. Schon 2017 hatte die Stadt die Aktion „Wiedersehen macht Freunde – einmal bezahlen, alles erleben“ gestartet. Wer einmal 5 Euro Eintritt in einem städtischen Museum gezahlt hatte, konnte damit alle anderen städtischen Museen das ganze Jahr über besuchen.

Im Westfälischen Schulmuseum und im Kindermuseum Adlerturm wird seit Anfang 2017 generell auf Eintrittsgeld verzichtet. Man wolle die Teilhabe am Museumsangebot erweitern, alle Bevölkerungsschichten ansprechen und das Stammpublikum erweitern, hieß es.

Doch wer mit einem Ansturm auf Kunst und Kultur gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Die „Museums-Flatrate“ für nur 5 Euro wurde nur spärlich genutzt. Das neue System hat nicht zu den erhofften erheblich höheren Besucherzahlen geführt, heißt es in der Bilanz der Kulturbetriebe. An mangelnder Werbung kann es nicht gelegen haben. Mit Plakaten und Anzeigen wurde auf das Sonderangebot aufmerksam gemacht.

Kunstbanausen waren die Dortmunder vielleicht mal

Sind wir Dortmunder vielleicht Kunstbanausen? Ganz neu ist dieser Verdacht nicht. 1904 bekam Dortmund ein erstes großes Theater. Der prachtvolle Bau stand am Hiltropwall (dort, wo heute das Schauspielhaus steht) und bot Oper und Schauspiel. Klassiker wie Wagners „Tannhäuser“ und Schillers „Wilhelm Tell“ wurden zur Eröffnung gespielt. Doch die Resonanz war zumindest anfangs enttäuschend. Gerade einmal bei 50 Prozent lag die Platzauslastung in der ersten Spielzeit. „Das große Dortmunder Publikum muss wohl erst zur Oper erzogen werden“, hieß es damals in der Presse.

Das hat sich glücklicherweise verändert. In der letzten Saison lag die Auslastung bei Oper und Ballett bei knapp 74 Prozent, im Schauspiel bei 63 Prozent, bei Konzerten der Dortmunder Philharmoniker bei 78 Prozent und im Kinder- und Jugendtheater sogar bei 87 Prozent. Dafür sorgen natürlich auch viele Besucher aus dem Umland.

Oft wurde darauf verwiesen, dass Dortmund halt eine Arbeiterstadt sei und das klassische Bildungsbürgertum fehle. Das verkennt allerdings die Tatsache, dass gerade in der Arbeiterschaft ein großes Bewusstsein für Bildung und Kultur bestand. Vor allem in großen Betrieben wie Hoesch und den Bergbauunternehmen standen Kulturangebote hoch im Kurs. Speziell in Dortmund wurde die Arbeiterliteratur gepflegt. Hoesch versandte Jahr für Jahr an alle Beschäftigten eine hochwertige Jahresgabe mit literarischen Texten.

Für Kinder sind Museen wichtig für die Bildung

Doch das Bewusstsein für kulturelle Bildung scheint in weiten Kreisen verloren gegangen zu sein. Nur rund 70.000 Besucher kamen in diesem Jahr in die städtischen Museen (wobei das Naturkundemuseum mit den traditionell meisten Besuchern seit Jahren wegen Umbaus ausfällt). Mit mangelnder Attraktivität kann das nicht allein erklärt werden. Zwar müssen und sollen einige Dauerausstellungen wie im Museum für Kunst und Kulturgeschichte oder im Schulmuseum überarbeitet werden, sie bieten aber auch jetzt schon ein sehenswertes Angebot – wie der „Museumscheck“ unserer Redaktion gezeigt hat, gerade auch für Familien mit Kindern.

Jetzt lesen

Immer wieder wird beklagt, dass viele Dortmunder Kinder in sozial schwierigen Verhältnissen leben. Und dabei geht es nicht nur um finanzielle Armut, sondern auch um Bildungsarmut. Sie zu beheben ist nicht allein Sache der Schulen, sondern in erster Linie auch der Elternhäuser. Vor diesem Hintergrund gibt es zu denken, wenn auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) feststellt, dass in seinen Museen die Zahl der Kinder und Jugendlichen trotz insgesamt steigender Besucherzahlen seit Jahren zurückgeht.

Man muss das Angebot nur nutzen

Die Konsequenz: Ab 1. April 2019 soll der Eintritt in allen LWL-Museen – dazu gehört auch das Industriemuseum Zollern in Bövinghausen – für Besucher bis 18 Jahre frei sein. Und weil auch das der Erfahrung nach noch nicht allein für steigende Besucherzahlen sorgt, geht der LWL sogar noch einen Schritt weiter. Er richtet einen Mobiliätsfonds mit 300.000 Euro ein, aus dem Schulen und Kitas auf Antrag der Transport zu den Museen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Bussen finanziert wird.

Schluss also mit dem Gejammer, dass Kultur nur für Reiche zu haben ist. Kulturelle Teilhabe ist unabhängig vom Geldbeutel der Eltern möglich. Man muss das Angebot nur nutzen.

Lesen Sie jetzt