Eine andere Seuche hält Dortmund in Atem

rnSerie „Dortmund vor 30 Jahren“

Eine sich verbreitende Seuche, zu viele Raser - heute vor 30 Jahren war viel los. Etliche Themen erscheinen ungewöhnlich aktuell. In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ schauen wir zurück.

von Beat Linde

Dortmund

, 24.07.2020, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden.

24. Juli 1990: Andere Zeiten, andere Seuchen

Eine Seuche hält Dortmund in Atem. Die Stadt reagiert, indem sie die Jagdverbände alarmiert, denn die Tollwut könnte sich ausbreiten. Wie unserem Archiv zu entnehmen ist, wurde ein junger Mann in das Ohrläppchen gebissen und mit der Diagnose Tollwut in die Isolierstation gebracht. Der große Schuldige ist bereits gefunden: Ein Fuchs, der allerdings nicht gefunden werden will.

Deswegen müssen Hunde unbedingt eng an die Leine genommen werden, Katzen sollen im Haus eingesperrt werden und Menschen haben bei Spaziergängen wachsam zu sein.

Ein Fuchs sei für gewöhnlich ein scheues Tier, sagt Dr. Alfred Bialas städtischer Veterinärdirektor, würden die Dortmunder nun aber einem zutraulichen Tier begegnen, sollen sie weglaufen und die zuständigen Behörden alarmieren, denn Jagdpächter sind schon überall im Dortmunder Osten auf der Pirsch. Aber für den Fall, dass unter den geschossenen Tieren nicht auch der erkrankte Fuchs zu finden sein sollte, steht vorsorglich auch ein Impfstoff für die Bevölkerung bereit.

Nur 30 Prozent fahren Tempo 30

Die Wut von Anwohnern und Politikern gegenüber Rasern wird durch eine neue Studie bekräftigt. Über 50 neue 30er-Zonen wurden in Dortmund 1988 beschildert, gebracht hat es wohl kaum etwas. Zwei Jahre spät kommt nämlich heraus, dass weniger als ein Drittel aller Autofahrer sich an das neue Tempolimit halten.

Die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit sank sogar nur um 2 bis 7 Stundenkilometer, das ist gleichbedeutend mit dem letzten Platz eines deutschlandweit durchgeführten Städtevergleichs der Zeitschrift Auto, Motor und Sport.

Grund genug für das Ratsmitglied der CDU, Hans Georg-Hovermann, zu konstatieren: „ Die Verkehrsberuhigung wurde in Dortmund politisch an die Wand gesteuert. [...] An der einen Stelle werden mit größtmöglichem Aufwand wahre Orgien im Verkehrsverbund fabriziert, an der anderen Stelle sollen ein paar Striche auf der Straße die nötige Sicherheit garantieren“.

Chronischer Zechpreller

Sieben Monate Haft für Manfred K.. Der hat erst kurz zuvor seine Entlassung aus dem Gefängnis ausgiebig gefeiert. Nach drei Tagen auf freiem Fuß betrank er sich in fünf verschiedenen Gaststätten in fünf Tagen - allerdings ohne dabei auch nur eine Rechnung zu begleichen.

Infolgedessen könne er sich auch nicht an alle Einzelheiten, die in der Anklageschrift aufgeführt werden, erinnern, heißt es im Gerichtsbericht. Des weiteren sagte K. aus, es sei ihm sein ganzes Geld auf der Brückstraße geklaut worden, weswegen ihm ja nichts anderes übrig geblieben sei, als die Zeche zu prellen.

Obwohl K. seine erste Haft wegen des gleichen Vergehens in 25 weiteren Fällen antreten musste, entschied das Gericht nun auf nur sieben weitere Monate Haft.

Hilfe auf vier Rädern

Vier Fahrzeuge aus dem Dortmunder Fuhrpark wechseln den Besitzer: Die Stadt Dortmund schenkt ihrer ostdeutschen (damals noch DDR-)Partnerstadt Zwickau einen Spezialtransporter für Menschen mit Behinderung, ein Wagen für die Müllabfuhr, eine Kehrmaschine und Gabelstapler. Die Fahrzeuge werden den Vertretern der Stadt Zwickau von Bürgermeisterin Marianne Wendzinki übergeben.

Es ist bereits die Dritte Wagenkolonne, die die Dortmunder entsenden, und es werden auch noch weitere Folgen. Die Hoffnung ist, dass die 1988 begründete innerdeutsche Städtefreundschaft und der damit verbundene Austausch, nachhaltig zu einem gegenseitigen Verständnis und wachsender Solidarität beitragen können.

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