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Dortmunder Gruppe trainiert das italienische Fahnenschwingen

rnItalien-Verein

Fahnenschwingen? Ist das Sport? Eher die Liebe zu einer besonderen Tradition aus Italien mit ihren Kostümen, sagen Dortmunder Fahnenschwinger. Sie trainieren regelmäßig in einer Sporthalle.

Hafen, Eving

, 15.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Fahnenschwinger in Dortmund? So etwas gibt es? In der Tat, und zwar bereits seit vier Jahren. Die Gruppe trifft sich regelmäßig in der Sporthalle des Heisenberg-Gymnasiums, um die Fahnenstangen zu schwingen, zu werfen und die Tücher wehen zu lassen.

Die bislang sechsköpfige Fahnenschwinger-Gruppe ist eine Unterabteilung des Italienvereins mit Sitz im Depot an der Immermannstraße. Bruno Kohler (56) hat die Gruppe 2015 gegründet. Der Dortmunder Lehrer ist seit der Fußball-WM 1974 vom Fahnenschwingen begeistert. Im Münchner Olympiastadion hat der gebürtige Schweizer im Rahmenprogramm Fahnenschwinger aus der Nähe von Florenz bewundert.

„Diese alte Tradition wurde im Zuge der Mittelalter-Veranstaltungen wieder aufgegriffen“, erklärt Bruno Kohler. Ursprünglich komme die Kunst aus dem Kriegsmetier; das schussähnliche Knallgeräusch ruckartig bewegter Fahnen wurde dazu genutzt, die Feinde einzuschüchtern.

Dortmunder Gruppe trainiert das italienische Fahnenschwingen

Bruno Kohler (vorne) in voller Fahnenschwinger-Montur. © Schaper

Im Italien der Neuzeit wird das Fahnenschwingen als Wettkampf ausgetragen. „Es gibt - wie beim Eiskunstlauf - Figuren, verschiedene Schwierigkeitsgrade und Formationen“, sagt Bruno Kohler. Bis zu fünf Fahnenschwinger agieren dabei gleichzeitig, oder ein Solo-Schwinger hat mehrere Fahnen im Spiel.

Was macht die Faszination aus?

Aber was fasziniert die Menschen an dieser Kunst? Kohler: „Die Choreografien erinnern an ein riesiges, sich bewegendes Insekt.“ Das auf den ersten Blick sperrige Gerät aus Tuch und Stange wird zum Ausdruck von Dynamik, Akrobatik und Ästhetik. Diese Art der Fahnenkunst ist in Deutschland selten. Bekannter sind Fahnenschwenker oder -schläger, die im Schützenverein recht dicke Stangen stemmen.

Die Fahnenstangen der Schwinger sind aus leichtem Fiberglas, was viel elegantere Bewegungen ermöglicht. „Fast wie Ballett mit Fahnen“, so Kohler. „Fahnenstab und Stoff lassen sich in Bewegung versetzen, wenn man die physikalischen Eigenschaften zu nutzen weiß. Dann öffnet sich die Fahne, entfaltet sich plötzlich und zeigt ihre Farben, oder aber sie schießt pfeilschnell durch die Luft.“

Passende Kostüme gehören dazu

Zum Gesamteindruck gehören auch die besonderen Kostüme, in Italien meist die Kleidung von Edelmännern im Renaissancestil. Diese schnieken Kostüme sind nicht ganz schuldlos daran, dass Bruno Kohler die Kunst des Fahnenschwingens nach Dortmund importierte. Bei einem Stadtfest südlich von Rom um das Jahr 2000 hat ihn diese besondere Kultur endgültig gepackt. „Die Würde, die die Fahnenschwinger ausstrahlen, dieser Stolz, das hat mich völlig fasziniert.“ Für ihn der Inbegriff an Akrobatik und Geschmeidigkeit.

2010 flog Bruno Kohler dann nach Assisi, suchte Stoffe aus und traf sich mit einer Schneiderin. Fahnenschwinger aus Pisa, die alle zwei Jahre bei „Una Fiesta Italiana“ in Dortmunds Nachbarstadt Unna zu Gast sind, vermittelten dem „ersten Fahnenschwinger nördlich der Alpen“ einen Kontakt zu einem Fahnenmacher in ihrer Heimatstadt. „Die waren völlig aus dem Häuschen.“

So entstand auch der Kontakt zu Simone di Blasi, dem Nationaltrainer der italienischen Fahnenschwinger, der 2015 für einen ersten Workshop nach Dortmund kam. Zum regulären Training treffen sich die Dortmunder einmal im Monat. Zu den neuen Kostümen in Hanse-Blau mit dem Westfälischen Pferd im Emblem gehören Weste und Stiefel. Auf Rüschen oder Hüte verzichtet die Kluft. „Die Arme brauchen Bewegungsfreiheit.“

Dortmunder Gruppe trainiert das italienische Fahnenschwingen

Die Dortmunder Fahnenschwinger würden gern noch Mitstreiter aufnehmen. © Schaper

Auftritte wie beim Tag der Offenen Tür auf Burg Altona sind in diesem Outfit natürlich wesentlich wirkungsvoller. Einen Eindruck von den Fähigkeiten der Dortmunder Fahnenschwinger können Spaziergänger mit etwas Glück an der Hohensyburg erhalten. Bei schönem Wetter will die Gruppe um Bruno Kohler dort auf der Wiese trainieren.

Kontakt und Info

Training und Auftritte

  • Die Fahnenschwinger treffen sich an jedem zweiten Samstag im Monat, von 11 bis 13 Uhr, in einer Turnhalle der Dortmunder Nordstadt.
  • Die Gruppe tritt auch mit einer kleinen Choreografie von etwa 10 Minuten auf, beispielsweise bei mittelalterlichen Festen, Tagen der offenen Tür auf Burgen und Schlössern sowie italienisch-kulturellen Veranstaltungen.
  • Weitere Mitstreiter sind willkommen. Infos bei Bruno Kohler unter der E-Mail: b.kohler2@web.de https://italienverein.de/fahnenschwinger/
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