Shoppen nur mit Termin und negativem Testergebnis: Eine erste Zwischenbilanz in Dortmund fällt allerdings ernüchternd aus. © dpa
Corona-Krise

Dortmunder Händler zu Shoppen mit Corona-Test: „Grausam, es lohnt sich nicht“

Einkaufen mit Test und Termin statt kompletter Lockdown: Das soll dem Einzelhandel in der Corona-Pandemie über die Runden helfen. Eine erste Zwischenbilanz fällt in Dortmund aber ernüchternd aus.

Als wäre das umständliche Shoppen mit Corona-Test und Termin und ohne gemütliche Gastronomie nicht schon genug, schreckt jetzt auch noch das schauerliche April-Wetter davon ab, in der Dortmunder City einzukaufen.

Seit dem 29. März ist das „Click&Meet“-Einkaufen in Dortmund nur noch in Verbindung mit einem gültigen, negativen Corona-Test möglich. Während die allermeisten Geschäfte in der Innenstadt deshalb geöffnet sind, bleiben die Kunden aber aus. „Es ist grausam, das lohnt sich überhaupt nicht“, stellt Cityring-Vorsitzender Tobias Heitmann fest.

Er sagt: „Erst zum Testen gehen zu müssen, um dann in einem Laden etwas einkaufen zu können, das macht keiner.“ Tobias Heitmann vertritt die Innenstadt-Kaufleute und betreibt selbst das Kunsthaus Zimmermann & Heitmann am Hansaplatz. „Bei uns war in der ganzen Zeit ein Kunde mit negativem Test im Geschäft. Das meiste, das wir verkaufen, wird online oder telefonisch bestellt und an der Tür abgeholt“, so Tobias Heitmann.

Butlers und P&C mit niedrigem Umsatzniveau

Auch bei der Kette Butlers, die Deko-Artikel anbietet, ist man mit der ganz vorsichtigen Öffnung des Handels nicht zufrieden. „Weder ‚Click&Meet‘ noch ‚Test, Click&Meet‘ lohnen sich für uns. Es gibt unserer Meinung nach noch zu wenig Teststellen und das Verfahren ist noch zu kompliziert“, sagt Unternehmenssprecherin Bianca Kaufmann und fügt hinzu: „Die Erfahrung machen wir überall – auch in Dortmund.“

Cityring-Vorsitzender Tobias Heitmann fordert als Vertreter der Kaufleute aus der Innenstadt in Dortmund, dass die Politik nicht mehr nur einen Lockdown als Antwort auf die Pandemie kennt.
Cityring-Vorsitzender Tobias Heitmann fordert als Vertreter der Kaufleute aus der Innenstadt, dass die Politik nicht mehr nur einen Lockdown als Antwort auf die Pandemie kennt. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Und die Erfahrung macht man genauso auch beim Düsseldorfer Textilhändler Peek & Cloppenburg. Mit der notwendigen Vorlage eines negativen Tests sei der Umsatz in allen Häusern „auf ein geringes Niveau zurückgegangen“, heißt es.

Die wirtschaftliche Lage des Handels werde immer schwieriger, betont Markus Haas, der Center-Manager in der Thier-Galerie. „‚Click&Meet‘ ist, ob mit oder ohne Test, kein adäquater Ersatz für die Händler für eine reguläre Wiedereröffnung der Geschäfte.“

Thier-Galerie-Chef: „Man verlängert nur das Leiden der Händler“

In der Thier-Galerie bieten rund 60 Geschäfte weiterhin die Möglichkeit von „Click&Collect“ oder „Click&Meet“ – das dann unter Vorlage eines negativen Testergebnisses – an. Zehn Geschäfte haben regulär geöffnet, da sie der Grundversorgung dienen.

Wie viele Geschäftsaufgaben in der Thier-Galerie und auch in der City insgesamt drohen, vermag Markus Haas nicht abzuschätzen. Er sagt aber klar: „Der Handel ist sicher, das Infektionsrisiko ist gering. Der handelsbezogene Lockdown macht daher keinen Sinn, sondern verlängert das Leiden der Händler nur immer weiter.“

Gleichzeitig sei es absehbar, „dass der Lockdown noch weitere Wochen oder Monate“ andauern werde. Es sei daher wichtig, so Markus Haas, „dass die Fördermittel zur Entschädigung der betroffenen Händler endlich in ausreichender Höhe fließen. Denn bislang kommen die versprochenen Förderungen bei den Händlern nicht an.“

Immer mehr Einkäufe werden online getätigt

Thomas Schäfer, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Westfalen Münsterland, findet die bestehenden Testmöglichkeiten in Apotheken oder weit entfernten Testzentren in Dortmund zu umständlich. „Das muss problemloser an zentralen Orten und Plätzen möglich sein“, sagt er.

Der Handelsexperte sieht mit Sorge eine weiter fortschreitende Verlagerung vom Einkaufen im stationären Handel hin zum Online-Shopping. Thomas Schäfer verweist auf einen aktuellen Consumer-Check des Instituts für Handelsforschung. Danach haben im März 43 Prozent der Konsumenten Einkäufe, die sie normalerweise im Geschäft erledigen, online getätigt. Zu Beginn des Jahres waren es nur 34 Prozent.

Vor diesem Hintergrund fürchtet man bei der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund einen erneuten, harten Lockdown, der den Handel weiter zurückwirft. „Die Öffnung des Handels verbunden mit Tests geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Man sollte dieses Öffnungskonzept jetzt weiter ausbauen und nicht wieder alles schließen“, sagt Sprecher Tobias Schucht.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
Zur Autorenseite
Peter Wulle

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.