Dortmunder Händlerin verliert doch noch gegen Longchamp

Handtaschen-Streit

Einer Dortmunder Geschäftsfrau ist nun doch noch verboten worden, Handtaschen zu verkaufen, die einem Edelmodell von Longchamp ähnlich sehen sollen. Das Oberlandesgericht Hamm hat ein erstes Urteil aus Dortmund gekippt. Womöglich geht der Fall an den Bundesgerichtshof.

DORTMUND/HAMM

, 01.09.2015, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Dortmunder Händlerin verliert doch noch gegen Longchamp

Kerstin Funke ist Inhaberin von Schirm Brüggemann in Dortmund. Sie darf eine Handtasche des Herstellers Andersen nicht mehr verkaufen, da diese laut Urteil des Oberlandesgerichts Hamm einer Tasche des französischen Herstellers Longchamp ähnlich sehen.

Abgekupfert oder nicht? Der Streit war an einer rot-weißen Falttasche des deutschen Herstellers Andersen entbrannt, die in Dortmund bei Schirm Brüggemann für 24,95 Euro verkauft wurde. Als der französische Lederwaren-Konzern Longchamp davon erfuhr, schaltete er sofort einen Anwalt ein.

Begründung: Die Tasche sei eindeutig eine Nachahmung des eigenen Edelmodells "Le Pliage". Der Verkauf sollte sofort eingestellt werden. Ansonsten seien pro Tasche 6000 Euro Strafe fällig. Die Dortmunder Richter hatten das in einem ersten Prozess jedoch absolut nicht nachvollziehen können und die Longchamp-Klage im Januar 2014 abgewiesen. 

Dortmunder Urteil gekippt

In der Urteilsbegründung hieß es damals: Die beiden Taschen hätten praktisch nichts gemeinsam. Außer, dass sie einen Henkel hätten und faltbar seien. Genau das sah das Oberlandesgericht in Hamm jetzt jedoch anders. Das Dortmunder Urteil wurde im Juni gekippt, inzwischen wurde den Parteien das schriftliche Urteil zugesandt. Nun heißt es: Die Taschen sind doch eine wettbewerbswidrige Nachahmung der "Le-Pliage"-Handtaschen. Und das sei eine Täuschung der Verbraucher. 

Kerstin Funke, Inhaberin von Schirm Brüggemann, verkauft die Andersen-Tasche nun vorerst nicht mehr. Das bedeute für sie durchaus Umsatzeinbußen, sagte sie im Gespräch mit dieser Redaktion. Immerhin müsse sie allerdings keinen Schadensersatz leisten. Die Kosten des Gerichtsverfahrens trage der Hersteller Andersen. Funke wurde auch vom für Andersen tätigen Anwalt York-Gero von Amsberg verteidigt.

Warum gegen eine kleine Händlerin?

Der sagte auf Anfrage unserer Redaktion, dass man eine Nichtzulassungsbeschwerde an den Bundesgerichtshof geschickt habe. Sprich: Womöglich befasst sich dieser erneut mit dem Taschen-Streit. Warum ein großer Hersteller wie Longchamp eine kleine Händlerin – statt des Herstellers Andersen selbst – verklagt, weiß Kerstin Funke übrigens nicht genau. Aus Sicht von Amsberg drängt sich die Vermutung auf, dass Longchamp diesen Weg wählt, da der Rechtsstreit gegen Andersen zu mühsam sein könnte.

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