Dortmunder Islamist offenbar bei Gefechten in Syrien getötet

Christian Lappe

Es war ein Propagandafilm, mit dem der damals 28-jährige Dortmunder Christian Lappe 2016 an die Öffentlichkeit trat. Lappe war im Sommer 2015 mit seiner Ehefrau nach Syrien ausgereist und hatte sich dort dem IS angeschlossen. Das Video, in dem er zu Anschlägen in Europa aufrief, trug den Titel "Aus der Finsternis zum Licht". Inzwischen dürfte es ziemlich dunkel für Lappe geworden sein, der Islamist soll Anfang August im Südosten Syriens gefallen sein.

DORTMUND

, 05.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Dortmunder Islamist offenbar bei Gefechten in Syrien getötet

Christian Lappe in dem IS-Propagandavideo, das im September 2016 veröffentlicht wurde.

Mit Todesmeldungen von Dschihadisten oder radikal-islamistischen Salafisten aus Syrien ist es nicht ganz einfach: Es sind Meldungen aus einem Kriegsgebiet, die Quellenlage ist oft diffus, gegen die Menschen, um die es geht, wird ermittelt, staatliche Stellen geben daher spärliche bis gar keine Auskünfte. Und es gab durchaus auch schon Totgesagte, die dann von den Toten wieder auferstanden.

Doch es gibt ernsthafte Indizien, dass Christian Lappe am 9. August 2017 im Südosten des Landes gefallen ist. Und es gibt das Foto und Videos eines Toten im Sand von Syrien, der Lappe sehr ähnlich sieht – wenn sie nicht lügen, ist Lappe im Alter von 29 Jahren gestorben.

"Ernste Hinweise"

Dass das so ist, glaubt auch Heiner Vogel, Politikwissenschaftler aus Freiburg, der die Szene seit Jahren beobachtet, über Kontakte in sie verfügt und am Sonntagabend auf seinem Fachblog „Erasmus Monitor“ über die Todesmeldung berichtete. Auch von Sicherheitsbehörden heißt es am Montag auf Nachfrage, dass es „sehr ernstzunehmende Hinweise gibt, dass der Mann nicht mehr lebt“. In seinem Propagandavideo für den Islamischen Staat hatte Lappe selber erklärt, warum er 2012 zum Islam konvertierte. Eine Notoperation rettete ihm wenige Jahre zuvor das Leben, Informationen unserer Redaktion zu Folge wurde die wegen einer chronischen Erkrankung notwendig. Anschließend fing Lappe an, nach dem Sinn des Lebens zu suchen und fand ihn im Islam.

Lappe muss sich dann in den Folgejahren radikalisiert haben, bewegte sich Vogel zufolge später auch in radikal-salafistischen Kreisen und lernte 2014 seine Frau kennen, mit der er 2015 nach Syrien ausreiste. Kurz vor seiner Ausreise soll noch die gemeinsame Wohnung des Ehepaars durchsucht worden sein – auch die Pässe sollten dem Ehepaar entzogen werden, es war bereits auf dem Radar der Sicherheitsbehörden.

Dennoch gelang den Beiden die Ausreise nach Syrien. Anfang September 2016, an einem Freitag, tauchte im Internet das professionelle Propagandavideo auf, in dem sich Lappe an Bestrafungen auf dem damaligen IS-Gebiet beteiligt und erläutert, warum der IS aus seiner Sicht der einzig richtige, weil rechtgeleitete Staat ist. Kurz vor Ende des Films ruft Lappe, der sich dort damals Abu Issa al-Almani nennt, zu Anschlägen in Europa auf. Die letzten Bilder zeigen ihn dann, wir er in militärischer Uniform in die Ferne schauend Wache hält.

Ermittlungen liefen

Nach Auftauchen des Videos bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf unserer Redaktion, gegen Lappe wegen „Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung“ (§§ 129a, b StGB) zu ermitteln, anschließend wurde es lange ruhig um den Mann, der in Dortmund zur Schule ging und hier gelebt hatte. Der IS verlor zunehmend Gebiete und Macht und stand schon länger unter militärischem Druck, im Gegenzug rief der IS zu Anschlägen in Europa auf. So wie es auch Lappe tat. Seine Frau soll noch leben und sich in Syrien aufhalten.

Lesen Sie jetzt