Dortmunder Kinos dürfen öffnen - doch nicht alle tun es auch

rnCorona-Krise

Ab dem 30. Mai dürfen Kinos nach zweimonatiger Corona-Zwangspause wieder öffnen. Trotzdem bleiben einige Dortmunder Lichtspielhäuser geschlossen. Andere wiederum vermieten ihre Kinosäle.

Dortmund

, 25.05.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Mitte März sind bundesweit die Vorhänge vor den Leinwänden der Lichtspielhäuser geschlossen. Im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde verfügt, die Kinobetriebe temporär stillzulegen. Die Lichter gingen aus, ohne dass Filme abgefahren werden durften.

Im Rahmen der Lockerungsmaßnahmen der vergangenen Wochen haben nun einige wenige Bundesländer den Kinobetreibern erlaubt, ihre Säle wieder für die Zuschauer zu öffnen. In Hessen dürfen seit Anfang Mai wieder Filme auf der großen Leinwand gezeigt werden, in Nordrhein-Westfalen soll das ab dem 30. Mai möglich sein.

Aber nur, weil der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden darf, bedeutet das nicht gleich, dass automatisch die Türen überall wieder aufgehen, wo Filme gezeigt werden können. Auch Dortmunds Kinos bleiben überwiegend vorerst dicht. Und das liegt nicht nur an den zahlreichen Auflagen, die die Häuser jetzt zu erfüllen haben.

Der Filmnachschub fehlt

„Die echte Krise kommt erst noch“, warnt Robert Schütte. Der Betreiber der „Filmbühne Zur Postkutsche“ in Aplerbeck verfällt kaum in Jubelstürme, wenn er der Wiedereröffnung seines Kinos entgegensieht. Denn infolge der Kinoschließungen haben die Filmverleiher ihre zahlreichen Top-Titel aufs nächste Jahr verschoben.

„Wie sollen wir den Betrieb denn wieder aufnehmen, wenn wir nichts Neues haben, was wir zeigen könnten?“
Robert Schütte, Betreiber der „Postkutsche“

Neue Filmproduktionen wurden weltweit durch Corona gestoppt und haben neue, vorläufige Starttermine für 2021 erhalten. „Wie sollen wir den Betrieb denn wieder aufnehmen, wenn wir nichts Neues haben, was wir zeigen könnten?“, fragt Schütte.

Dadurch, dass weiterhin keine bundeseinheitliche Wiedereröffnung der Kinos angesetzt worden sei, hielten sich die für den Betrieb unverzichtbaren Verleiher immer noch damit zurück, frühe Termine für Neustarts festzulegen.

Die Postkutsche bleibt vorerst zu

„Wir gehen momentan davon aus, dass frühestens Ende Juli wieder neue Filme kommen“, so Robert Schütte. Und weil man bis dahin nicht weiterhin ältere Filme immer wieder zeigen könne, denn „irgendwann hat wohl jeder die Eiskönigin 2 gesehen“, bleiben die „Postkutsche“ und Schüttes Kino in Meschede vorerst noch geschlossen.

Einzig sein Multiplex-Kino in Lüdenscheid will Robert Schütte jetzt wieder aufmachen, denn dessen Schließung während laufender Kosten hätte schon jetzt ein Loch von 150.000 Euro in seine Kasse gerissen.

Das Cinestar am Dortmunder Bahnhof hält sich auch noch bedeckt, was eine zeitnahe Wiedereröffnung angeht. Auf der Homepage der Kino-Kette gibt es bisher keine Neuigkeiten zur Situation zu lesen (Stand: Montag, 25. Mai, 11.30 Uhr).

Davon ab hat sich während des Corona-Lockdowns hinter den Kulissen noch mehr getan. Laut der Deutschen Presse Agentur steht der Kino-Kette eine Fusion mit dem Wettbewerber Cinemaxx bevor.

Angespannte Verleihsituation

Wann es im Sweet Sixteen, dem Programm-Kino im Kulturort Depot in der Dortmunder Nordstadt, weitergeht, steht auch noch nicht fest. Zuletzt informierten die Betreiber via Homepage am 14. Mai darüber, dass man eine Wiedereröffnung vorbereite, aber aufgrund der als kritisch eingestuften Verleihsituation noch kein endgültiges Programm für Juni habe zusammenstellen können.

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„Wann also ein sinnvoller Start mit aktuellem Kinoprogramm für uns wieder möglich sein wird, ist derzeit leider nach wie vor unklar“, schreibt das Sweet-Sixteen-Team auf der Homepage.

Anders sieht es momentan im Lichtspiel und Kunsttheater Schauburg an der Brückstraße aus. Dort geht man davon aus, pünktlich am 30. Mai wieder zu öffnen.

Die Schauburg bietet ein neues Angebot an

Der Spielbetrieb im Schatten der anhaltenden Corona-Pandemie gestaltet sich aber anders, wie Veranstaltungsleiter Alexander Terzakis mitteilt.

So voll wird es in den Dortmunder Kinos - wie hier im Roxy - vorerst nicht mehr werden.

So voll wird es in den Dortmunder Kinos - wie hier im Roxy - vorerst nicht mehr werden. © Rüdiger Barz (Archiv)

Hauptsächlich handele es sich bei den Veränderungen um Abstands- und Hygienemaßnahmen. Darüber hinaus hat man sich eine neue Aktion überlegt, die auch längerfristig bestehen bleiben soll.

Die Schauburg bietet unter dem Namen „Cinema 4 U“ Gästen an, einzelne Kinosäle zu mieten.

Das Roxy öffnet Anfang Juni

Das Team des Roxy-Kinos plant hingegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der ersten Juni-Woche, wie Kinobetreiber Holga Rosen sagt. Anvisiert sei aktuell die Öffnung für den 4. Juni (Donnerstag), es könne aber auch sein, dass der Termin sich wenige Tage nach hinten schiebt, so Rosen. Das käme darauf an, wie schnell die notwendigen Umbauten fertig wären.

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„Dass wir aufgrund der Auflagen nur weniger Plätze anbieten dürfen, ist glücklicherweise für uns kein Beinbruch. Das Kino hat 250 Plätze, aber selbst bei publikumsstarken Vorstellungen haben wir sonst nicht mehr als 100 Leute im Saal“, erklärt Holga Rosen.

In der Sparte Programmkino kalkuliere man ohnehin anders, sei zudem nicht von den Verleihern der großen Hollywood-Blockbuster abhängig wie zum Beispiel jene Kinos mit mehreren Leinwänden.

Dass allen Lichtspielhäusern jetzt noch schwere Zeiten entgegenstehen, glaubt aber auch Rosen: „Im schlimmsten Fall wird es noch viele Monate dauern, bis sich das eingespielt und man wieder so etwas wie Normalbetrieb erreicht hat.“

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