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Dortmunder Kubasik-Mord heute Thema im NSU-Prozess

2006 getöteter Kioskbesitzer

Im NSU-Prozess vor dem Münchener Oberlandesgericht wird ab heute der Fall des ermordeten Dortmunders Mehmet Kubasik verhandelt. Fünf Dortmunder Polizisten werden aussagen - Gamze Kubasik, die Tochter des Ermordeten, nicht. Grund ist ein Streit ums Geld.

DORTMUND/MÜNCHEN

von Von Tom Sundermann

, 19.09.2013 / Lesedauer: 3 min
Dortmunder Kubasik-Mord heute Thema im NSU-Prozess

Mehmet Kubasik wurde 2006 ermordet.

Doch dazu kam es nicht: Beate Zschäpes Verteidiger stellten am Dienstag zwei Befangenheitsanträge gegen die Richter – Aufhänger dafür war, dass Anwalt Wolfgang Stahl sich unterbezahlt fühlte. Stahl hatte für die Zeit des Ermittlungsverfahrens vor der Anklageerhebung einen 77.000- Euro-Vorschuss gefordert, doch nur 5000 bekommen. In ihrem Befangenheitsantrag argumentierten die Verteidiger, die Richter wollten sie mit finanziellen Mitteln „kurz halten und disziplinieren“. Das Gezerre um die Anträge dauerte den ganzen Dienstag. Die Sitzung für Mittwoch wurde gestrichen.

Nun kann es dauern, bis Gamze Kubasik aussagen wird. Die Sitzungen des Strafsenats sind über lange Zeit festgelegt – was ausfällt, wird hinten angereiht. Die Tochter habe die Entscheidung mit „aus ihrer Sicht nachvollziehbarem Unverständnis“ aufgenommen, sagt ihr Anwalt Sebastian Scharmer, „sie weiß aber auch, dass viele Dinge in einem solchen Prozess schwer planbar sind“. Als Nebenklägerin hat Kubasik die vielen Verzögerungen in den Verhandlungen mitbekommen.

Dennoch beginnt in dieser Woche die Aufarbeitung des Falls: Am Donnerstag sagen fünf Dortmunder Polizisten und ein BKA-Ermittler aus. Sie werden sich unangenehmen Fragen der Nebenkläger-Anwälte stellen müssen – vor allem, warum sie selbst fünf Jahre nach dem ersten Mord der Serie nicht ernsthaft ein rechtsextremes Motiv in Betracht zogen. Erst vor kurzem hatte ein Mitglied der Sonderkommission „Bosporus“ ausgesagt, spätestens ab 2005 sei „offensichtlich“ gewesen, dass ausländerfeindliche Täter am Werk seien. Nun beginnt die Aufklärung nicht mit Kubasiks Leben – sondern mit seinem Tod. Zu den Zeugen gehören auch die Polizisten, die zuerst am Tatort waren und die erste Spuren sichteten. Wahrscheinlich werden im Gerichtssaal Fotos des Toten an die Wand projiziert. Gamze Kubasik wird im Saal sitzen.

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