Dortmunder liegt in China im Koma - Kinder sammeln Geld

Teurer Rückflug

Wenn man mit Klaus Diszeratis sprechen könnte, wäre eine der ersten Fragen, die man ihm wohl stellen müsste, warum um Himmels willen er sich nicht privat versichert hat, als er damals nach China ging. Man kann ihn fragen, er kann aber nicht antworten. Der Dortmunder Klaus Diszeratis liegt seit sechs Wochen im Koma in einem Krankenhaus in Ostchina.

DORTMUND

, 27.09.2016, 02:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Dortmunder liegt in China im Koma - Kinder sammeln Geld

Wenige Tage vor der Erkrankung: Klaus Diszeratis mit Frau und Kind während eines Inlandsfluges in China. Inzwischen liegt er mit Hirnhaut- und Lungenentzündung im Koma.

Wie lange Klaus Diszeratis dort noch behandelt wird, ist unklar, seine Kinder hier in Dortmund sorgen sich, dass, wenn kein Geld mehr fließt, die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt werden. Sie sorgen sich um die medizinische Versorgung und wollen ihren Vater hier haben – doch es fehlt das Geld. Und es fehlt die Zeit.

Am vorvergangenen Samstag, beim BVB-Spiel gegen Darmstadt, war die Familie am Stadion. Sie standen da mit Spendendosen und sammelten für ihren Vater. Rund 2300 Euro kamen zusammen und die Zusage eines Arztes, dass er bei einem Rücktransport von Klaus Diszeratis mitfliegen würde. Bei solchen Flügen muss ein Arzt dabei sein. Teuer genug wäre das Unterfangen, den Vater heimzuholen, immer noch. Zu teuer für die Kinder. Es geht in diesem Text mehr um die Kinder als um den Vater. Er hat sich in diese Situation bewegt und war alt genug, um zu entscheiden, was er tat. Aber dass Kinder alles für ihren Vater tun, der sich in so einer Situation befindet, wer soll das nicht verstehen können?

Klaus Diszeratis arbeitete früher bei Opel

Diszeratis arbeitete 26 Jahre als Betriebsschlosser und Maschinenführer bei Opel. 2006 machte er sich dann selbstständig und vertrieb mit seiner GmbH übers Internet Schuh-Accessoires, die vor allem in China hergestellt wurden. Daher war er in der Zeit häufig dort und hat dann irgendwann von einem chinesischen Geschäftspartner das Angebot bekommen, für ihn als Qualitätsmanager zu arbeiten.

Diszeratis, Vater von fünf Kindern und geschieden, wagte den Schritt und wanderte 2010 aus. Er heiratete in China, vor drei Jahren wurde er noch einmal Vater, eigentlich wollte er 2017 mit Frau und Kind aus China nach Deutschland zurückkehren. Die Bildungschancen für seine Tochter waren wohl der Hauptgrund. Dann, vor rund sechs Wochen, wurde er krank: Sieben Tage, so schildern es die Töchter, hohes Fieber, in einem Provinzkrankenhaus konnte man ihm nicht helfen, er kam in das General Hospital Nanjing, dort fiel er in ein natürliches Koma.

Wenn man sich über das Gesundheitssystem in China informiert, bekommt man den folgenden Eindruck: Es ist ein Spitzensystem, wenn man nicht ernsthaft erkrankt. Die Behandlungen und Arztkonsultationen kosten nicht viel, wenn es sich um simple Standarderkrankungen handelt. Sollte aber eine Spezialbehandlung erforderlich sein, eine ernste Situation auftauchen, dann wird diese Behandlung erst erfolgen, wenn Geld da ist. Sonst nicht.

Wahrscheinlich hat Diszeratis darauf vertraut, nicht ernsthaft zu erkranken. Dann hätte er Geld gespart. Heute liegt er auf der Intensivstation mit 20 anderen Patienten in einem Zimmer, die Betten sind durch Vorhänge voneinander getrennt. Die bisher entstandenen Kosten, auch schon mehrere Tausend Euro, übernahm bisher der Mann, der Diszeratis damals das Angebot machte, in China zu arbeiten.

„Wenn der aber irgendwann auch nicht mehr zahlen kann, haben wir Angst, dass die Maschinen einfach abgestellt werden“, so Tochter Nathalie, die inzwischen auch die Vormundschaft für ihren Vater übernommen hat: „Wir müssen ihn so schnell wie möglich nach Hause holen! Doch dafür brauchen wir Geld, das wir nicht haben.“ Fünf Kinder, 22 bis 34 Jahre alt, stehen vor diesem Problem und haben selber, als Studenten, Abendschüler oder in Elternzeit, nicht ansatzweise die finanziellen Möglichkeiten, ihren Vater heimzuholen.

80.000 Euro fehlen

Es fehlen, so Pi mal Daumen, noch rund 80.000 Euro. Den Flug in einer speziellen Maschine, mit Personal und Gerätschaften, all das bekommt man, abhängig von dem Flugunternehmen, für 50.000, vielleicht 60.000 Euro. Aber dann ist da ja noch das jüngste Kind, drei Jahre alt, und dessen Mutter. Auch sie müssen nach Deutschland kommen, es braucht also neben der Überführung von Diszeratis noch Geld für weitere Behandlungskosten, für einen Umzug und die Rückzahlung der bisher entstandenen Behandlungskosten in China.

Und das bei dieser ungewissen Zukunft: „Niemand weiß, ob und wann er erwachen wird“, sagt Nathalie Diszeratis. Die Unsicherheit darüber, wie viel Zeit den Kindern noch bleibt, das Leben des Vaters zu retten, lasse ihren Geschwistern und ihr keine Ruhe. „Und genauso groß ist die Angst, dass er stirbt, bevor wir das Geld für die Transportkosten zusammenhaben.“

Die Katholische Kirche hat gespendet, auch Einzelpersonen, etwa 20.000 Euro sind es geworden. In China ist das deutsche Konsulat eingeschaltet, ein deutscher Pfarrer und ein deutscher Arzt haben auch schon nach ihm geschaut. Doch es fehlt Geld, und so werden die Kinder am Dienstag, wenn Dortmund daheim gegen Real Madrid spielt, wieder am Stadion sein. Sammeln für den Vater. „Wir Geschwister werden alles dafür tun, dass für unseren Vater hinzubekommen“, sagt Nathalie Diszeratis.

Ein Spendenkonto ist bei der Kreissparkasse in Saarlouis eingerichtet. IBAN: DE44593501100224507772, BIC: KRSADE55. Verwendungszweck ist „Klaus in China“. Auf Wunsch können Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.

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