Kunstprojekt

Dortmunder Park bekommt verrückte Hochzeitskapelle

In einem neuen Projekt verwandelt das Schauspiel Dortmund drei beliebte Orte der Stadt in andere Welten. In einem Park kann man etwa heiraten, wenn man will - auch sich selbst.
Wie kann ein anderes Zusammenleben zwischen Mensch, Natur und Technik aussehen, fragt sich das Schauspiel Dortmund - und hat dafür drei utopische Welten entwickelt. © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Drei utopische Miniaturen auf 105 mal 68 Metern stehen ab 4. Juni in Dortmund zum Testen bereit. Der Name des Projekts lautet dementsprechend „105 mal 68“. In der Ankündigung dazu heißt es: „Hier spielen wir gemeinsam, wie eine andere Gesellschaft aussehen könnte.“

Andere Regeln sollen an den drei Orten Fredenbaumpark, Hafen und Rolandplatz gelten. Zum Beispiel gibt es drei digitale Währungen, die dort jeweils verwendet werden. Inhaltlich geht es um Umverteilung, den Einklang mit der Natur und gelingende Beziehungen. Um mitzuspielen, braucht es eine App.

Mitspieler erhalten durch Augmented Reality – also einer computerunterstützten Darstellung – eine weitere virtuelle Ebene an diesen Orten. Umgesetzt hat das Ganze unter anderem die Gamedesignerin und Regisseurin Christiane Hütter. Aus dem Ensemble des Schauspiels und des Dortmunder Sprechchors sind Teilnehmer dabei, aber auch andere Bürgerinnen und Bürger.

Das sind die drei Welten

Im Fredenbaumpark heißt die Utopie „Agape Power“. Alles dreht sich am Platanenplatz um Beziehungen und Freundschaften. Dort soll es unter anderem die erste queere Wedding Chapel des Ruhrgebiets geben, wo man heiraten kann, wen man will – auch sich selbst. Dazu können Besucher Beziehungs-Boule, Speed Dating und Superslow Dating ausprobieren. Je länger man dort ist und sich mit anderen verbindet, desto mehr Lovecoins wandern in das digitale Portemonnaie.

„Port Allmende“ liegt am Hafen (Speicherstraße 100). Dort geht es um das Gemeinwohl und Umverteilung. Dafür müssen Teilnehmer „auch mal den Puls hochtrieben oder um die Wette entspannen“. Live-Rollenspiele und Konzerte von und für Pflanzen stehen auf dem Programm. Alles, was Mitspieler an Kollektivos erwirtschaften, wird für die Gemeinschaft eingesetzt, es entscheidet das Plenum.

Das alte Fußballfeld am Rolandplatz (Lindenhorster Straße 34) wird zu „Pandora 3.0“. Gemüse auf kleinstem Raum anbauen, Foodsharing, Musik-Jams auf der Open Stage, bauen und frickeln, alles im Hinblick auf die Frage: Wie können wir autark leben und mitten in der Stadt wirtschaften? Jeder bekommt hier ein Allgemeines Grundeinkommen. Die Perspektivos kann man ausgeben oder vermehren, nach Verlassen des Geländes verlieren sie jedoch schnell an Wert.

Treffen mit Dramaturgin und Entwicklerin

Wer mehr über die Produktion erfahren will, hat dazu am Sonntag (29.5.) um 11 Uhr Gelegenheit: Sarah Buser, die die Augmented Reality entwickelt hat, und Dramaturgin Kirsten Möller treffen Interessierte beim Kaffee im Institut des Schauspiel Dortmund, der Eintritt ist frei.

Eröffnung ist am 4. Juni um 16.30 Uhr in der Welt „Agape Power“. Bis zum 12. Juni können alle drei Utopien täglich von 16 bis 20 Uhr eigenständig besucht werden. Tickets gibt’s für 15 Euro (8 Euro ermäßigt) online unter www.theaterdo.de sowie an der Vorverkaufskasse im Kundencenter (Platz der Alten Synagoge). Weil das Spiel jeden Tag neue Aktionen bereithält, gilt das Ticket für alle Tage.

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