Dortmunder plündern Obstwiesen - Umweltamt startet Zeugenaufruf

rn„Fast industrieller Stil“

In Dortmund gibt es 50 Streuobstwiesen - und die scheinen bei den Anwohnern immer beliebter zu werden. Zu beliebt, wie das Umweltamt jetzt mitteilt: Die Rede ist von regelrechtem „Obstraub“.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 18.08.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Quittek ist verärgert über die „Obsträuber“ unter Dortmunds Einwohnern - und darüber, dass die sich anscheinend nicht im Klaren darüber sind, was sie eigentlich anrichten.

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Der Sprecher der BUND-Kreisgruppe Dortmund, die sich seit 1981 für die Sensibilisierung der Dortmunder für Umwelt- und Naturschutz einsetzt, beobachtet mit Sorge den Trend, dass immer mehr Passanten Obst von den (sage und schreibe) 50 Dortmunder Streuobstwiesen entwenden. Dabei verlieren sie offenbar teilweise jedes Maß.

„Erbeuten in fast schon industriellem Stil"

Bezüglich dieses Problemes hat sich nun auch das Umweltamt Dortmund mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt und appelliert darin, bei "Spaziergängen entlang der Obstwiesen" ein Maß zu halten in Sachen Pflückverhalten.

In Dortmund gibt es rund 50 Streuobstwiesen, von denen die BUND-Kreisgruppe sechs betreut. Der Zweck einer Streuobstwiese bestehe laut Umweltamt und BUND-Kreisgruppe darin, Lebensraum für eine hohe Artenvielfalt zu bieten. Mit zunehmendem Lebensalter seien die Streuobstwiesen wichtig für eine Fülle von unterschiedlichen Pflanzen, Pilzen, Flechten, Insekten und Vögeln.

Das seien laut Quittek Argumente dafür, solche Wiesen nicht mit Fahrzeugen zu überrollen, sondern sie vielmehr sich selbst, also der Natur, zu überlassen. Viele Passanten sähen in diesen Wiesen allerdings wahre Abernte-Stationen.

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„Gegen das Pflücken eines Apfels etwa am Rande einer Baumallee ist nichts einzuwenden", sagt Quittek: "Was wir aber seit einiger Zeit beobachten, ist ein Erbeuten des Obstes in fast schon industriellem Stil."

Laut Quittek komme es zu Situationen, in denen Menschen zuerst mit dem Auto auf die Wiese rollen, um anschließend die Bäume mit Leitern, Stangen und ähnlichen Gegenständen zu malträtieren, Äste abzuknicken und sämtliche weitere Schritte einzuleiten, um möglichst schnell möglichst viele Äpfel einzukassieren. Das habe mit einer angemessen "reizvollen Art des Naturgenusses", gegen die ja niemand etwas einzuwenden hätte, dann nichts mehr zu tun.

Infotafeln sollen Passanten künftig für Naturschutz sensibilisieren

"Um diesem Verhalten entgegenzuwirken, haben wir vom BUND auf vereinzelten Wiesen Infotafeln aufgestellt und Zäune errichtet", so Quittek. Er fände es wünschenswert, das Umweltamt würde diese Maßnahmen übernehmen und an allen 50 Dortmunder Streuobstwiesen Tafeln anbringen mit Informationen bezüglich des eigentlichen Naturschutz-Zweckes solcher Wiesen.

Es sei wichtig, die Menschen zu informieren - dann kämen sie im besten Falle selbst zur Vernunft.

Zeugen, die solch ein Pflücken im großen Stil beobachtet haben, werden gebeten, dies dem Umweltamt Dortmund zu melden unter folgender E-Mail Adresse: umweltamt@stadtdo.de
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