Dortmunder Quarantäne-Tagebuch - Tag 8: „Nur noch einmal schlafen!“

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Corona - das bedeutet für viele Dortmunder auch: Quarantäne. Wie das ist, berichtet unsere Autorin täglich in diesem Tagebuch. Tag 8: Es ist fast vorbei.

von Felicitas Bachmann

Dortmund

, 31.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Ende ist in fast greifbarer Nähe, morgen dürfen wir wieder raus. Dann sind 14 Tage rum, seit mein Mann mit dem Infizierten im selben Raum war - bis wir das erfahren hatten und die Quarantäne verhängt wurde, war ja schon eine knappe Woche vergangen. Also eindeutig Zeit für Vorfreude.

Das Fazit der letzten Tage ist nicht schlecht, und von der ewigen To-Do-Liste ist eine ganze Menge weggestrichen: frühlingsfrischer Garten, Rasen gemäht, Garage aufgeräumt und ausgemistet, Vorratskeller sortiert und kreativ weggekocht, Waschküche organisiert und Abfluss verstopft, Fenster geputzt und Frühjahrsputz inklusive Teppichklopfen im halben Haus erledigt. Außerdem drei Bücher gelesen (zwei davon waren allerdings schon angefangen), eine Staffel „Modern Family“ gesehen, eine ARD-Serie und dann noch ein bisschen auf Netflix hängengeblieben. Gefühlte 2000 Whats-App-Nachrichten geschrieben, mindestens 20 Stunden telefoniert, meinen Highscore bei „Woody 99“ auf 2549 Punkte gesteigert und arbeitslos geworden! Sprich: Ab morgen habe ich auch noch Zeit für die andere Hälfte Hausputz.

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Es gab rührende Momente, nette Gesten von Freunden und Bekannten und noch mehr Zusammenhalt auf unserer Straße – wir singen immer noch jeden Abend um 19 Uhr und das jetzt schon seit zehn Tagen –, aber auch das Gefühl absoluter Hilflosigkeit, wenn man ans Haus gefesselt ist, statt irgendwo eingreifen und helfen zu können.

Schnell noch zum Heimfriseur

Jetzt gilt es noch, sich auf morgen vorzubereiten. Mein Mann hat ordentlich Wolle auf dem Kopf, eigentlich wollte er letzte Woche zum Friseur, aber das ging ja nun weder von seiner noch von Friseur-Seite aus. Also muss ich mal wieder ran. Aus Zeiten, als der Sohn sich noch nicht wehren konnte und von Mutter flotte Kurzhaarschnitte verpasst bekam, haben wir noch eine Haarschneidemaschine in der Schublade. Glück gehabt, die sind auf Amazon nämlich auch schon Mangelware. Also ab in den Garten und Selbst-ist-die-Frau.

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Das Ergebnis ist unter den gegebenen Umständen vorzeigbar – die anderen Männer werden ja auch nicht besser aussehen, außer sie haben eine Fachkraft geehelicht. Nur gut, dass ich schon seit zwei Jahren die Haare wachsen lasse, da halte ich noch ein paar Wochen oder Monate durch.

Wie ist jetzt das Einkaufen?

Auch wenn es natürlich inzwischen der Mehrheit der Bevölkerung so geht wie uns, ist es doch noch ein Unterschied, ob man nicht mal das Grundstück verlassen darf, sich die Nachbarn nur mit einem unterhalten, „wenn der Wind richtig steht“ oder man nicht mal eben noch schnell einen Liter Milch holen kann. Ein wenig mulmig ist mir allerdings auch zu Mute. Das letzte Mal waren wir vor der Kontaktsperre draußen. Wie geht das jetzt, wie ist das einkaufen und woher kriege ich Klopapier? Bei uns sind nämlich wirklich nur noch drei Rollen im Keller.

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Die Quarantäne, die im Beitrag beschrieben wird, hat am 19.3. begonnen. Die Veröffentlichung des Tagesbuchs haben wir einige Tage später gestartet.

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