Dortmunder Reiseveranstalter: „Viele reisen nach Corona bewusster“

rnÖkologisches Reisen

Seine Idee vom umweltverträglichen und ernährungsbewussten Reisen ist 25 Jahre alt. Kai Pardon von „Reisen mit Sinnen“ glaubt, dass sie nach Corona noch erfolgreicher sein wird.

Dortmund

, 02.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein paar Reisen verkauft Kai Pardon trotz der Corona-Pandemie inzwischen wieder – und sieht das als vielversprechenden Anfang. Seit 25 Jahren setzt der Dortmunder Reiseveranstalter bereits auf sozial- und umweltverträgliches Reisen. Hat er in diesem Vierteljahrhundert eine kontinuierlich wachsende Nachfrage nach ganz individuellen und naturnahen Urlauben in landestypischen Unterkünften festgestellt, so glaubt er jetzt an einen regelrechten Boom für seine Idee vom Reisen.

„Reisen mit Sinnen“ lautet seine Idee. Und „Reisen mit Sinnen“ heißt auch sein Unternehmen, das er 1995 mit einem Büro im Kreuzviertel gründete. Seit 2017 sitzt der Reiseveranstalter nun in Körne.

Zwar hat Corona sein Jubiläumsjahr gründlich verhagelt, dennoch bleibt Kai Pardon optimistisch. „Wir haben bis Anfang Juli dreieinhalb Monate lang keine einzige Reise verkauft. Die Konsumenten werden aber nach der Corona-Krise nicht mehr so beliebig verreisen wie vorher. Ich denke, dass unsere Idee vom Reisen gewinnen wird, weil die Menschen dann bewusster reisen und mehr auf Qualität und Inhalt achten werden“, sagt Kai Pardon.

Individuell gestaltete Gruppentouren werden beliebter

Verringern werden sich nach seiner Einschätzung die Fernreisen. „Bisher haben wir zu 35 Prozent Deutschland- und Europareisen und zu 65 Prozent Fernreisen verkauft. Das verschiebt sich jetzt“, sagt Kai Pardon, der mit eigenen Büros auch auf den Azoren und den Kapverden vertreten ist. Verstärkt nimmt er nun Angebote für speziell gestaltete Gruppentouren durch die Eifel oder Wandertouren auf einer Pilgerroute in Süddeutschland in den Katalog.

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„Bei vielen unserer Kunden spüren wir, dass sie in diesem Sommer unbedingt noch reisen wollen“, sagt Kai Pardon. Und er verweist darauf, dass es auch in Deutschland viele Regionen gibt, die es zu entdecken gilt. Es müssen nicht die Ostseeküste oder das Allgäu sein. „Beispielsweise die Oberlausitz bei Bautzen ist von der Kultur her spannend, es gibt dort wenig Tourismus, aber viele Freizeitmöglichkeiten - vom Wandern bis zum Kajakfahren“, so Kai Pardon.

Auch in Deutschland gibt es schöne Reiseziele zu entdecken: zum Beispiel diese Aussichtsplattform im Pfälzer Wald.

Auch in Deutschland gibt es schöne Reiseziele zu entdecken: zum Beispiel diese Aussichtsplattform im Pfälzer Wald. © RmS/Marion Heide

Wer nachhaltig reisen will, dem rät er dazu, keine Ketten- oder All-inclusive-Hotels zu buchen, sondern bei lokalen Anbietern unterzukommen. „All-inclusive ist mit dem Nachhaltigkeitsgedanken nicht zu vereinbaren.“ Zudem unterstütze die landestypische Unterbringung die regionale Wirtschaft. Abstriche bei der Qualität der Hotels müsse man keine machen: „Es gibt sehr gute und kleine Hotels, die individuell auf die Wünsche der Gäste eingehen.“

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Anders als vor 25 Jahren spielen Überlegungen zur Nachhaltigkeit oder zur Ernährung - etwa vegetarische Reisen oder Reisen in ein Bio-Hotel - heute für viele eine Rolle. „Als wir angefangen haben, wurde Nachhaltigkeit mit Links, langen Bärten und Müsli verbunden“, erinnert sich Kai Pardon. Das habe sich geändert.

„Wir hatten auch in unserem ersten Jahr schon einen ambitionierten Katalog, aber die Akzeptanz war gering. Wir hatten nur vier realisierte Buchungen nach Malaysia“, sagt der Firmenchef.

Geschäftsmodell funktionierte ab dem dritten Jahr

Indem man die Reisen kreativer gestaltete und nicht nur in Dortmund, sondern deutschlandweit, vermarktete, wurde das Interesse größer. „Im dritten Jahr haben wir gesehen, dass es funktioniert und sind seither jedes Jahr gewachsen. Vor Corona haben wir 5000 bis 6000 Leute im Jahr bewegt“, sagt Kai Pardon.

Hinter dieser Zahl bleibt man in diesem Jahr deutlich zurück. Die 25 Mitarbeiter waren oder sind noch immer in Kurzarbeit, viele Kunden bleiben einfach zuhause. „Erst mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus“, so Kai Pardon, „wird sich das Vertrauen ins Reisen wieder dem annähern, wie es vor der Pandemie war.“

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