Dortmunder Schausteller fürchten um ihre Existenz

Wegen EU-Norm

Achterbahnen, Riesenräder, Kettenkarussells - nach einer neuen Norm für Kirmes-Fahrgeschäfte fürchten Schausteller in Dortmund nun, dass ihre Attraktionen bald schon nicht mehr zulässig sein werden. Hier lesen Sie, welche Dortmunder Traditions-Jahrmärkte betroffen sein könnten.

DORTMUND

, 13.12.2015, 02:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eindrücke vom Hansemarkt in Dortmund.

Eindrücke vom Hansemarkt in Dortmund.

Dortmunder Schausteller fürchten um ihre Existenz, wenn eine neue Sicherheitsnorm der Europäischen Union den Kirmesbetrieb bestimmt. „Die Hälfte der Fahrgeschäfte auf der Lütgendortmunder Bartholomäus-Kirmes können wir abbauen", sagt Patrick Arens als zweiter Vorsitzender des Bundesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute (BSM) in Deutschland.

Auch die Nostalgie-Kirmes des Hansemarkts in der Innenstadt gebe es dann nicht mehr.  Der Grund: Die Betreiber historischer Fahrgeschäfte und auch moderner Anlagen würden vor hohe Sicherheits- und Prüfkosten gestellt werden. 

Das besagt die EU-Norm 13814
Mobile Fahrgeschäfte (auch "Fliegende Bauten" genannt), wie etwa Achterbahnen oder Riesenräder, sollen europaweit einheitliche technische Standards bekommen.

 

Für die Auslegung der EU-Norm in Deutschland ist der Arbeitskreis "Fliegende Bauten" der Bauministerien der Bundesländer zuständig. Ihm und dem Technischen Überwachungsverein (TÜV) Süd werfen die Schausteller einen Interessenkonflikt vor: Der TÜV Süd wirke an schärferen Sicherheitsauflagen für Riesenräder und Karussells mit und verdiene später als Marktführer bei teuren Inspektionen, sodass die Folgekosten für die Schausteller nicht mehr absehbar seien. 

„Wir sind mit der Rolle des TÜV nicht glücklich, denn hier kommen technischer Sachverstand und eigene wirtschaftliche Interessen zusammen. Hier wird nicht sauber getrennt“, kritisiert neben den Dortmunder Schaustellern Patrick Arens und Michael Burghardt auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute (BSM), Werner Hammerschmidt, die Praxis.

So sieht der Arbeitskreis "Fliegende Bauten" den Sachverhalt

Der Arbeitskreis „Fliegende Bauten“ weist die Kritik zurück. Obmann Christian Lander bezeichnet die Aussagen des BSM als „unseriös“. „Woher sollen die technischen Spezialisten kommen, wenn nicht aus Industrie oder Prüforganisationen?“, fragt er zurück.

Damit die Schausteller die Kosten im Blick haben, sei das Angebot eines „Vorprüfberichts“ unterbreitet worden: Der TÜV werde für 800 bis 1000 Euro einen Bericht verfassen, der den Betreibern von Fahrgeschäften den weiteren finanziellen Aufwand für die eigentliche Verlängerung einer Betriebsgenehmigung transparent aufschlüssele.

"Wir klagen, bis der Arzt kommt"

Das Bauordnungsamt der Stadt Dortmund erwarte "kein Drama" für die Schausteller. Die neue Norm beziehe sich auf nur wenige jährlich zu prüfende Fahrgeschäfte. "Da geht es jetzt nicht um Unsummen", sagt Stadtsprecher Michael Meinders. Und: "Die Sicherheit geht vor." Wie es nun weiter geht ist noch nicht klar. Schausteller-Fachberater Michael Burghardt ist sich jedoch sicher: „Wir klagen, bis der Arzt kommt.“ 

Schausteller in Dortmund
Der Schaustellerverein Rote Erde aus Dortmund zählt 202 Mitglieder
40 Schausteller-Betriebe aus Dortmund beschäftigen 200 Angestellte plus Aushilfen.

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