St.-Josefs-Hospital wird 150 Jahre alt und niemand feiert

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Die Feier war lange geplant, nun wird das Jubiläum des St.-Josefs-Hospitals unbemerkt vorbeigehen. Wir blicken auf 150 Jahre zurück und erinnern an dramatische Vorfälle außerhalb des OP.

Hörde

, 22.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Cholera-Epidemie war vor 150 Jahren der Auslöser für die Gründung des St.-Josefs-Hospitals in Hörde. Heute, eineinhalb Jahrhunderte später, steht das Krankenhaus vor ähnlichen Herausforderungen wie zu Gründungszeiten. Grund ist diesmal das Corona-Virus.

Heute ist das St.-Josefs-Hospital ein Krankenhaus der Regelversorgung mit fast 300 Betten und zwei Intensivstationen.

Heute ist das St.-Josefs-Hospital ein Krankenhaus der Regelversorgung mit fast 300 Betten und zwei Intensivstationen. © Oliver Schaper (Archiv)

Für den runden Geburtstag in diesem Jahr hatte die St. Lukas Gesellschaft als Träger natürlich entsprechende Feierlichkeiten geplant, allerdings vergebens. „Leider hat uns Corona einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht: Wir mussten den lange geplanten Festakt zum 150-jährigen Jubiläum des St.-Josefs-Hospitals absagen“, teilt dazu Dr. Holger Böhm von der Unternehmenskommunikation der St. Lukas Gesellschaft auf Anfrage mit. Zumindest in diesem Jahr wird es keine Julbiäumsfeier geben.

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Das Hörder Hospital ist 150 Jahre nach der Eröffnung 1870 heute eine florierende Klinik mit 293 Betten. Neben der Regelversorgung bietet es spezialisierte Zentren für die Versorgung von Krebspatienten an.

Es verfügt über eine zentrale Aufnahme und Diagnostik-Abteilung mit separater Notaufnahme, gut ausgestattete Operationssäle und zwei Intensivstationen mit 27 Betten. 670 Mitarbeiter versorgen in sechs Kliniken rund 14.000 stationäre und 33.000 ambulante Patienten im Jahr.

Das Josefs-Hospital im Jahr 1897.

Das Josefs-Hospital im Jahr 1897. © St Lukas Gesellschaft

Keimzelle des Hospitals ist ein Haus, das die Gemeinde St. Clara 1867 zur Zeit der großen Cholera-Epidemie für die Krankenpflege mietete. Der Zustrom war so groß, dass 1869 der Grundstein für einen Neubau gelegt wurde. Die Vincentinerinnen aus Paderborn kümmerten sich um die Versorgung. Sie sollten 140 Jahre lang für die Kranken in Hörde tätig sein. 2007 zogen sich die Ordensschwestern zurück.

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Im Laufe ihrer Geschichte ist die Klinik in mehreren Etappen immer wieder um- und ausgebaut worden. In Kriegszeiten wurde das Josefs-Hospital für die Versorgung von Soldaten in Anspruch genommen, die Kampfhandlungen aber sind ohne allzu große Schäden über die Gebäude hinweg gezogen.

In ihrer wechselvollen Geschichte gelang es der Klinik, den Anschluss an eine zeitgemäße medizinische Versorgung zu gewährleisten. So richtete das St.-Josefs-Hospital als eine der ersten Kliniken in Deutschland in den 30er-Jahren eine urologische Abteilung ein.

Im November 1913 wurde der Neubau fertiggestellt.

Im November 1913 wurde der Neubau fertiggestellt. © St. Lukas Gesellschaft

Mit der Gründung der Elternschule Josefino 2003 setzte die Klinik einen neuen Schwerpunkt bei der Geburtsvorbereitung und Entbindung. Die zugehörige Station bescherte der Klinik 2003 einen der wohl spektakulärsten Vorfälle ihrer Geschichte: Eine als Krankenschwester verkleidete Frau entführte einen Säugling aus dem Zimmer der Mutter. Das Baby wurde glücklicherweise schon bald unversehrt gefunden.

Die Ansicht von 1970 hat schon viel Ähnlichkeit mit der heutigen. Zur linken Seite Richtung Ölpfad wurde das Gebäude 1950 verlängert.

Die Ansicht von 1970 hat schon viel Ähnlichkeit mit der heutigen. Zur linken Seite Richtung Ölpfad wurde das Gebäude 1950 verlängert. © St, Lukas Gesellschaft

Dramatisch wurde es erneut 2018, als ein ehemaliger Patient einen Arzt anschoss und lebensgefährlich verletzte. Der Täter wurde kurze Zeit später tot entdeckt. Er hatte den Arzt für seine Rückenschmerzen verantwortlich gemacht.

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Wie sehr sich die Ansprüche an eine moderne Klinik geändert haben, zeigt die Einführung von „Lukas deluxe“. In einem 2005 eröffneten Erweiterungsbau für Wahlleistungsbereiche können zahlungskräftige oder gut versicherte Patienten individuelle Serviceleistungen auf dem Niveau eines 5-Sterne-Hotels nutzen.

Wie in einem Fünf-Sterne-Hotel geht es auf der Luxusstation im St.-Josefs-Hospital zu.

Wie in einem Fünf-Sterne-Hotel geht es auf der Luxusstation im St.-Josefs-Hospital zu. © Wilco Ruhland (Archiv)

In den 80er-Jahren stockte das Josefs die OP- und Intensiv-Kapazitäten auf. Die Einführung moderner anästhesiologischer Verfahren bildete die Grundlage für zunehmend schwerere operative Eingriffe. Frühzeitig setzten die Hörder dabei auch auf minimal-invasive Verfahren.

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2018 hielten die Roboter als OP-Assistenten Einzug in die Klinik. Ein halbes Jahr nach der Etablierung des modernsten verfügbaren da Vinci-Geräts hatten Chirurgen, Gynäkologen und Urologen bereits 100 Roboter-assistierte Operationen durchgeführt.

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