Schnelles Internet geht an Stadtteil im Dortmunder Süden vorbei

rnBreitband-Ausbau

Internet gehört zur Grundversorgung, aber ohne Anspruch auf eine bestimmte Geschwindigkeit. Darunter leiden Anwohner eines Stadtteils im Dortmunder Süden. Die Ausbaupläne sind unklar.

Loh

, 10.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch im Jahr 2020 fällt die Internetgeschwindigkeit vielerorts mangelhaft aus, und das nicht nur auf dem Lande. Im Dortmunder Stadtteil Loh können viele Bewohner dieses Leid klagen, die Corona-Krise mit dem massiven Anstieg von Home-Office wirkte dabei wie ein Katalysator.

Einige ärgern sich über stockende Bilder bei Netflix und beim Online-Shopping, andere sind regelrecht verzweifelt, weil sie für ihre Arbeit auf eine stabile Datenleitung angewiesen sind.

„Eine zeitgemäße Grundversorgung mit Breitband ist heutzutage genauso essenziell wie der Wasser- oder Stromanschluss“, sagt Lina Ehrig, Leiterin im Team Digitales und Medien des Bundesverbands der Verbraucherzentrale (vzbv).

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So sieht es auch ein Student aus dem Loh, der sich jetzt hilfesuchend an die Bezirksvertretung Hörde gewandt hat. Mehr als zehn Gespräche habe er mit Mitarbeitern der Telekom geführt – ohne Erfolg. „Da habe ich mich natürlich gefragt, ob der Dortmunder Süden beim Breitbandausbau einfach ,vergessen‘ wurde.“

Nicht der gesamte Süden, wie der Breitbandatlas des Bundesministeriums zeigt: Loh erscheint dort als weißer Fleck für schlechte Breitbandverfügbarkeit, während ringsum dunklere Bereiche mit einer zufriedenstellenden bis guten Versorgung liegen.

Der Breitbandatlas zeigt im Loh große weiße Bereiche, die für eine schlechte Breitbandgeschwindigkeit stehen.

Der Breitbandatlas zeigt im Loh große weiße Bereiche, die für eine schlechte Breitbandgeschwindigkeit stehen. © Screenshot BMVI

Mit der aktuellen Geschwindigkeit sei es einfach nicht möglich, vernünftig zu arbeiten, beschwert sich der Nutzer.

Förderung gilt nur für „weiße Flecken“

Die Bezirksvertretung teilt zu der Anfrage mit, für den Internetausbau seien vorrangig die Telekommunikationsunternehmen zuständig. „Schnelles Internet/Breitband fällt nicht unter die Daseinsvorsorge und ist somit keine Aufgabe der Kommune.“

Nur da, wo kein Anbieter bis Ende 2020 eine ausreichende Versorgung in Aussicht stellt – als EU-Richtlinie gelten 30 Mbit/s – springt die Kommune ein und stößt den vom Bund geförderten Ausbau an.

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In den betroffenen Straßenzügen im Loh kommt das größtenteils nicht zum Tragen, da die Telekom dort laut einer Markterkundung der Stadt den Ausbau bis Ende des Jahres plant. Die Straße „Im Papenkamp“ dagegen gilt als „weißer Fleck“, der über die Förderung erschlossen werden soll.

Ausbaupläne sind unklar

Also ist zumindest Besserung in Sicht. Nicht klar ist allerdings, wann die Loher über schnellere Datenleitungen surfen können. Pascal Kiel-Koslowski, Sprecher der Deutschen Telekom, bestätigt zwar Planungen, die Breitband-Versorgung in Dortmund-Loh zu verbessern.

Vom Verteilerkasten an der Benninghofer Straße aus geht das Signal zu den Hausanschlüssen.

Vom Verteilerkasten an der Benninghofer Straße aus geht das Signal zu den Hausanschlüssen. © Susanne Riese

Aber er sagt auch: „Aufgrund kaum vorhandener Infrastruktur benötigt es für den Ausbau eine deutlich längere Vorlaufzeit. Unsere derzeitigen Planungen sehen einen Ausbau mit schnellerem Netz in Loh für das Jahr 2021 vor.“

Die Wirtschaftsförderung der Stadt aber geht von 2020 aus. Zudem sollte ab 2021 nur noch „echte“ Glasfaser verbaut werden. Diesen Widerspruch versucht Björn Meder, Gigabitkoordinator der Wirtschaftsförderung, nun zu klären.

Für den geplanten Ausbau sollen laut Telekom Glasfaserkabel zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und dem Verteiler am Straßenrand verlegt werden. Das erhöhe das Tempo der Datenübertragung deutlich.

Die grauen Kästen würden zu Mini-Vermittlungsstellen. Hier wandelt sich das Lichtsignal in ein elektrisches Signal um und geht von dort über das bestehende Netz zum Anschluss des Kunden.

Nach Abschluss der Arbeiten könnten Anlieger Bandbreiten bis zu 250 Mbit pro Sekunde beim Herunterladen buchen.

Technik gilt für manche als überholt

Zufrieden ist der Student mit diesen Aussagen nicht. Die angekündigte Super-Vectoring-Technologie komme erstens viel zu spät und sei zweitens schon jetzt nicht mehr zeitgemäß.

Ein flächendeckender Glasfaserausbau gilt unter IT-Experten als einzig sinnvolle Lösung. „Es stellt sich die Frage, warum Fördergelder in Technik gesteckt werden, die schon heute überholt ist.“

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