Dortmunder Stadtwerke buttern 56 Millionen Euro in Steag und hoffen auf neuen Investor

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Es wird ernst: Acht Jahre nach ihrem Einstieg beim Essener Kohleverstromer Steag 2011 stehen fünf der sechs Stadtwerke wieder auf dem Absprung. Die Dortmunder hingegen bleiben an Bord.

Dortmund

, 23.05.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Luft ist dünn geworden. Auch Steag, vor Jahren mit der Stromerzeugung durch Steinkohle gut im Geschäft, muss der Energiewende Tribut zollen. Im Inland lässt sich gegenwärtig kaum Geld verdienen. Erlöse fährt Steag weitgehend mit Auslandsprojekten auf den Philippinen, Indonesien, Kolumbien und der Türkei ein. Die Mehrheit der sechs Ruhrgebiets-Stadtwerke mit ihren finanziell begrenzten Mitteln ist nicht gewillt, sich an möglichen Risiko-Geschäften fernab der Heimat zu beteiligen. Doch vor dem Ausstieg ziehen alle sechs kommunalen Eigentümer (Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken) erst noch eine Finanzspritze für Steag auf.

Hintergrund: Die mit den Banken verabredete Finanzierung für den damaligen, insgesamt 1,2 Milliarden schweren Steag-Kauf läuft bald aus und muss neu geregelt werden. Für die Anschlussfinanzierung sollen die kommunalen Steag-Eigentümer nun ein insgesamt 100 Millionen Euro schweres Gesellschafterdarlehen aufbringen.

20 Millionen Euro über dem Soll

Die Dortmunder Stadtwerke (DWS21), die mit 36 Prozent die Führerschaft im kommunalen Konsortium haben, sind bereit, 56 Millionen Euro beizusteuern. Das haben die DSW21-Aufsichtsräte in ihrer Sondersitzung (Mittwoch, 22. Mai) beschlossen. Voraussetzung: DSW21 darf auch künftig keine Mehrheit an Steag übernehmen, die über 50 Prozent hinausgeht.

Außer Essen legen die anderen Kommunalen allerdings weniger Geld auf den Tisch, als sie entsprechend ihrer Anteile müssten. In diese Finanzierungslücke springt DSW21. Die Dortmunder wären de facto mit 36 Millionen Euro am Zug, steuern nun aber 20 Millionen Euro mehr bei. Wie zu erfahren war, soll das Geld später zurückfließen – mit entsprechend höherer Verzinsung.

Nach langem Hin und Her gilt als ausgemacht, dass fünf der sechs Steag-Eigentümer nach ihrem Einstieg beim Essener Energieversorger 2011 den Rückwärtsgang einlegen: Duisburg will seine 19 Prozent-Anteile ebenso loswerden wie die Stadtwerke Bochum (18 Prozent). Auch Essen (15 Prozent) sowie Oberhausen und Dinslaken mit je sechs Prozent sind entschlossen, zu verkaufen. Hingegen hat sich Guntram Pehlke, in Personalunion Chef von DSW21 und Aufsichtsratsvorsitzender bei Steag, stets zu dem Unternehmen bekannt und sich dafür die Rückendeckung seiner Aufsichtsräte geholt. Trotz der Durststrecke, die Steag durchlebt.

Steigt Remondis bei Steag ein?

An einer erhöhten Gewinnausschüttung, von der auch DSW21 in den ersten Jahren profitiert hat, ist vorläufig nicht zu denken. Das Geld, das der Energieversorger an seine Eigentümer ausschüttet, reicht gerade, um den Kredit für den damalige Übernahme zu finanzieren. Dennoch geht man bei DSW21 davon aus, dass Steag eine Zukunft hat.

Die soll vor allem durch den Einstieg eines (oder mehrerer) Privatinvestoren gesichert werden, die frisches Kapital einbringen. In Rede stehen Interessenten aus Tschechien. Auch der Lüner Abfallentsorger Remondis, schon 2011 an Steag interessiert, soll wieder am Ball sein. Teile der Politik allerdings wünschen sich, dass auch wieder kommunale Partner bei Steag an Bord gehen. Das drückt sich in einem Antrag von SPD und Linken aus, der in der DSW21-Aufsichtsratssitzung eine Mehrheit fand.

Die Stadtwerke wollen mitreden

DSW21 möchte zudem ein Wort mitreden, wenn die bisherigen Partner ihre Anteile ins Schaufenster stellen. Bestimmen, wer sie am Ende des Tages erhält, kann DSW21 aber nicht.

Nun soll alles schnell gehen: Bereits im Sommer startet die europaweite Ausschreibung. Im ersten Quartal 2020 soll klar sein, wer die Anteile der fünf Kommunalen übernimmt. In welcher konkreten Höhe DSW21 danach am Energieversorger beteiligt sein wird, ist offen.

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