Dortmunder stirbt bei Fahrkartenautomat-Sprengung

Komplize festgenommen

Bei der Sprengung eines Fahrkartenautomaten im Bahnhof Scharnhorst ist in der Nacht zu Dienstag ein Dortmunder gestorben. Notarzt und Rettungssanitäter kämpften mehr als eine Stunde um das Leben des Mannes. Die Bahnstrecke Dortmund-Hamm war bis 8.20 Uhr in beide Richtungen gesperrt. Es gab eine Festnahme.

Scharnhorst

, 21.03.2017, 06:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aktualisierung 14.08 Uhr: Todesursache steht fest

Laut Staatsanwaltschaft ist der 26-jährige Bekannte des Todesopfers wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Jetzt steht auch das Ergebnis der Obduktion fest: Die Sprengwirkung habe die Frontverkleidung des Fahrausweisautomaten abgerissen und gegen den Kopf des 31-Jährigen geschleudert. Die Verletzungen am Kopf seien die Ursache für den Tod.

Aktualisierung 12.54 Uhr: 27 aufgebrochene Automaten im letzten Jahr

"Wir sind sehr betroffen, dass bei dem sinnlosen Aufbruch eines Automaten ein Mensch gestorben ist" - so reagierte die Deutsche Bahn AG auf die Ereignisse am Bahnhof Scharnhorst in Dortmund. Bei dem Versuch, auf dem Bahnsteig einen Fahrausweisautomaten aufzusprengen, ist ein 31-jähriger Dortmunder ums Leben gekommen.

Die Deutsche Bahn AG berichtet, dass 2016 in Nordrhein-Westfalen 27 Automaten aufgebrochen worden sind. Der Sachschaden beträgt rund eine Million Euro. 2015 waren es 44 Automaten. Rund 7000 Fahrausweisautomaten sind inzwischen besonders geschützt. Bei Erschütterungen durch Explosionen oder Aufbruch mit Werkzeugen platzen Farbpatronen, die das Geld mit Farbe durchtränken und unbrauchbar machen. "Zudem müssen Täter damit rechnen, ebenfalls lange anhaftende Farbspuren abzubekommen", erklärte ein Sprecher der Bahn AG in Düsseldorf.

In der Hälfte der Fälle versuchten die Täter, die Automaten mit Hebelwerkzeugen, Bohrern oder einer Trennscheibe ("Flex") zu öffnen. Bekannt ist auch die Methode, die Automaten mit Gaseinleitungen oder manipulierten Feuerwerkskörpern zu öffnen. Die Beute liege in den meisten Fällen im dreistelligen Euro-Bereich. Je nach Art der Zerstörung koste der Ersatz eines Automaten bis zu 30.000 Euro. Reparatur oder Aufbau eines neuen Automaten würden mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Aktualisierung 11.08 Uhr: Festgenommener bestreitet Tatbeteiligung

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft nennt weitere Details: Das Todesopfer ist 31 Jahre alt und stammt aus Dortmund. Zurzeit läuft eine Obduktion zur genauen Todesursache. Der in der Nähe des Tatorts festgenommene mutmaßliche Komplize ist 26 Jahre alt und wohnt ebenfalls in Dortmund. Beide kennen sich und sind der Justiz bereits bekannt. Sie standen unter Diebstahls-Verdacht.

Laut Staatsanwalt Henner Kruse bestreitet der 26-Jährige, an der Automatensprengung beteiligt gewesen zu sein. Der Mann gab an, in der Nähe des Bahnhofs gemeinsam mit dem 31-Jährigen Alkohol getrunken und ihn später zufällig erneut am Bahnhof Scharnhorst getroffen zu haben. Dann habe er die Explosion gehört, den noch lebenden 31-Jährigen erkannt und auf einem "Park & Ride"-Parkplatz in der Nähe um Hilfe gerufen. Dort wurde der 26-Jährige auch festgenommen.

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Tödliche Sprengung eines Fahrkartenautomaten

Beim Versuch, einen Fahrkartenautomaten auf einem Bahnsteig im Bahnhof Scharnhorst zu sprengen, ist ein Mann gestorben.
21.03.2017
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Der Automat stand auf dem Bahnsteig Richtung Dortmund.© Foto: René Werner/IDA News
Rettungskräfte kämpften vor Ort um das Leben des Mannes.© Foto: René Werner/IDA News
Der Automat wurde durch die Wucht der Detonation komplett zerstört.© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
Der Bahnhof Scharnhorst liegt an der Bahnstrecke Dortmund-Hamm.© Foto: René Werner/IDA News
Bei der Sprengung wurde der Automat komplett zerstört.© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
Rettungskräfte kämpften vor Ort um das Leben des Mannes.© Foto: René Werner/IDA News
Polizei und Rettungskräfte rückten zu einem Großeinsatz aus.© Foto: René Werner/IDA News
Schlagworte Scharnhorst

Laut Staatsanwaltschaft sei das Todesopfer einige Meter von dem gesprengten Automaten entfernt aufgefunden worden. Der 31-Jährige habe unter der Frontverkleidung des Automaten gelegen. Staatsanwalt Henner Kruse sprach am Vormittag von einer "massiven Explosion".

Sollte die Polizei dem Bekannten des Opfers eine Tatbeteiligung nachweisen können, würde eine Anklage auf versuchten Diebstahl in einem besonders schweren Fall abzielen können. Die beabsichtigte Tötung des 31-Jährigen sei nur schwer nachzuweisen.

Aktualisierung 9.23 Uhr: Polizei meldet eine Festnahme

Die Dortmunder Polizei berichtet von einer Festnahme. Ob diese Person ein Komplize des Verstorbenen ist, ist noch offen. Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn AG sind immer wieder Ziele von Dieben und Banden, die auf Bargeld und Fahrkarten aus sind.

Erstmeldung 6.34 Uhr: Mann stand zu nah neben dem Automaten

Ein oder mehrere Täter haben gegen 2 Uhr in der Nacht versucht, einen Fahrkartenautomaten im Bahnhof Scharnhorst zu sprengen. "Der Automat stand auf dem Bahnsteig Richtung Dortmund", bestätigte Jürgen Karlisch, Sprecher der Bundespolizei Dortmund. Offenbar hatte der Täter die Wucht der Sprengung unterschätzt und stand zu nah neben dem Automaten, als dieser zerfetzt wurde. Der Mann wurde tödlich verletzt und starb noch auf dem Bahnsteig. Notärzte und Rettungssanitäter kämpften vor Ort offenbar etwa eine Stunde um das Leben des Mannes.

Die Kripo Dortmund hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen.

Die Bahnstrecke Dortmund-Hamm war im Berufsverkehr bis 8.20 Uhr komplett gesperrt. Betroffen waren sowohl Fernverbindungen, als auch Regionalzüge. Die Züge wurden zwischen Dortmund Hauptbahnhof und Hamm in beiden Richtungen ohne Zwischenhalt umgeleitet. Die Bahn hatte außerdem zwischen diesen beiden Stationen einen Ersatzverkehr mit vier Bussen eingerichtet.

Gegen 8.20 Uhr twitterte die Bahn, dass die Strecke wieder frei ist.

 

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