Dortmunder Traditions-Buchhandlung macht Ende Januar dicht

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Seit über 40 Jahren gibt es die Buchhandlung Niehörster in Dortmund, zuerst in der City, zuletzt in Brackel. Ende Januar schließt das Traditions-Geschäft. Doch eine kleine Hoffnung bleibt.

Brackel

, 03.01.2019, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Buchhandlung Niehörster am Brackeler Hellweg 130a schließt Ende Januar ihre Pforten für immer. Die endgültige Entscheidung dazu sei erst nach dem Weihnachtsgeschäft gefallen, sagt Inhaber Klaus Niehörster (68). Es sei in diesem Jahr deutlich schlechter ausgefallen als in den Vorjahren.

Weitere Faktoren wie Umsatzeinbußen durch den heißen Sommer und nicht zuletzt auch eine Mieterhöhung für die Räume in Brackel hätten zu der Entscheidung geführt. Es sei zuletzt einfach zu einer Nervenbelastung geworden, die Fixkosten Monat für Monat erwirtschaften zu müssen.

„Das ist schade“, sagt Klaus Niehörster, der die Buchhandlung zusammen mit seiner Frau Angelika (68) und drei weiteren Angestellten betreibt, „ich hätte gerne noch zwei oder drei Jahre weitergemacht.“ Aber jetzt falle andererseits auch eine große Belastung von ihm ab.

Entsetzen bei der Stammkundschaft

Die Stammkundschaft sieht das anders. Sie ist entsetzt über diese Entwicklung, denn die Buchhandlung Niehörster war für Brackel auch ein Treffpunkt, an dem man den neuesten Klatsch austauschen konnte. „Viele unserer Kunden haben die Beratung geschätzt“, sagt Klaus Niehörster, „die großen Ketten in der Innenstadt sind doch viel anonymer.“

Bei Niehörster fanden auch immer wieder größere und kleinere Lesungen statt. So hat Erfolgsautor Jan Weiler vor rund 20 Jahren seine erste öffentliche Lesung bei Niehörster gehabt. Auch Hermann Beckfeld, Chefredakteur der Ruhr Nachrichten, hat dort mehrmals vor ausverkauftem Haus aus seinen Briefen gelesen.

Dortmunder Traditions-Buchhandlung macht Ende Januar dicht

Die besten Brackeler Vorleser wurden bei Niehörster ermittelt. © Oliver Schaper

Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten kam hinzu. Leider werde das Schulbuchgeschäft seit einiger Zeit verlost, so Niehörster, weswegen auch das keine sichere Einnahmequelle mehr war. Hinzu komme natürlich auch die Konkurrenz aus dem Internet.

Kleinere Buchhandlung an anderem Standort geplant

Dennoch kann Niehörster den Brackelern zumindest die leise Hoffnung machen, dass es künftig auch weiterhin eine kleinere Buchhandlung an einem anderen Standort geben wird. Eine der drei Angestellten überlegt, sie zu eröffnen. Konkretes gibt es dazu aber noch nicht. Sicher sei jedenfalls, dass alle drei Angestellten künftig nicht arbeitslos seien.

Für Brackel wünscht sich Niehörster, dass sich die Verkehrsberuhigungspläne der SPD-Fraktion durchsetzen. Gegenwärtig habe das Brackeler Zentrum keine hohe Aufenthaltsqualität – vor allem natürlich wegen der hohen Verkehrsbelastung und der vielen Lkw, die durchs Zentrum rauschen.

Brackel ist gleich um zwei Fachgeschäfte ärmer

Wenig glücklich über diese Geschäftsaufgabe ist auch Thomas Tan, der Vorsitzende des Brackeler Gewerbevereins. Er wolle sich mit dem Vermieter zusammensetzen, um darauf hinzuwirken, dass am Standort attraktiver Einzelhandel bleibt – zumal auch ABC-Schuhe am Brackeler Hellweg 131 Ende des Jahres geschlossen habe, womit also Brackel mit einem Schlag um gleich zwei hochwertige Fachgeschäfte ärmer sei.

Klaus Niehörster, der mit seiner Frau im Kreuzviertel lebt, sagt, er selbst werde nun sicherlich zum Kunden der Stadt- und Landesbibliothek werden. Außerdem freue er sich auf ausgedehnte Radtouren und Spaziergänge im Westfalenpark, für den er sich eine Dauerkarte gekauft habe.

Auch in die Stadt gehe er gerne. Und: „Wir werden das jetzt zunächst mal sacken lassen, und dann schauen wir weiter.“

Niehörster gab es seit 1974 in Dortmund

Die Buchhandlung Niehörster hat eine lange Tradition in Dortmund: In Brackel gibt es sie seit dem Beginn der 90er-Jahre als Nachfolgerin der Buchhandlung Hillejan. Die Niehörster-Zentrale stand zwischen 1974 und 2000 allerdings im Westfalenhaus an der Hansastraße.

Klaus Niehörsters Vater, der ebenfalls Klaus hieß, hatte dort 1974 gemeinsam mit seinem Sohn die Buchhandlung C. Neumetzler übernommen.

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