Am Dortmunder U ist eine Straße benannt worden - nach einer Frau, die viele kennen

rnStraßenbenennung

Von der Rheinischen Straße ist es bisher die Emil-Moog-Straße gewesen, die zum U führt. Ein Teil der Straße hat jetzt einen neuen Namen bekommen. Und zwar den einer Dortmunderin.

Mitte

, 08.10.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geboren ist sie Anfang des 20. Jahrhunderts, im Jahr 1903. Und als eine der ersten Frauen Deutschlands besaß sie ihr eigenes Fotostudio in der Dortmunder Innenstadt. Ihre Porträts der Reichen und Berühmten haben ihr möglicherweise auch das Leben gerettet.

Die Frau, die jahrzehntelang die Menschen der Stadt fotografiert und porträtiert hat, ist eine bedeutende Fotografin der Weimarer Republik und heißt Annelise Kretschmer. Sie hat auch an vielen internationalen Ausstellungen teilgenommen - doch ihre tägliche Arbeit war vor allem das Festhalten der Menschen in Dortmund: Hochzeiten, Passbilder, Bewerbungsfotos und andere Auftragsarbeiten gehörten dazu.

Gefahren im Nationalsozialismus

Ihre Bilder, die auf den ersten Blick wie Momentaufnahmen erscheinen, sind immer akribisch durchkomponiert. In einem Interview hat Annelise Kretschmer 1982 einmal gesagt: „Mein Stil war es, jeden Menschen so zu fotografieren, dass sein eigenes Selbst zum Vorschein kommt, nicht sein Klischee.“

Am Dortmunder U ist eine Straße benannt worden - nach einer Frau, die viele kennen

Eine Besucherin einer Vorbesichtigung schaut sich im Museum Böttcherstraße in Bremen in der neuen Sonderausstellung „Annelise Kretschmer - Fotografien 1922-1975“ um. Hier ist das Foto „Kind der Familie Müller-Elmau, 1930er Jahre“ zu sehen. © dpa

Im Nationalsozialismus ist die Mutter von vier Töchtern als „Halbjüdin“ großer Gefahr ausgesetzt. Doch weil sich auch die damaligen Parteigrößen gern von ihr porträtieren ließen, kann sie sich und ihre Familie auf diese Weise retten.

Das Fotoatelier wird bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört. Später eröffnet Annelise Kretschmer es am Brüderweg neu; gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter Christiane von Königslöw. 1987 stirbt Annelise Kretschmer in Dortmund.

Trotz des Regens ein „schöner Moment“

Ihre heute 79-jährige Tochter ist dabei, als Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze, Vertreter des Gleichstellungsbüros und des Museums am Ostwall im Dortmunder U am Dienstagvormittag das neue Straßenschild enthüllen. Auch wenn es in Strömen regnet, freut sie sich sehr in diesem Moment.

Am Dortmunder U ist eine Straße benannt worden - nach einer Frau, die viele kennen

In Dortmund gibt es jetzt eine Annelise-Kretschmer-Straße. © Martina Niehaus

„Meine Mutter war so eine tolle Frau. Sie ist immer sehr bescheiden gewesen. Aber ich finde das schön, dass sie jetzt auch in ihrem Dortmund verewigt ist“, sagt Christiane von Königslöw.

Am Dortmunder U ist eine Straße benannt worden - nach einer Frau, die viele kennen

Christiane von Königslöw freut sich darüber, dass eine Straße nach ihrer Mutter benannt ist. © Martina Niehaus

Die Idee für die Straßenbenennung hatten Helga Steinmaier und Rosemarie Ring von der FOPA-Regionalgruppe Dortmund (Feministische Organisation von Planerinnen und Architektinnen). Das Tiefbauamt hatte die Idee dann an die Bezirksvertretung Innenstadt-West weitergegeben.

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