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Dortmunder Unternehmen gehört nun Firma aus China

Gesellschaft für analytische Sensorsysteme

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel war vergangene Woche in China. Dass er zuvor erklärt hatte, die geplante Übernahme des Chip-Anlagenbauers Aixtron durch chinesische Investoren nochmals zu prüfen, nun ja, trübte die Stimmung etwas. In der Diskussion um solche Käufe schwingt sie oft mit, die Angst "vor den Chinesen". Thomas Wortelmann kann das nicht nachvollziehen: Er hat seine Dortmunder Firma jüngst mehrheitlich an ein chinesisches Unternehmen verkauft.

DORTMUND

, 08.11.2016 / Lesedauer: 3 min
Dortmunder Unternehmen gehört nun Firma aus China

Thomas Wortelmann (2.v.r.) ist Geschäftsführer der Gesellschaft für analytische Sensorsysteme. Ihm zur Seite stehen etwa Physiker, Chemiker und Software-Ingenieure, hier die Mitarbeiter (v.l.) Daniel Sanders, Cengiz Sirkeci und Bolan Cao Lau.

Thomas Wortelmann ist Geschäftsführer und Gesellschafter der G.A.S., der Gesellschaft für analytische Sensorsysteme. 1997 wurde sie aus dem Dortmunder Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften ausgegründet, sitzt mit rund 20 Mitarbeitern im Bio-Medizin-Zentrum an der Otto-Hahn-Straße. Bislang gehörten 90 Prozent des Unternehmens britischen Finanzinvestoren. 60 Prozent und damit die Mehrheit der Anteile hat nun Jinan Hanon Instruments übernommen, ein chinesischer Hersteller von Lebensmittelanalyse-Systemen.

Beteiligungen sind nach wie vor Neuland

Dass chinesische Investoren und Firmen um innovative deutsche Mittelständler buhlen, ist bekannt. Obgleich die Zahl der Käufe (noch) überschaubar ist. Die landeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW-Invest zählt seit 2005 NRW-weit 40 chinesische Beteiligungen an deutschen Unternehmen. Für Dortmund taucht gar nur ein Unternehmen mit chinesischem Gesellschafter in der Liste auf: die IMD Natural Solutions GmbH, ebenfalls mit Sitz im Bio-Medizin-Zentrum. Chinesische Beteiligungen an Dortmunder Firmen sind also nach wie vor Neuland.

Für Thomas Wortelmann sind sie nur logisch: „Man kann Märkte nicht abschotten“, sagt er, „das ist rückwärtsgerichtet.“ Das gelte nicht nur für chinesische Unternehmen, überhaupt müsse man „flexibel mit ausländischen Gesellschaftern umgehen“. Bezüglich des Kaufpreises sei Stillschweigen vereinbart worden, sagt er. Und lobt ansonsten die neuen Geschäftspartner, spricht von „respektvollem Umgang“ und sagt: „Hier gibt‘s nicht den Ausverkauf der heimischen Industrie.“ Wortelmann bleibt Geschäftsführer der G.A.S., die bleibt in Dortmund und wolle von hier ihren Wachstumskurs fortsetzen. Der neue Investor ermöglicht den Dortmundern nun natürlich auch den Marktzugang in China.

Systeme für die Umwelttechnik und die Lebensmittelindustrie

Die G.A.S., die beispielsweise Chemiker, Physiker und Software-Ingenieure beschäftigt, stellt Systeme unter anderem für die Umwelttechnik und die Lebensmittelindustrie her und erzielte 2015 1,8 Millionen Euro Umsatz. Eines der meistverkauften Produkte ist das „FlavourSpec“, das Konzerne wie Nestlé und Brauereien nutzen. Beim Bier misst das Gerät die Konzentration einzelner Substanzen und bestimmt die Beendigung des Brauprozesses. Die Dortmunder Actien-Brauerei nutzt das System – und seit Kurzem auch die größte Brauereien-Gruppe der Welt, Anheuser-Busch InBev, die den Rivalen SAB Miller gekauft hat.

In den nächsten Monaten dürften die „angenehmen“ Probleme der G.A.S. der nötige Ausbau der Produktion und das Managen der Installationen weltweit sein, sagt Wortelmann. Zumal auch Konzerne wie Bilfinger Geräte von G.A.S. nutzen, um früh Fehlgerüche in ihren Industrieanlagen und damit womöglich giftige Stoffe entdecken zu können. 

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