Dortmunder WDR-Kinderchor: Das Lied von der Oma als „Umweltsau“ wird Folgen haben

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Selbst der Ministerpräsident übte Kritik, weil der WDR-Kinderchor der Dortmunder Chorakademie über Oma als „Umweltsau“ sang. Die Chorakademie zieht Konsequenzen. Das sagt der Chorleiter.

Dortmund

, 29.12.2019, 15:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die E-Mail-Konten der Dortmunder Chorakademie laufen seit Freitagabend (27.12.) über mit bösen Kommentaren. Ein Shitstorm geht über die renommierte Gesangsschule nieder, wie sie die Einrichtung des Konzerthauses noch nie erlebt hat. Ausgelöst von einem Video/ Lied, das der Sender WDR 2 mit den Kindern der Chorakademie produziert und ausgestrahlt hat.

Als Umweltparodie auf den Enkelklassiker „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ singen die Kinder weiter „Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau.“ Und in einer anderen Strophe: „Meine Oma fährt mit ‘nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator.“ Außerdem liebt die Oma in dem Lied billiges Kotelett vom Discounter und Kreuzfahrten.

Kinder hatten sichtlich Spaß beim Singen

Nach dem Video zu urteilen, hatten die Kinder viel Spaß beim Singen. Doch der Spaß war schnell vorbei. Nach dem Sturm der Entrüstung löschte der Westdeutsche Rundfunk das Video von der WDR-2-Facebookseite. In einer Sondersendung „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ am Samstag entschuldigte sich WDR-Intendant Tom Buhrow „ohne Wenn und Aber“ für das „Umweltsau“-Kinderlied zur Klimapolitik.

Zuvor hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet auf Twitter erklärt: „Die Debatte um den besten Klimaschutz wird von manchen immer mehr zum Generationenkonflikt eskaliert. Niemals dürfen Kinder von Erwachsenen für ihre Zwecke instrumentalisiert werden.“

Grenzen des Stils und des Respekts gegenüber Älteren seien überschritten worden.

Chorakademie-Vorstand will das intensiv aufarbeiten

Auch der Vorstandsvorsitzende der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund e.V., Dr. Jan Boecker, hält die Kritik und eine Entschuldigung „für durchaus berechtigt. Das ist eine Sache, die überhaupt nicht geht“. Der Vorstand habe nicht gewusst, dass dieses Lied aufgezeichnet worden sei. Das ist nicht verwunderlich; denn zur Chorakademie gehören mehr als 30 Ensembles.

Boecker sieht Chorleiter Zeljo Davutovic in „einer gewissen Mitverantwortung“. Ob die Aufzeichnung des Liedes personelle Konsequenzen haben werde, könne er noch nicht sagen. Anfang der Woche werde eine Rundmail an die Eltern herausgehen. Boecker: „Wir werden das intern intensiv aufarbeiten, mit den Eltern der Kinder und dem Chorleiter in Kontakt treten.“

Mails aus dem rechten Lager

Er finde das vom WDR produzierte Lied nicht lustig, sagte Boecker: „Dazu lässt man keine Kinder singen.“ Die E-Mails, die die Chorakademie erreicht hätten, seien aber häufig „total unter der Gürtellinie und aus dem rechten Lager“.

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Chorleiter Zeljo Davutovic, der auch die künstlerische Gesamtleitung der Chorakademie in seinen Händen hat, hat sich am Sonntag zu Wort gemeldet. Auf der Internetseite des WDR-Kinderchors schreibt er: „Als die Anfrage zusammen mit Text und Lied aus der WDR-2-Redaktion kam, konnten die Kinder und Eltern freiwillig entscheiden, an dem Projekt teilzunehmen. Es gab keinen Zwang, und es wurde niemand instrumentalisiert.“

Chorleiter: „Es geht um uns alle“

Die Fridays-for-Future-Bewegung gehe von Kindern und Jugendlichen aus, so Davutovic weiter: „Die Idee der jahresrückblickenden WDR-Satire wurde auf Kinderstimmen konzipiert, weshalb ich das Projekt der WDR-2-Redaktion zugesagt habe.“ Den Kindern sei erklärt worden, was die Parodie bezwecken sollte: „Mit Überspitzung und Humor den Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn nehmen.“

Es gehe nicht um die Oma, „sondern um uns alle“, erläutert der Chorleiter. „Hier schließe ich mich persönlich ein.“ Gleichzeitig entschuldigt sich auch Davutovic bei allen, „die sich trotz der Einordnung als Satire von uns persönlich angegriffen fühlen“.

Der WDR-Kinderchor

Der WDR-Kinderchor ist eine Zusammenarbeit des WDR mit der Dortmunder Chorakademie. Als der WDR einen Kinderchor gründen wollte, hat er dazu den Kinderchor der Dortmunder Chorakademie ausgewählt und nicht etwa einen Kölner Kinderchor – auch weil die Kinder der Chorakademie sehr leistungsstark sind. Für die Chorakademie war diese Zusammenarbeit bisher ein gutes Renommee und Aushängeschild.
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