Wegen der Verbreitung des Coronavirus sollen unnötige Kontakte und Wege in der Öffentlichkeit vermieden werden. Das wirkt sich auch auf den Wochenmarkt auf dem Hansaplatz aus.

von Nick Kaspers

Dortmund

, 18.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wöchentlich kommen mittwochs, freitags und samstags viele Menschen beim Dortmunder Wochenmarkt auf dem Hansaplatz zusammen. In Zeiten des Coronavirus ist das eher Fluch als Segen. Schließlich soll man soziale Kontakte weitgehend vermeiden, so die Anweisung von Land und Stadt. Besucht deswegen überhaupt noch jemand den Hansamarkt?

Die Antwort: Ja. Leer war der Hansaplatz am Mittwochmittag (18.3.) nicht. Die Stände waren wie gewöhnlich geöffnet. Und auch Besucher waren vor Ort - alles andere als Geisterstimmung also. Menschen stärkten sich an Imbissständen, sonnten sich bei fast frühlingshaften Temperaturen und erledigten die Einkäufe des Tages.

„Die Geschäfte laufen gut“, versichert Niels Schulte, Sprecher der Dortmunder Markthändler. Er betreibt selbst einen Gemüsestand, an dem es am Mittwoch gut lief. „Es werden noch stärkere Maßnahmen gegen das Virus kommen, dann kommen wahrscheinlich auch etwas weniger Besucher“, ergänzt Schulte.

Ab Samstag keine Möglichkeiten zum Verweilen mehr

Niels Schulte erklärt, vor allem der Bereich, in dem auf dem Markt direkt verzehrt wird, muss sich an strengere Hygienemaßnahmen halten. Beim Markt am Samstag gebe es keinen Ausschank und keine Möglichkeiten zum Verweilen mehr. „Man bekommt noch seine Bratwurst, muss aber dabei weitergehen“, so Schulte.

Ansonsten schätzt Niels Schulte die Ansteckungsgefahr beim Wochenmarkt eher gering ein: „Wir haben sowieso zwei Meter Abend zum Kunden, weil eine Theke dazwischen ist und wir keine Selbstbedienung haben“, fügt der Marktsprecher hinzu. Dadurch seien gute Hygienevoraussetzungen gegeben. Die Maßnahme, alle Verweilmöglichkeiten abzuschaffen, hält Schulte für vernünftig.

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Die Mitarbeiter des Standes von Wild und Geflügel Evers verzeichnen keine Umsatzeinbußen. „Im Gegenteil: Für einen Mittwoch hatten wir ein echt gutes Geschäft“, versichert Julia Rogl, die am Mittwoch am Stand arbeitete. Schuld am guten Verkauf seien unter anderem die Hamsterkäufe, schätzt sie. „Dann kaufen die Menschen hier direkt mehr ein, bevor sie es im Supermarkt vielleicht nicht mehr bekommen“, so Rogl.

Die Mitarbeiter des Stands von Wild und Geflügel Evers zählen zu den wenigen mit glücklichen Gesichtern auf dem Markt.

Die Mitarbeiter des Stands von Wild und Geflügel Evers zählen zu den wenigen mit glücklichen Gesichtern auf dem Markt. © Nick Kaspers

Kein gutes Geschäft bei vielen Fisch- und Fleischverkäufern

Den Eindruck am Fleisch- und Gemüsestand konnte Cornelia Gimmerthal, die mit ihrem Stand des Fischstores Gimmerthal beim Markt vertreten war, nicht bestätigen. Das Geschäft in Coronazeiten liefe „ganz, ganz schlecht“. „Dadurch, dass wir unseren Direktverzehr verlieren, werden wir auch 50 Prozent unserer Einnahmen verlieren“, prognostiziert Cornelia Gimmerthal.

Ähnlich unzufrieden war eine Mitarbeiterin des Eintöpfe- und Suppenstandes Bodo Mast. „Alle haben Angst; keine Einnahmen, keine Gelder“, antwortete sie auf die Frage, ob man Existenzängste habe. „Ganz problematisch wird es, wenn die Essensstände auch noch wegkommen“, ergänzt die Mitarbeiterin.

Maria-Elisabeth Hartkämper ist Käsesommelière und versorgt Dortmunder mit Käsespezialitäten aus ihrem Wagen beim Hansamarkt. Auch bei ihr war am Mittwoch weniger los im Vergleich zur letzten Woche - zumindest gefühlt.

„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn man seine Gewohnheiten zerstört, indem man Geschäfte schließt und weitere Maßnahmen trifft, wird er verunsichert“, erklärt Hartkämper. Das würde sich beim Kaufverhalten, aber auch an der grundsätzlichen Stimmung auf dem Markt bemerkbar machen.

Verunsicherung wie bei Geflügelpest spürbar

Maria-Elisabeth Hartkämper geht noch weiter: „Ich habe vor 16 Jahren bereits eine ähnliche Krise miterlebt - die Geflügelpest“, führt sie aus. Bei dieser Krise sei eine große Verunsicherung spürbar gewesen. Sie geht davon aus, dass diese Verunsicherung nun wiederkommt. „Ich frage mich, wie viele Betriebe das überleben werden. Uns droht eine Riesenkatastrophe“, kündigt sie an.

„Ich lasse die Entwicklung auf mich zukommen“, erklärt Hartkämper jedoch in aller Gelassenheit. Dennoch denke auch sie über die Existenz ihres Käsehandels nach. „Im Moment bin ich froh, dass wir noch einen Wochenmarkt haben. Sonst könnte ich alles wegschmeißen“, fügt sie hinzu.

Die Besucher des Markts waren am Mittwoch entspannt. Einige genossen es, in der angenehmen Mittagssonne eine deftige Wurst zu essen oder einen lieblichen Wein zu trinken - ganz ohne Angst.

So auch drei Monteure aus Bayern, Thüringen und Sachsen, die den Wochenmarkt in der Mittagspause dazu nutzten, ihre Kraftreserven aufzufüllen. „Wir haben keine Angst und würden auch wiederkommen, wenn es möglich wäre“, erklären die drei.

Gemischte Gefühle beim Hansamarkt

Nach mehreren gelassenen Antworten auf die Frage nach der allgemeinen Stimmung meldete sich jedoch auch eine ängstlichere Stimme. „Die Menschen sollen bitte den Abstand einhalten“, fordert eine Besucherin. Gerade die jüngeren würden sich nicht immer daran halten. „Umso schneller geht das normale Leben weiter“, ergänzt sie.

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