Dortmunder wollen möglichst pflegeleicht unter die Erde kommen

rnStädtische Friedhöfe

Gestorben wird immer. Beerdigt sehr oft. Aber immer weniger auf den städtischen Friedhöfen. Und immer weniger im Sarg. Die Stadt hat mit neuen Bestattungsangeboten auf die Konkurrenz reagiert.

Dortmund

, 21.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Jahren liegt die Sterbequote in Dortmund relativ stabil bei knapp 1,2 Prozent und entspricht damit dem bundesweiten Vergleichswert. Doch Ort und Art der letzten Ruhe haben sich zum Teil verändert. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte sind zu den herkömmlichen Bestattungsarten auf städtischen oder kirchlichen Friedhöfen alternative Beisetzungsmöglichkeiten hinzugekommen – auch außerhalb des Stadtgebiets.

Urne oder Sarg? Feuer oder Erde? Oder doch vielleicht ins Wasser mit einer Seebestattung? Diese Frage müssen Hinterbliebene für ihre Verstorbenen beantworten, wenn diese ihre letzte Ruhestätte nicht schon zu Lebzeiten festgelegt haben.

Jetzt lesen

Dortmunder können sich heute auch in der Grabeskirche oder in Urnentürmen (Kolumbarium) beisetzen lassen, in Bestattungswäldern oder unter eigens gepflanzten Obstbäumen. Auch Bestattungen im Ausland sind eine Alternative – alles Angebote teils in Konkurrenz zu den 32 städtischen Gottesäckern mit einer Fläche von insgesamt 332 Hektar und den 34 kirchlichen Friedhöfen mit 70 Hektar.

Verschärfte Konkurrenz

Die tendenzielle Liberalisierung des Bestattungsrechts in NRW 2014 hat laut Stadt die Konkurrenzsituation weiter verschärft. Die Bestattungsquote auf städtischen Friedhöfen ist in den vergangenen 20 Jahren um 10 Prozentpunkte gesunken. Waren es im Jahr 2000 noch gut 75 Prozent der 6895 Sterbefälle, die auf städtischen Friedhöfen endeten, lag die Quote 2019 mit 6996 Sterbefällen in Dortmund nur noch bei gut 65 Prozent.

Immer weniger verstorbene Dortmunder finden ihre letzte Ruhe auf städtischen Friedhöfen.

Immer weniger verstorbene Dortmunder finden ihre letzte Ruhe auf städtischen Friedhöfen. © Grafik Klose

Als eine Reaktion darauf hat die Friedhofsverwaltung rund 70 Hektar städtischer Fläche, die für Friedhofserweiterungen vorgesehen waren, an die Stadt Dortmund zurückgegeben.

Jetzt lesen

Die Bestattungskultur ist schnelllebiger geworden. Im Jahr 2019 waren vier von fünf Bestattungen (81 Prozent) Urnenbeisetzungen. Jede dritte Bestattung (1511 Fälle) war anonym. Bis zum Jahr 2005 mit 783 anonymen Beisetzungen war diese Zahl nur dreistellig pro Jahr und stieg dann deutlich seit 2006, als die Stadt die „Einäscherung inklusive anonymer Urnenbeisetzung“ (heute für 530 Euro) anbot, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die Auslastung ihres Krematoriums zu sichern.

Acht neue Grabarten

Die Folge davon: Die Fallzahlen bei den übrigen Grabarten, für die durchweg höhere Gebühren anfallen, sind entsprechend gesunken. Zum einen sind es der Geldbeutel und der abnehmende Stellenwert der Religion, der Menschen die preiswerteste Bestattungsart wählen lässt. Zum anderen ist es für viele wichtig, dass die Grabstelle nicht intensiv gepflegt werden muss. Sie wollen die Angehörigen nicht belasten, die heute aufgrund veränderter Lebensverhältnisse immer häufiger nicht am selben Ort wohnen.

Jetzt lesen

Die Stadt hat deshalb neben den klassischen Reihen- und Wahlgrabstätten acht neue „attraktive“ Grabarten ins Angebotsportfolio aufgenommen, wie pflegefreie Erd- und Urnengrabstätten, Hain- und Obstbaumgräber.

Neun Friedhöfe mit Streuobstwiesen

Im vergangenen Jahr entfielen 30 Prozent aller Grabvergaben auf den pflegeleichten Bereich. Zählt man die anonymen Beisetzungen hinzu, waren es sogar 71 Prozent aller Neuvergaben. Vor allem die Urnenhaingrabstätten (122 insgesamt) steigen seit 2016 kontinuierlich, im vergangenen Jahr sogar über Plan.

Auch Streuobstwiesen sind eine besonders beliebte Alternative. Die Dortmunder Friedhöfe richten sie immer häufiger ein wie jüngst auf dem neunten Friedhof im Stadtgebiet in Holzen. Der Friedhof im südlichen Dortmund hatte schon wegen seiner einzigartigen Weinberggräber von sich reden gemacht.

Lesen Sie jetzt