Dortmunder wünschen sich ein Ausgehviertel - und noch mehr

rnOnline-Umfrage

Das kulturelle Angebot in Dortmund entspricht weitgehend den Ansprüchen der Bürger. Mehr als jeder zweite Dortmunder findet es „gerade richtig“. Wünsche an die Stadt gibt es dennoch viele.

Dortmund

, 23.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Daniela und Karl Tückhardt sind begeisterte Opern- und Konzerthausbesucher. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Kulturangebot der Stadt“, sagt das Paar im Rentenalter, das jedes Jahr – mit Ausnahme dieses Corona-Jahres – auch bei den Salzburger Festspielen zu Gast ist und damit einen internationalen Vergleich ziehen kann.

„Es ist schon erstaunlich, was einem in Dortmund alles geboten wird“, schwärmt Daniela Tückhardt. „Eigentlich braucht man gar nicht mehr zu den Salzburger Festspielen zu fahren, weil man sämtliche Künstler auch hier hat, von Anna Netrebkow mal abgesehen.“ Dabei denkt sie etwa an den türkischen Pianisten Fazil Say und den griechischen Dirigenten Teodor Correntzis.

Tückhardts haben unter anderem ein Abo für zehn philharmonische Konzerte pro Saison im Konzerthaus. „In Salzburg steht man zwar nach der Veranstaltung in der wunderschönen Altstadt, umgeben von einer Entourage festlich gekleideter Menschen, und hier in Dortmund dagegen auf der Brückstraße, doch hier ist man näher an den Künstlern als in dem Riesensaal in Salzburg“, sagt die Konzertfreundin. Viele besuchten dort die Aufführungen, auch um gesehen zu werden, „hier dagegen gibt es ein kunstbeflissenes Publikum, das die Aufführungen genießt.“

Fleißige Kulturgänger

Das Ehepaar aus Eichlinghofen gehört zu den fleißigsten Kulturgängern der Stadt. Doch auch für viele andere ist Kultur wichtig. Fast die Hälfte der Dortmunder (48,48 Prozent) nutzt das städtische Kulturangebot wie Oper, Theater, Konzerthaus und Museen ein- bis fünfmal im Jahr. Das ist eines der Ergebnisse aus unserer nicht repräsentativen Online-Umfrage zur Zufriedenheit mit der Arbeit der Stadtverwalrtung, an der 2709 Dortmunder teilgenommen haben.

Ein Drittel (33,23 Prozent) nutzt das Angebot gar nicht, dafür gehen aber 12,8 Prozent sechs bis zehnmal im Jahr in die Oper und ins Theater und/oder besuchen das Konzerthaus und die Museen, 3,56 Prozent 11 bis 15 Mal und 1,93 Prozent sogar mehr als 15 Mal.

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Offensichtlich liegt die Stadt mit der Quantität des Angebotes richtig; denn 57,56 Prozent der Befragte halten es für „genau richtig“, 3,44 Prozent ist es „zu viel“, 7,89 Prozent „eher zu viel“, aber 16,19 Prozent „eher zu wenig“ und 5,3 Prozent zu wenig. Fast zehn Prozent haben gar keine Meinung dazu.

Planetarium und Kunstwochenmarkt

Aber auf die offene Frage, welche weiteren Kulturangebote sich die Umfrage-Teilnehmer wünschen, gab es eine Reihe von Vorschlägen, darunter am häufigsten der Wunsch nach mehr Open-Air-Veranstaltungen, mehr Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche, mehr Musicals im Musiktheater, einem Ausgehviertel wie es früher mal der Ostwall war, einem dauerhaften Autokino und neuen, innovativen Museen. Außerdem auf der Wunschliste: ein Planetarium, mehr Opernpremieren mit Weltstars, internationale Kunstausstellungen und ein Kunstwochenmarkt.

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Für die Stadtverwaltung gibt das Ergebnis dieser Online-Befragung „Hinweise darauf, dass Dortmund im Bereich der Kultur einen sehr guten Weg eingeschlagen hat“, stellt Stadtsprecher Frank Bußmann fest: „Das städtische Kulturangebot mit Museen, Oper, Theater, Ballett und Konzerthaus trifft nicht nur die Bedürfnisse und den Nerv der Dortmunderinnen und Dortmunder, sondern wird auch überregional äußerst positiv aufgenommen.“

Saniertes Naturkundemuseum öffnet dieses Jahr

Das zeigten auch die Auslastungszahlen. „Das Angebot ist daher ein echter Standortfaktor“, so Bußmann. Mit dem sanierten Naturmuseum komme in diesem Jahr wieder ein weiteres attraktives Angebot hinzu.

Der Stadtsprecher verweist auch auf Geplantes. So hat die Stadt weitere hohe Investitionen in die Junge Bühne angekündigt. Zudem sei der Umzug des Stadtarchivs in den Kronen-Turm in Planung, um die Attraktivität des Kulturstandorts Dortmund weiter zu steigern.

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Der aktuelle Wunsch nach mehr Konzerten und Open-Air-Veranstaltungen sei möglicherweise dem diesjährigen corona-bedingten Ausfall vieler Ereignisse geschuldet, die sonst den Veranstaltungssommer in Dortmund ausmachten, vermutet Bußmann.

Neue Veranstaltungsformate

Mit vereinten Kräften sei es aber in diesen Zeiten gelungen, neue Veranstaltungsformate zu entwickeln. Dazu gehörten zum Beispiel die Juicy Beats Park Sessions oder auch das Festival Ruhrhochdeutsch an seiner neuen Spielstätte auf Phoenix-West.

Umfrage-Teilnehmer, die sich ein technisches Museum wünschen, verweist Bußmann auf die Arbeitswelt-Ausstellung (DASA) in Dorstfeld: „Mit der DASA ist in Dortmund ein technisches Museum ansässig, das zu den größten seiner Art in Deutschland gehört.“

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Vereinzelt kam auch der Wunsch nach freiem Eintritt in Museen. Den hat die Stadt aber für ihre Museen (von Sonderausstellungen abgesehen) längst erfüllt. Seit Januar 2019 ist der Eintritt in die Dauerausstellungen aller städtischen Museen frei. Auch der Eintritt in die Dauerausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte ist kostenlos.

Auch wenn es in Dortmund kein wirkliches Ausgehviertel mehr gibt – wenn der letzte Ton eines Konzerts im Konzerthaus erklungen ist, ist für Tückhardts der Abend noch nicht zu Ende. Zur Verlängerung gehen sie nur ein paar Schritte weiter ins Restaurant Stravinski. Dort stehe dann bereits der Wein auf dem Tisch „und die Flammkuchen sind schon im Ofen“, erzählt Daniela Tückhardt. Auch die Künstler säßen meist dort. „Es ist einfach familiär.“

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DIE ARBEIT DER STADT IM UMFRAGE-CHECK

Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt - und damit ein neuer Chef für die Dortmunder Stadtverwaltung. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.
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