Dortmunder Pflegedienst in der Corona-Krise: „Ihr seid die Helden der Zeit“

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Zu den Helden in der Corona-Krise gehören die Mitarbeiter im mobilen Pflegedienst. 300 arbeiten für die Dortmunder Wunsch-Pflege. Sie müssen sich auch selbst schützen. Für Masken zahlen sie Wucherpreise.

Kirchlinde

, 26.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tagespflege ist geschlossen, die Senioren der Wohngemeinschaften sollen keine Besucher mehr empfangen, Patienten sagen aus Angst vor Ansteckung den ambulanten Pflegedienst ab: Die Corona-Pandemie stellt auch die Kirchlinder Wunsch-Pflege GmbH vor große Herausforderungen.

Doch bislang überwiegen hier die guten Nachrichten. Die beste: Alle 300 Mitarbeiter sind gesund und kümmern sich genauso engagiert wie vor der Corona-Pandemie um die rund 800 Patienten in Dortmund und Castrop-Rauxel (hier sind es 30 Patienten). „Alle ziehen wunderbar mit“, lobt Geschäftsführer Jörg Wunsch sein Team.

Keiner der Patienten und Mitarbeiter ist bislang infiziert

Diese Nachricht klingt genauso schön: Niemand seiner Patienten und der WG-Bewohner sei bislang mit dem Coronavirus infiziert worden, berichtet Jörg Wunsch.

Die Vorräte der Wunsch-Pllege GmbH werden noch eine ganze Weile reichen.

Die Vorräte der Wunsch-Pflege GmbH werden noch eine ganze Weile reichen. © Wunsch-Pflege

Während des Telefoninterviews macht der Geschäftsführer einen recht entspannten Eindruck. „Ich halte nichts von Panikmache, das Wichtigste in diesen Tagen sind die Aufklärung und ein regelmäßiger Austausch mit allen Beteiligten.“

Keine Sorgen muss sich Jörg Wunsch aktuell und in der nahen Zukunft um fehlende Schutzausrüstung oder andere wichtige Artikel machen: Ob für Patienten, Wohngemeinschaften oder Mitarbeiter, er habe frühzeitig vorgesorgt: Toilettenpapier, Mehl, Nudeln, Mundschutz, Desinfektionsmittel, Hygieneartikel seien in ausreichenden Mengen vorhanden.

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2000 statt 200 Schutzmasken auf Vorrat

Beispiel Schutzmasken: Mehr als 2000 Stück hat Jörg Wunsch auf Vorrat, in normalen Zeiten seien es 200. Was ihn aufregt, seien die überzogenen Preise: „Vor Corona hat eine Spezialmaske mit Filter 90 Cent netto gekostet, jetzt zahle ich pro Stück 15 Euro netto.“ Insgesamt habe er einen „hohen fünfstelligen Betrag“ in die Vorräte investiert.

Geschäftsführer Jörg Wunsch hat für seinen Pflegedienst frühzeitig vorgesorgt, im Sinne seiner Patienten und Mitarbeiter.

Wunsch-Pflege-Geschäftsführer Jörg Wunsch hat frühzeitig vorgesorgt, im Sinne seiner Patienten und Mitarbeiter. © Jörg Bauerfeld (Archiv)

Vor allem die Berichte aus Italien hätten ihn zum schnellen Handeln bewegt, noch vor den Erlassen der Landesregierung, so Wunsch. „Die Tagespflege haben wir schon am 17. März geschlossen.“ Man trage schließlich die Verantwortung für eine Hochrisiko-Gruppe. „Da können wir nicht einfach 18 Personen in einem Bus transportieren.“

Neues Dienstplan-Modell in Corona-Zeiten

Geändert habe sich wegen Corona auch das Dienstplan-Modell, die Einsätze würden flexibel gehandhabt. „Damit unsere Mitarbeiter Privates, etwa die Kinderbetreuung, und Dienstliches aufeinander abstimmen können“, so Wunsch. Die Voll-Versorgung sei natürlich trotzdem gewährleistet.

Bislang hätten sechs bis acht Prozent der ambulanten Patienten abgesagt. „Weil sie Angst vor einer Ansteckung haben oder weil ihre Angehörigen jetzt Zeit haben, sich um sie zu kümmern.“ Im Bereich der Hauswirtschaft seien es noch einmal sechs bis zehn Prozent.

Sogar um Nicht-Patienten kümmert sich das Team der Wunsch-Pflege. Auf Facebook bietet es einen Einkaufs- und Apotheken-Dienst für Menschen der Risikogruppe an. „Wir holen ihre Rezepte beim Arzt ab und bringen sie zur Apotheke“, so Jörg Wunsch.

Nicht nur dafür ernten Jörg Wunsch und sein Team viel Zuspruch und Lob auf Facebook. „Ich wünsche dem Wunsch-Pflege-Team alles erdenklich Gute. Ihr seid die Helden der Zeit“, schreibt eine Userin. Eine andere: „Ihr macht einen tollen Job, besonders jetzt.“ Ein anderer dankt für die „mitfühlende Kommunikation“.

Jörg Wunsch will alles geben, sein Unternehmen durch die Krise zu bringen. Zu lange dürfe sie nicht dauern. „Die Pflege geht jetzt schon am Stock.“

Die Maske, die hier der der stellvertretende Pflegedienstleiter René Poth trägt, kostet 15 Euro, vor Corona waren es 90 Cent.

Die Maske, die hier der stellvertretende Pflegedienstleiter René Poth trägt, kostet 15 Euro, vor Corona waren es 90 Cent. © Wunsch-Pflege

Auch die finanziellen Einbußen seien enorm. „Wenn die Tagespflege acht Wochen geschlossen bleibt, fällt da ein sechsstelliger Betrag weg.“ Mit seiner Bank habe er schon über eine mögliche Kreditaufnahme gesprochen.

Er hoffe, dass die Gesellschaft verändert aus der Krise hervorgehen wird, sich positive Effekte ergeben werden. „Wir stehen bereit, wir helfen, wo wir können.“

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