Dortmunderin (61) steckt trotz Rückholaktion weiter in Tunesien fest

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Aouatef Kbaier ist wegen eines schweren Schicksalsschlags nach Tunesien geflogen, dann kam die Corona-Krise. Bei Rückholflügen durfte sie nicht an Bord gehen, Mann und Sohn warten in Dortmund.

Dortmund

, 05.04.2020, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Anlass, weshalb sie Dortmund überhaupt verlassen hat, war schon ein furchtbarer: Aouatef Kbaier ist Ende Februar nach Tunesien geflogen, um ihren verstorbenen Bruder zu begraben. Wegen des Coronavirus kann sie jetzt auf unbestimmte Zeit nicht nach Hause zu ihrer Familie zurückkehren.

Seit rund 30 Jahren lebt die Tunesierin in Deutschland, mit einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung, aber ohne deutschen Pass, wie ihr Sohn Sami berichtet. Am 23. März wollte die 61-Jährige eigentlich zurück nach Dortmund kommen, doch der Flug wurde wegen des Coronavirus gestrichen.

Rückholaktion primär für deutsche Staatsangehörige

„Es gab zunächst eine Rückholaktion“, sagt Sami Kbaier: „Daran durfte sie aber nicht teilnehmen, weil die Aktion primär für deutsche Staatsangehörige war.“ Wären noch Plätze frei gewesen, hätte die Dortmunderin zwar mitfliegen dürfen. Das war aber nicht der Fall. „Priorität haben deutsche Touristen sowie Familien mit Kleinkindern und Menschen mit besonderen medizinischen Bedürfnissen“, heißt es von der deutschen Botschaft in Tunesien.

Die Dortmunderin Aouatef Kbaier (61) kann nicht aus Tunesien ausreisen.

Die Dortmunderin Aouatef Kbaier (61) kann nicht aus Tunesien ausreisen. © Privat

Weitere Flüge hoben am Freitagmorgen (3.4.) in Tunis ab - allerdings ebenfalls ohne die Dortmunderin. „Meine Mutter konnte nicht zum Flughafen fahren, da eine Ausgangssperre verhängt wurde und man ohne ausländischen Pass nicht an den Kontrollen vorbeikommt“, sagt Sami Kbaier konsterniert.

Positive Nachrichten sind für die Familie aktuell nicht in Sicht. Die 61-jährige Mutter ist gerade immerhin bei Verwandten in Tunesien untergebracht. Einen deutschen Pass zu beantragen, würde mindestens mehrere Monate dauern. Nicht selten dauert der Prozess auch über ein Jahr lang.

Doch auch das in diesen Tagen so wichtige Dokument würde jetzt nichts mehr ändern. Der Flughafen in Tunis ist grundsätzlich für den internationalen Personenverkehr geschlossen, „letztmalig gehen Rückholflüge am Freitag nach Deutschland“, lautete die klare Ankündigung der Botschaft.

Fähren stehen still, Landgrenzen sind geschlossen

Es fahren keine Fähren über das Mittelmeer, auch die Landgrenzen sind nur noch für den Warentransport geöffnet. Tunesien ist nahezu komplett abgeriegelt. „Wir müssen wohl einfach warten, bis die ganze Corona-Situation vorbei ist“, sagt Sami Kbaier. Er selbst hat übrigens den Pass, mit dem seine Mutter schon lange zu Hause wäre.

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