Dortmunderin gestaltet aus alten Eheringen neue Schmuckstücke

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Den Staatspreis Manufactum schreibt die Landesregierung seit 1963 alle zwei Jahre aus. Erstmals geht er jetzt für Schmuck nach Dortmund. Die Gewinnerin arbeitet mit „verwaisten“ Trauringen.

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, 12.09.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Staatspreis Manufactum gehört zu den traditionsreichsten und mit 60.000 Euro höchst dotierten Wettbewerben für Kunsthandwerk. In diesem Jahr geht einer der sechs Preise an eine Dortmunderin – zum ersten Mal in der Kategorie Schmuck und zum dritten Mal überhaupt innerhalb der 46 Jahre seines Bestehens.

Designerin und Goldschmiedin Andrea Schmidt erhält den Staatspreis für ihre „Trilogie einer Verwandlung“. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit der Leere, die durch einen Trauring entsteht, wenn der dazugehörige Mensch fehlt.

Dortmunderin gestaltet aus alten Eheringen neue Schmuckstücke

„Die Leere füllen", darum geht es Andrea Schmidt bei den Schmuckstücken aus alten Trauringen. © Susanne Riese

381 Arbeiten wurden in diesem Jahr für den Kunsthandwerkpreis eingereicht. Der Wettbewerb läuft im Auftrag der Landesregierung NRW und der Beratungsstelle für Formgebung in Aachen.

Die Jury wählte 128 Arbeiten der Bereiche Möbel, Schmuck- und Kleidungsstücke, Skulpturen, Medien und Wohnaccessoires für eine Ausstellung aus. Die Exponate sind bis 13. Oktober im Museum für angewandte Kunst in Köln zu sehen, darunter natürlich auch die Werke der sechs Preisträger.

Schaukästen zeigen umgewandelte Eheringe

Andrea Schmidt beteiligte sich mit drei Schaukästen mit Schmuckstücken aus Gold, Silber, Edelstahl und Knochen. Herzstück der Arbeiten sind alte Trauringe - Schmuckstücke, die ihre ehemalige Funktion verloren haben, die aber für alle Zeit mit einer besonderen Bedeutung aufgeladen sind.

Sie sind Ausdruck von Verliebtheit und Zusammengehörigkeit von frisch Verheirateten, von Sehnsucht und Vermissen bei Getrennten und sie bleiben ein Zeichen für Verbundenheit lange über den Tod hinaus.

Dieser Sinngehalt schwingt mit in den liebevollen Schmuckstücken, die Andrea Schmidt aus den gravierten Goldringen fertigt. „Ich habe eine sehr persönliche Arbeit mit einem Foto meines Vaters hergestellt, den ich im Alter von 12 Jahren verloren habe. Aus dem Ring meines Vaters und einem Foto stellte ich das Schmuckstück her. Es ist ein Prozess des Loslassens und Akzeptierens des Todes. Das hat etwas sehr Tröstliches für mich“, erklärt die Preisträgerin.

Schmuck erhält ein zweites Leben

Andrea Schmidt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Zweitleben von Schmuckstücken, etwa mit der Frage, wie Erbstücke pietätvoll und nachhaltig verwandelt werden können in Schmuck, den die Besitzerin wieder gerne trägt.

„Viele haben Erbstücke in der Schublade, die einfach nicht mehr in unsere Zeit passen“, sagt Andrea Schmidt. Gemeinsam mit den Besitzern entwickelt sie daraus etwas Neues und Zeitgemäßes, das trotzdem die Erinnerung bewahrt.

Trauringe fordern einen besonders sensiblen Umgang. Andrea Schmidt bezeichnet diesen Prozess als „Spurensuche der Erinnerungen“. Sie versuche, die Leere zu weiten und neu zu füllen.

In der „Trilogie der Verwandlung“ prägt sie den Ring in eine kleine Silberschale, so dass ein feines Gefäß entsteht, das an einer langen Kette getragen werden kann. Sie formt den Ring zu einer ovalen Brosche und zu einem Medallion. „Es geht um das, was bleibt und wie man es verwandelt wieder ins Leben holt.“

Dortmunderin gestaltet aus alten Eheringen neue Schmuckstücke

Die Preisträger bei der Prämierung in Köln. © Krömer/Manufactum

Die Staatspreis-Jury hat das Gesamtbild überzeugt: „Zum einen der gut durchdachte und poetische Hintergrund, der kein Schmuckstück willkürlich erscheinen lässt, zum anderen eine sorgfältig durchgearbeitete Gestaltung, die nicht von einem Trend oder einer Modeerscheinung geprägt ist, sondern eine eigene Formsprache entwickelt.“

Andrea Schmidt versteht den Preis als große Anerkennung für ihre Arbeit. Ab 19. Oktober sind die prämierten Stücke in ihrer Galerie in der Kleppingstraße zu sehen. Bis dahin gibt es dort dazu eine Powerpoint-Präsentation.

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