Die Dortmunderin Emiliana Tiemann ist eine der Teilnehmerinnen bei der anstehenden Miss Germany Wahl. © Emiliana Tiemann
Miss Germany

Dortmunderin will Miss Germany werden – und hat eine noch größere Mission

Eine rassistische Beleidigung wandelte eine Dortmunder Studentin in Motivation um: Nun möchte sie Miss Germany werden. Dabei geht es ihr aber um mehr als um Schönheit.

Emiliana Tiemann ist Deutsche mit afrikanischen Wurzeln und an der Grenze zu Dortmund Dorstfeld aufgewachsen. Schon als Grundschülerin habe ihr ihre Mutter gesagt: „Du gehst nicht hinter die Brücke, da ist Sperrgebiet.“ Seitdem habe sie immer wieder gemerkt, „dass meine Hautfarbe mir Probleme machen kann.“

Mittlerweile ist Tiemann 22, studiert Kommunikationsdesign an der FH-Dortmund und ist eine der Teilnehmerinnen bei der anstehenden Miss Germany Wahl.

Rassistischer Vorfall am U „hat in meinem Kopf etwas geändert“

Ausschlaggebend für ihre Teilnahme an dem Contest war auch ein rassistischer Vorfall am Dortmunder U im September des vergangenen Jahres. Zwei Männer beleidigten Tiemann rassistisch und sagten ihr unter anderem, dass man sie „an den Zitzen aufhängen“ sollte.

Seit dem Vorfall „hat sich in meinem Kopf etwas geändert“, erklärt Tiemann. „Ich möchte nie wieder in so eine Situation kommen und ich will aufklären.“ Die Miss-Germany-Wahl sieht die 22-Jährige dafür als geeignete Plattform.

Nach 12.000 Bewerbungen zählt die Dortmunderin nun zu den 160 Teilnehmerinnen. Eigentlich dachte die Studentin, dass die Miss Germany-Wahl „etwas altbacken ist, mit Schlaufe und nur mit blonden, weißen Mädchen.“

Emiliana Tiemann will Miss Germany werden. Der Dortmunderin geht es dabei um mehr als Schönheit. © Emiliana Tiemann © Emiliana Tiemann

Nach einem Generationen-Wechsel in der Chefetage, versuche das Unternehmen, das hinter dem Schönheitswettbewerb steht, aber, diverser und offener zu werden.

Tiemann erklärt, dass es nicht mehr nur um Modelmaße geht, sondern um starke Frauen, die authentisch sind und „eine Message transportieren“.

Gespräche mit Politikern, dank Miss-Wahl

Im Falle der Dortmunderin ist diese Message eindeutig: „Ich will aufklären in Sachen Rassismus und Sexismus.“ Dass sie sich dafür ausgerechnet einen Schönheitswettbewerb ausgesucht hat, hat der 22-Jährigen auch Kritik gebracht.

Emiliana Tiemann möchte über Rassismus aufklären.
Emiliana Tiemann möchte über Rassismus aufklären. © Emiliana Tiemann © Emiliana Tiemann

Der Dortmunderin ist das aber egal: „Wenn man erst mal in der Öffentlichkeit steht, dann wird man auch gehört.“ Die mediale Aufmerksamkeit möchte sie nutzen, um zu sensibilisieren.

„Ich möchte mit Menschen nur ins Gespräch kommen und ihnen vielleicht zeigen, dass wir gar nicht so verschieden sind, dass wir auch zusammenarbeiten können – für ein gemeinsames Deutschland.“

Im Rahmen der ersten Einladung des Schönheitswettbewerbes nach Hamburg konnte die 22-Jährige neben Fotoshootings auch mit zwei Politikern über Rassismus sprechen.

Es sind Möglichkeiten dieser Art, die sich Tiemann durch den Contest erhofft und weswegen sie gerne auch weiter im Teilnehmerfeld bleiben möchte.

Finale 2023 in Rust – möglicherweise mit einer Dortmunderin?

Dafür muss sie zunächst die nächste Ausscheidungsrunde überstehen. Noch bis zum 31. Oktober kann man für die 40 besten Kandidaten abstimmen, weitere 40 werden dann durch die Jurorinnen und Juroren ermittelt.

Auch wegen rassistische Beleidigungen kandidiert Tiemann als Miss Germany.
Auch wegen rassistische Beleidigungen kandidiert Tiemann als Miss Germany. © Tiemann © Tiemann

Nach weiteren Ausscheidungsrunden treffen sich dann die letzten 16 Teilnehmerinnen im Februar 2023 im Europa-Park in Rust. Tiemann hofft, auch dort noch dabei zu sein, ein Erfolg wäre für sie aber auch möglichst viele Menschen zu erreichen.

Ohnehin ist eine Modelkarriere für die 22-Jährige nicht die einzige Option. Irgendwann hätte sie gerne eine eigene Fernseh- oder Radiosendung und auch in der Politik könnte sich die Dortmunderin sehen.

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