Dortmunds absurdeste Verkehrsführung? Autos und Lkw fahren seit Jahren täglich Umwege

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Je nachdem, wo sie hinwollen, müssen Auto- und Lkw-Fahrer im Hafen Umwege machen. Seit Jahren wird über einen besseren Anschluss diskutiert. Jetzt tut sich was. Es gibt aber einen Haken.

Dortmund

, 28.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gut 1,2 Kilometer - so lang ist der Umweg, den täglich hunderte Autos - allen voran Lkw - fahren müssen, um von der Anschlussstelle Hafen an der A45 aus das Gewerbegebiet Westfalia und die Westseite des Hafens zu erreichen.

Denn unmittelbar an der Westfaliastraße gibt es von der Hafenbrücke aus keine Zufahrt. Also muss der Autoverkehr bis zum Sunderweg und dort über die Brücke am Alten Hafenamt fahren, um zu wenden. Hier, aus östlicher Richtung, gibt es dann eine Ausfahrt auf die Westfaliastraße.

Umgekehrt besteht das gleiche Problem für Fahrten von der Westfaliastraße in Richtung Autobahn.

Die Karte zeigt den aktuellen Umweg und die mögliche Lösung für eine Anbindung der Westfaliastraße am Hafen.

Die Karte zeigt den aktuellen Umweg und die mögliche Lösung für eine Anbindung der Westfaliastraße am Hafen. © Martin Klose

Der Konstruktionsfehler beim Anschluss des Gewerbegebiets, in dem zahlreiche Betriebe und große Logistik-Niederlassungen unter anderem von DHL, Thyssen-Schulte und der Spedition Kühne+Nagel angesiedelt sind, ist historisch bedingt. Unmittelbar unter der Hafenbrücke an der Westfaliastraße liegt das Gelände des Hafenbahnhofs.

Die Gleise existieren noch, sie werden aber seit Jahren überwuchert. Der alte Güterbahnhof ist lange stillgelegt.

Platz am ausgedienten Hafenbahnhof

Die riesige Fläche, die noch immer der Bahn gehört, ist deshalb nicht nur für mögliche Firmenansiedlungen im Fokus der städtischen Wirtschaftsförderer, sondern auch Thema für die Verkehrsplaner. Denn über die Westfaliastraße könnte man einen Anschluss für das neue Containerterminal, die sogenannte KV-Anlage (KV steht für Kombinierter Verkehr) schaffen, das im Februar 2016 nördlich des Hafens eröffnet wurde und bald erweitert werden soll.

Seit Februar 2016 ist die neue KV-Anlage nördlich des Hafens in Betrieb.

Seit Februar 2016 ist die neue KV-Anlage nördlich des Hafens in Betrieb. © Oliver Schaper

Eine komplette Anbindung der Westfaliastraße an den Autobahnzubringer OWIIIa - so heißt die Schnellstraße über die Hafenbrücke offiziell - ist deshalb auch Teil des Verkehrskonzepts für den Hafen und die KV-Anlage. Ein Vollanschluss könnte große Entlastung bringen, hieß es schon 2012 in einem Gutachten.

Damals ging es im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die KV-Anlage darum, den Anwohnern in der Nordstadt und in Huckarde die Sorge vor einer zu großen Verkehrsbelastung zu nehmen.

Bislang ist die Westfaliastraße von der Hafenbrücke aus nur von und nach Westen erreichbar.

Bislang ist die Westfaliastraße von der Hafenbrücke aus nur von und nach Westen erreichbar. © Oliver Volmerich

Immer wieder wurde der Ausbau des Knotens an der Westfaliastraße in Dialogveranstaltungen zum Hafenverkehr eingefordert. Im Juni 2015 beschloss der Rat der Stadt dann, ein Gutachten „zur weiteren Qualifizierung des Vollanschlusses der Westfaliastraße an die OWIIIa/Mallinckrodtstraße“ in Auftrag zu geben und das „erforderliche Planverfahren“ zu betreiben.

Jetzt, fast fünf Jahre später, liegt die Expertise tatsächlich vor - in Form einer Machbarkeitsstudie und einer Nutzen-Kosten-Analyse.

Kosten niedriger als erwartet

Das kurzgefasste Ergebnis: Der Vollanschluss ist machbar. Und die prognostizierten Kosten liegen sogar unter früheren Schätzungen. Von 15 bis 17 Millionen Euro war vor einigen Jahren die Rede. Jetzt werden die Kosten auf knapp 14 Millionen Euro taxiert.

Für ihre Berechnungen haben die Gutachter elf Varianten für einen westlichen Anschluss der OWIIIa an die Westfaliastraße geprüft. Das Ergebnis fällt simpel aus: Empfohlen wird eine Auf- und Abfahrtsrampe parallel zur Hafenbrücke mit Ampelanschluss an die Westfaliastraße.

Hier könnte eine der neuen Rampen von der Hafenbrücke auf die Westfaliastraße münden.

Hier könnte eine der neuen Rampen von der Hafenbrücke auf die Westfaliastraße münden. © Oliver Volmerich

Zu einem positiven Ergebnis kommt auch die Kosten-Nutzen-Berechnung, nachdem sich in Gesprächen mit der Bahn AG im Januar 2019 die Planung noch einmal vereinfacht hat. Seitdem steht fest, dass die Bahn die Gleise des alten Hafenbahnhofs nicht mehr benötigt und sie nicht mehr alle „überbrückt“ werden müssen. Erhalten bleibt nur die noch weiterhin genutzte Bahnstrecke ganz im Westen des Geländes.

Entlastung für Sunderweg

„Dies lässt eine deutliche Reduzierung der Kosten erwarten“, heißt es in der Studie zum Vollanschluss der Westfaliastraße. In der Summe kommen die Gutachter nun auf Kosten von 11,6 Millionen Euro netto (das entspricht etwa 14 Millionen Euro brutto), die einem errechneten Nutzen von 12 Millionen Euro gegenüberstehen. Dieses positive Verhältnis ist Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln.

Die Spindel für den Rad- und Fußverkehr, der von der Westfaliastraße auf die Hafenbrücke führt, soll abgerissen werden, wenn der Anschluss komplettiert wird.

Die Spindel für den Rad- und Fußverkehr, die von der Westfaliastraße auf die Hafenbrücke führt, soll abgerissen werden, wenn der Anschluss komplettiert wird. © Oliver Volmerich

Die Botschaft hört man im Hafen und in der Politik gern. Doch es gibt einen Wermutstropfen: die Zeitplanung. Von sieben Jahren Planung und zwei Jahren Bauzeit, die für Bauprojekte des Bundes veranschlagt werden, ist in dem Gutachten die Rede. Diese Perspektive sei auch für den Anschluss der Westfaliastraße „nicht unrealistisch“, erklärt Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl auf Anfrage.

Das heißt: Selbst wenn die Politik noch in diesem Jahr die Planung tatsächlich in Auftrag gibt, wäre mit einer Fertigstellung des Anschlusses nicht vor 2029 zu rechnen. Man müsse auch erst einmal schauen, welche Kapazitäten in der Verwaltung dafür vorhanden seien, gibt Sylvia Uehlendahl zu bedenken.

Beschleunigung nötig

Unmöglich findet Hafen-Chef Uwe Büscher diese Zeitplanung. „Das muss dringend beschleunigt werden.“ Die Entlastung der Brücke am Sunderweg sei von großer Bedeutung für die Hafenentwicklung - auch mit Blick auf die Pläne an der Speicherstraße.

In der Politik sieht man das ähnlich. Die CDU im Rat hat die Vorlage des langersehnten Gutachtens in einer Stellungnahme begrüßt - verbunden mit einem Seitenhieb auf die fünfjährige Wartezeit. „Nachdruck sieht für mich anders aus“, merkt der CDU-Planungsexperte Uwe Waßmann an.

Für die CDU habe der Anschluss der Westfaliastraße hohe Priorität, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dr. Jendrik Suck, der auch dem Aufsichtsrat der Hafen AG angehört: „Das Projekt hat eine hohe überregionale Bedeutung und sollte nun energischer als bisher verfolgt werden.“

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