Dortmunds Banken halten Obdachlose mit Wachdiensten und Nacht-Schließungen fern

rnUnerwünschte Übernachtungen

An rund einem Dutzend Bank-Standorten in Dortmund gibt es Probleme mit übernachtenden Obdachlosen. Kunden beklagen sich über Urin und Kot. Die Geldinstitute reagieren unterschiedlich.

Dortmund

, 24.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die Temperaturen wie dieser Tage nachts unter den Gefrierpunkt fallen, wird es ernst für Dortmunds schätzungsweise 400 bis 600 Obdachlose: Die Suche nach einem warmen Schlafplatz ist dann überlebenswichtig. Immer wieder endet diese Suche in den SB-Bereichen der Dortmunder Banken: Sie sind oft frei zugänglich, 24 Stunden geöffnet und (am wichtigsten) beheizt.

Damit werden die Obdachlosen zu einem Problem für die Geldinstitute – einem, mit dem man sich schwer tue, sagt Thomas Kirmse. Er ist als Marktbereichsleiter bei der Dortmunder Volksbank für deren 40 SB-Standorte in Dortmund zuständig. „Wir wollen Obdachlose nicht vertreiben.“ Sie würden auch in den öffentlichen Raum gehören.

Kot und Urin in den Bank-Räumen

Würden die Obdachlosen die SB-Bereiche nachts nur für einige Stunden „für ein Nickerchen im Warmen“ nutzen und sich „vernünftig verhalten“, hätte die Volksbank Dortmund auch kein Problem mit ihnen, so Kirmse.

Doch leider würden sie oft die Räume verunreinigen, teilweise auch mit Kot und Urin. „Wir mussten in den betroffenen Filialen regelmäßig morgens eine Grundreinigung vornehmen, das konnten wir auf lange Sicht unseren Mitarbeitern nicht zumuten.“ Außerdem hätten sich die Kundenbeschwerden gehäuft.

Volksbanken, Sparkasse und Commerzbank schließen Filialen nachts

Und so hat das Geldinstitut derzeit drei seiner SB-Bereiche im Kaiserstraßenviertel, in Aplerbeck und in Dorstfeld nachts geschlossen, damit Obdachlose nicht in den Räumen übernachten. Genauso hält es die Volksbank Dortmund-Nordwest mit ihren Filialen in Lütgendortmund und Oespel.

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Die Commerzbank macht gar vier ihrer fünf SB-Bereiche in ihren Dortmunder Filialen nachts dicht, nicht nur wegen Übernachtungen von Obdachlosen, sondern auch generell wegen nächtlichem Vandalismus.

Auch die Sparkasse, die mit insgesamt 60 Standorten das größte Netz von SB-Bereichen in Dortmund hat, geht an mehreren Standorten gegen unerwünschte Übernachtungen von Obdachlosen vor: An der Münsterstraße schließt sie nachts den SB-Bereich, ebenso am Borsigplatz, wo zusätzlich tagsüber ein Wachdienst unterwegs sei, so Sprecherin Katja Schütte: „Trifft der Wachdienst auf einen Menschen ohne festen Wohnsitz, wird der aufgefordert, den SB-Bereich zu verlassen.“ Das Gleiche passiert im SB-Bereich der Sparkasse in Oespel, der nachts aber geöffnet bleibt.

Automatische Ansagen gegen Obdachlose

Auch die Sparkassen-SB-Bereiche in Alt-Scharnhorst und im Kaiserviertel wurden in der Vergangenheit regelmäßig von Obdachlosen als Schlafstätte genutzt, so Schütte weiter.

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In der Filiale an der Kaiserstraße teste man eine Überwachung per Videokamera durch den Pförtner der Sparkassen-Hauptstelle. Betreten Obdachlose nachts das Foyer der Filiale, werden automatische Ansagen abgespielt, die die Obdachlosen auffordern, die Räume zu verlassen. „In letzter Konsequenz wird die Polizei informiert.“

Bodo-Redaktionsleiter: Stadt ist in der Pflicht

Doch ist es nicht kaltherzig von den Banken, Obdachlosen einen warmen Schlafplatz zu verwehren? Nein, sagt Bastian Pütter, Redaktionsleiter des sozialen Straßenmagazins „Bodo“: „Es ist nicht die Aufgabe von Finanzinstituten, Obdachlose unterzubringen.“

Pütter sieht vielmehr die Stadt in der Pflicht: Wer in den bestehenden Not-Schlafstellen kostenlos übernachten will, müsse dafür einen „Übernachtungsschein“ mit Kostenübernahmezusage seitens des Jobcenters oder des Sozialamtes beantragen – für viele Obdachlose eine schwer zu überwindende Hürde. Auch seien zum Beispiel Hunde dort nicht erlaubt.

„Wir brauchen mehr unbürokratische Not-Übernachtungsmöglichkeiten“, meint Pütter.

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