Dortmunds bekanntester Schuhverkäufer geht in Rente

Bernhard Greitemeier

Bernhard Greitemeier dürfte wohl Dortmunds "Mister Schuh" sein. 18 Jahre lang führte er das Geschäft Vogelsang am Westenhellweg. Doch jetzt ist Schluss. Vor seinem Ruhestand haben wir den 63-Jährigen noch einmal besucht.

DORTMUND

, 28.06.2017, 16:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dortmunds bekanntester Schuhverkäufer geht in Rente

Ute Gemmeke folgt auf Bernhard Greitemeier als Geschäftsstellenleiterin des Schuhhauses Vogelsang am Westenhellweg.

Ein Mann mit Seltenheitswert: Er nennt selbst mindestens 40 Paar Schuhe sein Eigen, versorgt die Gattin daheim regelmäßig mit schickem Nachschub für ihre Füße und liebt es, mit der Frau seines Herzens lange und ausgiebig einkaufen zu gehen. Bald hat sie mehr von ihm: Bernhard Greitemeier, seit 18 Jahren Geschäftsleiter vom Schuhhaus Vogelsang, geht am 1. Juli in den Ruhestand. 

Wenn der Beruf eine Berufung ist

Für den 63-jährigen „Mister Schuh“ war der Beruf Berufung. Sein Verkaufstalent entdeckten schon die Eltern und heute, nach fast 50 Jahren Erfahrung im Schuhhandel (mit kleinen Abstechern in die Textilbranche) kann der Mann mit Wohnsitz am Niederrhein viele Schuh-Geschichten erzählen.

Bernhard Greitemeier erinnert sich an eine Frau, deren Griff ins Regal immer gezielt zur Luxus-Marke Prada ging. Einmal bat sie die Verkäuferin, sämtliche Aufkleber am neuen Paar pingelig zu entfernen, und ihr die Schuhe dann in die Handtasche zu stecken. Das Stirnrunzeln hinter der Kasse beantwortete die Kundin: Zuhause würde sie die Neuen vor ihrem Mann verstecken und nach ein paar Wochen behaupten, ach die habe sie schon „ganz lange“.

Beim Selbstbewusstsein scheint es durchaus bei mancher Frau Nachholbedarf zu geben: Eine andere Käuferin brachte ihre hochhackigen Schuhe am nächsten Tag zurück und sagte, ihrem Mann gefielen diese nicht. Sie dürfe die nicht anziehen. Aha! 

Als „drehenden Absatz“ beschrieb eine weitere Konsumentin das Laufgefühl auf der Neuerwerbung. Kein Grund zur Beschwerde: Der Absatz saß bombenfest, aber das Leder war so neu und glatt, dass die ersten Schritte nur tänzelnd übers Parkett gingen.

150 Paar Schuhe? Ja, das geht

Überhaupt Frauen und Schuhe. Welche Erklärung hat Schuh-Liebhaber Greitemeier für dieses Phänomen? Nun, er kennt tatsächlich Kundinnen, die haben mindestens 150 Paar, zu jedem denkbaren Outfit, und ständig lassen die Damen neue Schränke für den Nachschub bauen. Das konnte ihm 48 Jahre lang nur Recht sein. Als Grund für den Schuhtick von Frauen nennt er die sich nicht verändernde Größe am Fuß, während Kleidergrößen im Laufe des Lebens eher die Tendenz nach oben zeigen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten sei in der Tat mehr „nach dem Nutzwert“ gekauft worden, sagt der scheidende Geschäftsleiter. Die Winter seien Winter und Sommer Sommer gewesen. Schuhe mit Fell oder Sandalen hätten die Leute tatsächlich lange vorab gekauft. Das gebe es heute kaum noch. Die Kunden kämen deutlich zeitnaher, warteten erst einmal ab, ob sich die Witterung wirklich ändere. 

"Ich will mich gut fühlen"

Auch Modediktate sind Schnee von gestern. Ganze Straßenzüge liefen in den 1970er-Jahren mit Plateausohlen und Blockabsätzen herum. Heute trägt jeder, was ihm gefällt, weil es alle Stilrichtungen gibt. Die Maßgabe für einen Schuhkauf in der Jetzt-Zeit sei: „Ich will mich gut fühlen“, so der Noch-Chef.

Und das wollen offenbar immer mehr Kunden, ohne dabei den Westenhellweg anzusteuern: Seit rund vier Jahren pflegt Vogelsang einen eigenen Online-Shop. Gut fühlen als Pensionär will sich auch Greitemeier. Der Vater zweier erwachsener Söhne hat endlich mehr Zeit für seine Hobbys, den Chorgesang und den Vorsitz vom Heimatverein Issum. 

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Das Schuhhaus Vogelsang auf dem Westenhellweg gehört seit 1960 zur Münsteraner Zumnorde-Gruppe. 28 Geschäfte, vor allem in NRW und den östliche Bundesländern, gehören zur Gruppe. Nachfolgerin von Bernhard Greitemeier wird Ute Gemmeke. Die Diplom-Kauffrau half bereits als Studentin im Unternehmen mit. 

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