Dortmunds Bewerbung für EM 2024 wackelt

DFB verlängert Frist

Auch wenn die Stadt Dortmund als Austragungsort für die EM 2024 ihren Hut in den Ring geworfen hat, ist nicht klar, ob sie an ihrer Bewerbung festhalten wird. Das finanzielle Risiko für die Stadt liegt im zweistelligen Millionenbereich. Inzwischen hat der DFB reagiert, die Bewerbungsfrist wurde verlängert.

DORTMUND

, 23.05.2017, 14:52 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Friedensplatz war bei den vergangenen internationalen Turnieren immer Standort von großen Public Viewings. Ob sich Dortmund selbst für die EM 2024 als Austragungsort von Spielen bewirbt, ist noch unklar.

Der Friedensplatz war bei den vergangenen internationalen Turnieren immer Standort von großen Public Viewings. Ob sich Dortmund selbst für die EM 2024 als Austragungsort von Spielen bewirbt, ist noch unklar.

Aktualisierung, Mittwoch, 16.08 Uhr: DFB verlängert Bewerbungsfrist um einen Monat

Einen Monat länger hat die Stadt Dortmund Zeit darüber nachzudenken, ob sie als Austragungsort einer möglichen Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland zur Verfügung steht. In einem Schreiben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), das am Dienstagnachmittag im Rathaus einging, wird der Stadt nun eine Frist bis zum 10. Juli eingeräumt. Wie am Dienstag berichtet, sollte eigentlich am 12. Juni Bewerbungsschluss sein.

Weil wohl nicht nur Dortmund, sondern auch andere Städte sich angesichts eines nicht abzuschätzenden finanziellen Risikos mit einer pauschalen Zusage schwer tun, verlängert der DFB das Bewerbungsverfahren. Oberbürgermeister Ullrich Sierau wertete dies am Mittwoch als freundliche Geste des DFB. „Dieser zeitliche Aufschub gibt uns die Möglichkeit, noch einige Dinge anzusprechen und zu klären“, sagte er. Diese Möglichkeit besteht auch während eines Treffens in der Frankfurter DFB-Zentrale am 7. Juni. Sierau: „Ob aus dem Gespräch in Frankfurt nennenswerte Erkenntnisse mitzunehmen sind, bleibt abzuwarten.“

Kritik von den Grünen

Der Stadtrat wird sich, so teilte Stadsprecher Frank Bußmann mit, unverändert am 1. Juni mit der Bewerbung befassen. „Vor dem Hintergrund der erforderlichen bedingungslosen Zusagen an die UEFA im Bewerbungsverfahren und der damit verbundenen Risiken für den Haushalt der Stadt Dortmund auf der einen Seite, des wirtschaftlichen Nutzens und der erheblichen öffentlichkeitswirksamen Bedeutung einer Turnierbeteiligung Dortmunds auf der anderen Seite, wird die Verwaltung dem Rat keine Empfehlung (...) geben“, erklärte er.

Als erste Ratsfraktion äußerten die Grünen am Mittwoch ihre Bedenken. Was vorliege, sei „eine Art Knebelvertrag von UEFA und DFB mit unabsehbaren finanziellen Folgen.“ Es könne nicht sein, dass DFB und UEFA profitieren und die Städte und ihre Bürger das Risiko tragen sollen.

Erster Bericht, Dienstag, 14.52 Uhr: Dortmunds Bewerbung wackelt 

Bewerbungsschluss für die insgesamt 14 Städte, die von ursprünglich 17 noch nicht ausgestiegen sind,  ist am 12. Juni. Zehn Städte will der Deutsche Fußball-Bund (DFB)  für die Bewerbung auswählen. "Wenn wir ja sagen, kaufen wir die Katze im Sack", erklärte am Dienstag Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Der DFB fordere eine pauschale Zusage, ihn "auf eigene Kosten bestmöglich zu unterstützen." Sollte Dortmund am Stichtag 12. Juni an seiner Bewerbung festhalten und die vollständigen Unterlagen einreichen, wäre die Stadt in der Haftung.

Kosten nicht zu beziffern

Auflagen der Europäischen Fußball-Union (Uefa), vor allem die Gewährleistung der Sicherheit und technische Anforderungen, könnten die Stadt möglicherweise bis zu 30 Millionen Euro kosten, so der OB. Aufgrund fehlender Informationen könne die Verwaltung nur Vermutungen über die Kosten anstellen, "aber wir können sie nicht beziffern". 

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Angesichts dieser widrigen Umstände hat die Stadt Dortmund die Initiative ergriffen und über den Städtetag die Bewerberstädte am Dienstag (23.5.) zu einem Treffen eingeladen. Informationen sollen ausgetauscht und Interessen gegenüber DFB und Uefa abgeglichen werden.

Manche Städte wollen sich nicht in die Karten gucken lassen

Allerdings sind nicht alle Städte dieser Einladung gefolgt, da sie sich von den Konkurrenten nicht in die Karten gucken lassen wollen und angesichts einer vom DFB auferlegten Verschwiegenheitspflicht keinen Sinn in dem Treffen sehen.

"Wir haben im Augenblick den Job, Informationen zu besorgen", sagt OB Sierau. "Wenn das Geschäftsmodell von DFB und Uefa ist, wir bezahlen und sie kassieren, dann ist das etwas einseitig."

Beschlussvorschlag für den Rat mit Alternative

Deshalb wird die Verwaltung dem Rat einen zweigeteilten Beschlussvorschlag vorlegen: Entweder der Rat beschließt, die Teilnahme am Bewerbungsverfahren nicht weiter zu verfolgen, oder er stellt der Verwaltung einen Blankoscheck aus "auf der nach oben offenen Ausgabeskala" so Sierau.    

Sollte der Rat am 1. Juni angesichts des Informationsdefizits zu keiner Entscheidung kommen können, könnte bis zum 12. Juni noch eine Dringlichkeitsentscheidung  nach  einer Sonderältestenratssitzung fallen - in der Hoffnung, bis dahin mehr Klarheit zu haben.

Zuletzt Kaiserslautern abgesprungen

Zu den 14 Städten, die noch im Rennen sind, gehören neben Dortmund Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mönchengladbach, München, Nürnberg und Stuttgart. Zuletzt war Kaiserslautern wegen "eines unverantwortlichen finanziellen Risikos" ausgestiegen. Am 15. September wird das DFB-Präsidium die zehn Spielorte bestimmen.

Der EM-Ausrichter wird im September 2018 durch die Uefa erkoren. Neben Deutschland hat bisher auch die Türkei ihre Kandidatur angekündigt.

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