Heizpilze könnten Dortmunds Biergärten durch den Winter bringen

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Nach dem Lockdown könnten nun umstrittene Heizpilze die Wirte über die kalte Jahreszeit retten. Denn das Verteilen von Decken in der Außengastronomie ist in Corona-Zeiten eine Herkulesaufgabe.

Dortmund

, 22.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Klimakiller werden sie gebrandmarkt - und dennoch könnten sie in diesem Jahr eine Renaissance erleben: mit Gas betriebene Heizpilze. Da der Lockdown für sämtliche Gastronomen wirtschaftlich eine Katastrophe war, gibt es nun Überlegungen, die Biergärten auch in der kälteren Jahreszeit zu öffnen. Unter anderem besagte Heizpilze sollen‘s möglich machen.

Intensive Arbeit an einem Konzept im „Maximilian“

Im „Maximilian“ am Alten Markt wird mit Hochdruck an einem guten Konzept für Herbst und Winter gearbeitet. Komplett abschreiben will Geschäftsführer Holger Schmidt den Einsatz von Heizpilzen noch nicht, „aber grundsätzlich ist alles, was die Umwelt belastet, keine gute Alternative. Wir arbeiten zusammen mit der Stadt an einer Lösung.“

Schon mittags ist der Biergarten des Maximilian am Alten Markt gut besucht. Ob Kellner Lennart die Damen künftig unter Heizpilzen bedient, steht noch in den Sternen.

Schon mittags ist der Biergarten des Maximilian am Alten Markt gut besucht. Ob Kellner Lennart die Damen künftig unter Heizpilzen bedient, steht noch in den Sternen. © Michael Schuh

Vor allem wünscht sich Schmidt, dass vom 4. bis 8. November zunächst der Hansemarkt und später auch der Weihnachtsmarkt in der City stattfinden - und den Gastronomen entsprechend Zulauf bescheren. Momentan gibt sich der Geschäftsführer in Sachen dieser Feste äußerst optimistisch: „Ich gehe fest davon aus.“

„Herr Liebig“ denkt über Heizpilze und Torten nach

Im Kaffeehaus „Herr Liebig“ im Herzen des Kreuzviertels, das sowohl an der Schilling- als auch an der Liebigstraße Tische auf dem Gehsteig stehen hat, sind Heizpilze ebenfalls ein Thema. „Wir denken auf jeden Fall drüber nach“, sagt Inhaberin Pia Danielmeier. Damit würde das Café allerdings Neuland betreten: „Wenn wir Heizpilze einsetzen wollen, müssten wir erst einmal welche kaufen.“

Dass die Gäste weiterhin draußen sitzen können, sei nicht zuletzt aufgrund der dezimierten Kapazität im Innenbereich wichtig, sagt Danielmeier. Allerdings stellt sich ihr ein Problem: „Wir haben in der Außengastronomie große Schirme stehen. Ob es eine Lösung mit Heizpilzen geben könnte, müssten wir erst einmal überprüfen.“

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Um die Ausfälle während des Lockdowns einigermaßen auszugleichen, sieht Danielmeier aber noch eine andere Möglichkeit: „Wir sind ja eine Meister-Konditorei - da können wir auch über den Verkauf von Torten etwas machen.“

Keine Heizpilze vor dem „Wenkers“

Für Matthias Wiesener, stellvertretender Betriebsleiter bei „Wenkers“ am Markt, steht jetzt schon fest: „Heizpilze wird es bei uns nicht geben.“ Und seine ausführliche Erklärung verdeutlicht, dass sich das Wenkers-Team reichlich Gedanken über den kommenden Herbst und Winter gemacht hat.

So sei die Lagerung der Gasbehälter schwierig, zudem gingen qualitativ hochwertige Heizpilze und deren Befeuerung mit hohen Kosten einher. „Außerdem müssten alle Mitarbeiter von der Berufsgenossenschaft im Umgang mit Heizpilzen geschult werden“, fährt Wiesener fort, „und die Umwelt bedankt sich auch, wenn man darauf verzichtet. Denn wir bemühen uns um Nachhaltigkeit.“

Deshalb gehe es nun vor allem darum, die Innenräume „absolut fit und sicher für den Winter zu machen. Damit beschäftigen wir uns jeden Tag.“ Neben den vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen seien sogenannte Aerosol-Killer im „Wenkers“ ein Thema, sagt Wiesener: „Wir haben ohnehin eine gute Belüftung, denken aber auch über UVC-Luftreiniger nach.“

Und sollte es den Gästen in der momentan auf 130 Plätze reduzierten Außengastronomie zu kalt werden, würden - wie in den Vorjahren - an den Tischen vor dem „Wenkers“ wärmende Decken verteilt.

Decken werden zur Herkulesaufgabe

Hört sich so einfach an, ist es aber nicht. Denn auch das Verteilen von Decken ist in Corona-Zeiten mit Auflagen verbunden, verdeutlicht Carsten Duif, Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums: „Gebrauchte Textilien und ähnliches sind mit jedem Gästewechsel zu wechseln und bei mindestens 60 Grad zu waschen.“ Bei vollem Biergarten und dementsprechender Nachfrage nach den wärmenden Textilien sicherlich eine Herkulesaufgabe.

Pia Danielmeier und Beate Bussmann vom Kaffeehaus "Herr Liebig" ziehenden Einsatz von Heizpilzen in Betracht - wollen aber vor allem mit ihren Torten punkten.

Pia Danielmeier und Beate Bussmann vom Kaffeehaus "Herr Liebig" ziehenden Einsatz von Heizpilzen in Betracht - wollen aber vor allem mit ihren Torten punkten. © Nicole Giese (A)

Generell sind Heizpilze in Dortmund - im Gegensatz zu manch anderer Kommune - erlaubt. Und auch sonst möchte die Stadt den Wirten so gut es geht unter die Arme greifen, um über den Winter zu kommen. So gibt es bis mindestens zum Jahresende keine Sondernutzungsgebühren, die Wirte ansonsten für Flächen in der Außengastronomie zahlen müssen.

Längere Gebührenbefreiung

„Eventuell entfallen diese Gebühren auch über das Jahresende hinaus“, sagt Robert Litschke, Sprecher der Wirtschaftsförderung Dortmund. „Denn für die Gastronomie ist es notwendig, dass die Gäste so lange wie möglich draußen sitzen können.“

Außerdem liefen zurzeit Gespräche mit den Wirten, in denen gemeinsame Konzepte entwickelt werden sollen. So könnten beispielsweise Einfriedungen oder Leichtbauzelte, die bislang in der Außengastronomie verboten waren, eine temporäre Möglichkeit zur Unterstützung sein.

Und auch die Dortmunder Grünen, ansonsten alles andere als Freunde der Heizpilze, lehnen die Wärmespender trotz ihres hohen CO2-Ausstoßes nicht konsequent ab. „Heizpilze sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagt Sabine Pezely, Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Rat der Stadt. „Aber da eine Ausnahmesituation herrscht, werden wir darüber diskutieren und unter Corona-Bedingungen eine Lösung finden.“

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