Er ist das einzige noch lebende frühere Dortmunder Stadtoberhaupt: Ex-Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer wird an diesem Mittwoch 75 Jahre alt. Und erfährt inzwischen viel Respekt.

Dortmund

, 13.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Gerhard Langemeyer genießt offensichtlich seinen Ruhestand. Wer ihn auf öffentlichen Veranstaltungen oder Empfängen sieht, erlebt ihn lockerer und gelöster als in seiner aktiven Zeit als Oberbürgermeister. Als Chef der Verwaltung galt er als schweigsamer Eigenbrötler.

Nicht zuletzt diese Eigenart führte dazu, dass ihn seine eigene Partei, die SPD, nicht mehr als Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl 2009 ins Rennen schicken wollte und seine Amtszeit mit einem Eklat endete.

Lange Zeit fiel Langemeyer in Ungnade

Denn ein 100-Millionen-Euro-Loch im städtischen Haushalt, das Langemeyer im September 2009 einen Tag nach der Kommunalwahl offenbarte, führte nicht nur zu einer Wiederholung der Rats- und Oberbürgermeister-Wahl, bei der letztlich Ullrich Sierau als Langemeyers Nachfolger als OB bestätigt wurde, sondern auch dazu, dass Langemeyer selbst lange Zeit in Ungnade fiel. Der Ehrentitel Alt-Oberbürgermeister bleibt ihm bis heute verwehrt.

Aber Langemeyer zog sich nicht in den Schmollwinkel zurück, sondern ließ und lässt sich bei öffentlichen Anlässen immer wieder sehen. Und er pflegte – gewissermaßen im Dienste der Stadt – wieder seine alte Profession als Kunsthistoriker.

Als solcher war Langemeyer, der am 13. Februar 1944 in Zehdenick in Brandenburg geboren wurde, nach Studium der Kunstgeschichte und Promotion über Münster 1982 als Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) nach Dortmund gekommen.

Eine gescheiterte Wahl war für die Oberbürgermeister-Kandidatur verantwortlich

Er zeichnete hier für die vielgelobte Neukonzeption der Museumssammlung im 1983 neu bezogenen Ex-Sparkassen-Gebäude an der Hansastraße verantwortlich. Das neue MKK war Ausgangspunkt für eine ungewöhnliche Politik-Karriere.

Langemeyer wurde 1986 Kulturdezernent, später auch Kämmerer und Stadtdirektor.Dass er 1999 zum Oberbürgermeister-Kandidaten der SPD wurde, war eine Folge der gescheiterten Wahl des SPD-Fraktionschefs Franz-Josef Drabigs im Rat, den die Sozialdemokraten ursprünglich zum Nachfolger Günter Samtlebes auserkoren hatten.

Dann folgte ein denkwürdiger Kommunal-Wahlkampf zwischen Langemeyer und dem CDU-Kandidaten Volker Geers. Denn insbesondere Geers‘ Wahlkampf erregte nicht nur bundesweit Aufsehen, er führte auch dazu, dass die „heimliche Hauptstadt der Sozialdemokratie“ stark ins Wanken geriet. Geers schaffte es gar im ersten Wahlgang, mehr Stimmen als der SPD-Kandidat zu erhalten (wie auch die CDU bei der Kommunalwahl knapp besser abschnitt als die SPD).

Sieg in der Stichwahl nach einem aufsehenerregenden Wahlkampf

Dortmunds Ex-Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer wird am Mittwoch 75 Jahre alt

Gerhard Langemeyer mit seinem CDU-Kontrahenten Dr. Volker Geers im Oberbürgermeister-Wahlkampf 1999 bei einer Telefonaktion der Ruhr Nachrichten © Dieter Menne

Bei der Stichwahl siegte Gerhard Langemeyer dann aber – und wurde damit der erste direkt gewählte Oberbürgermeister Dortmunds, der nach der Reform der Gemeindeordnung auch Chef der Verwaltung war. 2004 setzte sich Langemeyer dann vergleichsweise klar gegen CDU-Mann Frank Hengstenberg durch. Doch 2008 entschied die SPD, Langemeyer nicht wieder für die OB-Wahl zu nominieren - nicht zuletzt eine Bargeld-Affäre um veruntreutes Geld im OB-Amt hatte zu Spannungen zwischen OB und Partei geführt.

Vergessen ist das und vor allem die folgenreiche Haushalts-Affäre immer noch nicht. Aber Langemeyers Gesamtbilanz als Oberbürgermeister wird heute von vielen mit anderen Augen betrachtet. Symbolisch dafür steht die Auszeichnung der Stadt mit dem Deutschen Städtebaupreis, den OB Ullrich Sierau und Planungsdezernent Ludger Wilde Ende September in Mainz entgegennahmen – gemeinsam mit Langemeyer.

Der Phoenix-See gilt als Langemeyers Verdienst

Denn das ausgezeichnete Phoenix-Projekt mit dem neuen Technologiepark auf Phoenix-West und dem Phoenix-See gilt nicht zuletzt als Verdienst Langemeyers, der das Gesamtprojekt auf den Weg gebracht hatte.

Dortmunds Ex-Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer wird am Mittwoch 75 Jahre alt

Gerhard Langemeyer (r.) 2009 mit seinem Nachfolger Ullrich Sierau © Dieter Menne

Legendär ist die Geschichte, dass Langemeyer die See-Idee von Stadt-Architekt Norbert Kelzenberg zunächst in der Schublade verschwinden ließ, weil die Schornsteine im Hörder Stahlwerk noch rauchten, um sie dann nach dem verkündeten Aus für die Industrieanlage öffentlich zu präsentieren.

Der Phoenix-See gilt heute als Paradebeispiel für den Strukturwandel. Auch das Dortmund-Projekt, mit dem sich die Wirtschaftsförderung auf Zukunftsbranchen fixierte, wurde von Langemeyer auf den Weg gebracht.

Der U-Turm war seine Idee

Und selbst der U-Turm gewinnt nach den Auseinandersetzungen um den teuren Umbau langsam als Strahlkraft. Langemeyer hatte ursprünglich die Idee entwickelt, das Museum Ostwall (MO) in dem leerstehenden Brauereiturm unterzubringen und damit das Gesamtprojekt angestoßen.

Kunst und Kultur ist auch weiterhin die Leidenschaft Langemeyer. Als Kurator präsentierte er 2015 im U-Turm eine Ausstellung mit den Meisterwerken der Dortmunder Gemäldesammlung aus MKK und MO. Und er kuratierte 2016 auch eine Ausstellung zum 50. Jubiläum des Opernhauses.

Zu seinem 75. Geburtstag ehrt die Stadt Gerhard Langemeyer mit einem Empfang.

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