Dortmunds graue Telekomkästen sollen bunt werden

Neue Regelung fürs Bemalen

Sie sind grau, unauffällig und stehen an fast jeder Ecke: Mehr als 100.000 Kästen der Deutschen Telekom gibt es in Deutschland. Multifunktionsgehäuse heißen sie offiziell. Neuerdings dürfen Künstler die grauen Klötze mit Farbe verschönern - ganz einfach und ganz legal, auch in Dortmund. Wir erklären, wie das funktioniert.

DORTMUND

, 06.08.2015, 12:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diesen Kasten an der Studtstraße haben im vergangenen Jahr zum 100-jährigen Bestehen des Althoffblocks Bewohner und der Verein Die Urbanisten gestaltet. Natürlich mit Erlaubnis.

Diesen Kasten an der Studtstraße haben im vergangenen Jahr zum 100-jährigen Bestehen des Althoffblocks Bewohner und der Verein Die Urbanisten gestaltet. Natürlich mit Erlaubnis.

Graffiti auf Kästen gab es schon immer. Was hat sich geändert?

Die Deutsche Telekom hat die bürokratische Schwelle gesenkt, die Künstler bisher nehmen mussten, um nach sehr viel Papierkram einen der Kästen gestalten zu dürfen. Im Internet teilt der Konzern mit, dass jetzt eine E-Mail an produktion@telekom.de reicht. Wer sich auf einem der Kästen austoben will, schickt mit dem Betreff „Aus Grau wird Bunt“ den Standort des Kastens und ein Foto des Außengehäuses; zudem muss man eine Skizze des gewünschten Motivs in den Anhang der Mail packen.

Darf ich malen, was ich will?

Jein. Im Konzern wird erst mal geprüft, ob es sich überhaupt um ein Telekom-Gehäuse handelt, ob das Motiv umsetzbar ist und ob es ethisch, politisch und religiös neutral und werbefrei ist. Auch schwarz darf der Kasten nicht mit Graffitikunst besprüht beziehungsweise angemalt werden: Das könnte zu „verstärkter Wärmeentwicklung führen“ und die Technik stören. 

Wie viele Künstler haben sich schon gemeldet?

Erst 50 solcher Anfragen bundesweit seien bis Ende voriger Woche eingegangen, sagte ein Telekom-Sprecher.

Wie viele dieser Kästen gibt es überhaupt in Dortmund?

Das kann man bei der Telekom gerade nicht sagen – es gebe zu viele Anfragen von Redaktionen aus dem ganzen Land dazu.

Gibt es auch Kritik an der Aktion?

Im Blog der Telekom im Internet, auf dem sie ihr Angebot vorstellt, schreibt jemand von „kostenloser Künstlerausbeute“. Die Botschaft: Der Konzern lasse sich kostenlos die hässlichen Kästen aufhübschen, die auch schon mal mit schmucklosen Graffiti verunstaltet werden und in der Folge gereinigt werden müssen.

Was ist dran an dem Vorwurf?

In der Tat zahlt die Telekom den Künstlern kein Honorar. Und in der Tat kostet es die Telekom „je nach Aufwand bis zu mehrere Hundert Euro“, einen beschmierten Kasten reinigen zu lassen, so der Unternehmenssprecher. Diese Kosten könnte der Konzern künftig bei von Künstlern gestalteten Kästen einsparen. Denn in der Graffiti-Szene gilt das ungeschriebene Gesetz, von anderen gestaltete Flächen nicht anzutasten.

Was sagen Dortmunder Künstler dazu?

Ein Künstler-Honorar für die Verzierung der Gehäuse oder zumindest ein Zuschuss zu den Kosten für Farbe wäre natürlich schön, sagt Daniela Bekemeier, Galeristin der Dortmunder Street-Art-Gallery an der Rheinischen Straße. Aber auch so finde sie „die Idee ganz gut“: „Das ist für die lokale Graffiti-Szene schon interessant.“

So sieht es auch der Dortmunder Urban-Art-Künstler Mark Gmehling, der die Graffiti-Szene der Stadt ebenfalls gut kennt. Er finde das Angebot der Telekom „super“, da Künstler neue legale Flächen für ihre Graffiti bekämen. Die Kosten für die Farbe zur Gestaltung der Kästen bezeichnen beide Experten als nicht sonderlich hoch – zumal die Gehäuse eine eher kleine Fläche haben.

Die Techniker nennen die Kästen auch Kabelverzweiger. Ein dickes Kabel als Verbindung zum Hauptverteiler geht hinein, mehrere dünne Kabel führen hinaus und schließen die umliegenden Häuser ans Telefonnetz an.

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