Dortmunds hippster griechischer Imbisstresen: Das „Cantine“ im Mittagspausen-Test

rnRestaurant-Check

Die „Cantine Souvlaki Bar“ in der City ist eine hippe Mischung aus griechischem Imbiss und Restaurant. Doch kann die selbsternannte Kantine auch Mittagspause? Wir haben es getestet.

Dortmund

, 10.10.2019, 18:44 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die „Cantine Souflaki Bar“ füllt eine Lücke im gastronomischen Angebot der Dortmunder City. Denn obwohl das Gebiet innerhalb des Walls quasi überquillt vor Restaurants, Imbissen, Kneipen und Cafés, gibt es hier nur noch einen weiteren Griechen – wobei das Gyradiko an der Kuckelke eher ein klassischer griechischer Imbiss ist. Da ist das Cantine an der Kleppingstraße ein wenig anders.

Wir haben viel Hunger und wenig Zeit, als wir um 13.31 Uhr das pickepackevolle Cantine betreten. Da der neue Grieche, der seit ein paar Wochen offen hat, mitten im wuseligen Stadtzentrum liegt und sogar Kantine heißt, haben wir ihn in unserer Mittagspause getestet. Ist die Cantine ein geeigneter Mittagstisch?

Zur Sache

Wie funktioniert der Restaurant-Check?

Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.

Essen und Getränke in der Cantine:

Schon der erste Blick auf die Speise- und Getränkekarte zeigt, dass das Cantine mehr ist als ein klassischer griechischer Imbiss: Es gibt sechs Grill-Mix-Gerichte unterschiedlicher Größe (9,30 bis 13,40 Euro), dazu mehrere Burger (7,90 bis 11,80 Euro für den veganen Burger) und Salate (8,90 bis 10,80 Euro). Außerdem stehen mehr als ein Dutzend Weine auf der Karte.

Auch wenn es die griechischen Klassiker wie Bifteki oder Souvlaki gibt, ist das Cantine eher ein Crossover-Laden – neben den schon ziemlich ungriechischen Burgern gibt es beispielsweise Piementos als Vorspeise (4,90 Euro), auch ein Klassiker, aber der spanischen Küche. Wir bestellen die gegrillten Paprika trotzdem, sie kommt mit ein paar Scheiben Pita, das gut mit Knoblauchöl bestrichen ist. Es ist eine große Portion, die sich gut für Zwei eignet. Sie sind saftig-lecker.

Dortmunds hippster griechischer Imbisstresen: Das „Cantine“ im Mittagspausen-Test

Die Vorspeise ist wenig griechisch: Pimientos, gegrillte kleine Paprika – etwas dezent gesalzen, aber gut. © Thomas Thiel

Als Hauptspeisen wählen wir zwei Grill-Mixe, weil wir uns davon einen guten Querschnitt durch die Karte versprechen. Beim mittleren Grill-Mix (10,80 Euro) kann man sich drei Grill-Spezialitäten aussuchen, meine Wahl fällt auf Souvlaki (einen Spieß aus Schweinefleisch), Bifteki (eine Art griechische Frikadelle) und eine griechische Landwurst.

Souvlaki und Bifteki sind hervorragend gewürzt. Ich freue mich über die Zitronenscheibe, die am Rand liegt. Da in unserer Familie der Grundsatz gilt, dass alles besser schmeckt mit Zitrone, nutze ich sie ausgiebig, das Fleisch bekommt dadurch eine angenehme Frische. Die Landwurst hingegen sieht knackiger aus, als sie dann ist – sie hätte durchaus noch einige Zeit auf dem Grill vertragen.

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Der mittlere Grill-Mix mit Souvlaki, Bifteki und griechischer Landwurst. © Thomas Thiel

Mein Kollege hat den Veggie-Mix (10,80 Euro) bestellt. Dahinter verbirgt sich etwas Grillgemüse (Brokkoli, Paprika, Zweibeln, der Extrawunsch „bloß keine Tomate“ wurde beachtet) und einen Patty der Sorte gepresstes Gemüse – der Kollege findet es lecker, auch wenn vor allem Letzteres wenig besonders ist.

Dazu gibt es jeweils ordentlich Pommes (bei mir die klassischen, beim Kollegen die aus Süßkartoffeln), an denen nichts auszusetzen ist, und das Pita, das wir bereits von der Vorspeise kennen. Abgerundet wird der Mix von zwei kleinen Dips, die man selbst wählen kann, in unserem Fall Tzatziki und Feta-Creme.

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Der Veggie-Mix: gegrilltes Gemüse, vegetarischer Patty, Süßkartoffel-Pommes. © Thomas Thiel

Das hört sich nicht nur nach viel an, es ist es auch. Und da das Essen – Überraschung, es ist griechische Küche! – auch ziemlich fettig daherkommt, hätte ich danach durchaus eine halbe Stunde Verdauungsschlaf vertragen können, was eher suboptimal ist, wenn man danach noch arbeiten muss (Selbstanzeige: Dieser Text wurde von einem etwas schläfrigen Redakteur geschrieben).

Die Preise:

Für alles zusammen und noch zwei 0,33-Liter-Colaflaschen obendrauf haben wir knapp 32 Euro gezahlt – für ein Abendessen wäre das wenig, für ein Arbeits-Mittagsessen ist es schon ziemlich teuer. Da gibt es durchaus billigere Mittagstische in der City.

Die Atmosphäre im Cantine:

Ist bei unserem Besuch drubbelig-geschäftig: Links die offene Küche, eine schönere Variante der Theke eines klassischen Imbisses, rechts ziemlich eng aneinander gestellte Tische. Es gibt Sitzplätze für 30 bis 40 Gäste, draußen etwa noch einmal so viele.

Doch im Vergleich zum Italiener „60 Seconds to Napoli“ eine Tür weiter, wo eher karges Industrieflair herrscht, ist das Cantine deutlich liebevoller eingerichtet: Große Retro-Glühbirnen sorgen für warmes Licht, die Tische sind aus hellem Holz, einige der Stühle weiß. Hinter der offenen Küche glänzt ein Teil der Wand in edlen dunklen Kacheln, über dem Tresen hängen große Büschel roter Peperoni. Lediglich der große Getränkeschrank erinnert mehr an Imbiss als an Restaurant. Denkt man sich ihn weg, hat man fast eine griechische Miniaturausgabe eines Vapiano – was auch was mit dem Service zu tun hat.

Dortmunds hippster griechischer Imbisstresen: Das „Cantine“ im Mittagspausen-Test

Das Cantine von außen. Entlang der Kleppingstraße bietet das Restaurants bei gutem Wetter etwa nochmal so vielen Gästen Platz wie drinnen. © Thomas Thiel

Der Service:

Im Cantine gibt es keine Bedienung: Man bestellt am Tresen und setzt sich, während das Essen zubereitet wird. Wenn dann der Pager, den man mitbekommt, vibriert und piept, kann man sich das Essen wieder am Tresen abholen.

Es ist ein System, dass auf möglichst große Schnelligkeit ausgelegt ist. Bei unserem Besuch funktioniert das gut: Nach 15 Minuten ist die Vorspeise fertig, zehn Minuten später die Hauptgerichte. Für eine Mittagspause sind wir jedoch etwas spät dran, also vermuten wir, dass man in der „Rush Hour“ zwischen 12.30 und 13 Uhr etwas länger warten muss.

Barrierefreundlichkeit im Cantine:

Das Cantine ist nicht barrierefrei. Auch wenn die Stufe am Eingang für Gäste mit Rollstuhl oder Rollator vielleicht noch überwindbar ist – drinnen fehlt für sie schlicht und ergreifend der Platz. Spätestens bei den engen und verwinkelten Toiletten ist Schluss.

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Anfahrt/Parksituation:

Viel besser als das Cantine kann ein Restaurant nicht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sein. Die nächste Stadtbahnstation Reinoldikirche ist weniger als 5 Minuten zu Fuß entfernt. Dort fahren auch Busse und Nachtbusse.

Schwieriger ist es mit dem Auto. Kostenlose Parkplätze sind in der City schwerer zu finden als ein freier Tisch in einer Fußballkneipe während eines BVB-Spiels. Und kommen Sie ja nicht auf die Idee, illegal zu parken: Nirgendwo in Dortmund wird häufiger abgeschleppt als an der Kleppingstraße. Immerhin ist die Parkhausdichte hoch. Die nächsten beiden sind die Tiefgaragen der Volksbank an der Viktoriastraße und die des Stadthauses am Friedensplatz.

Das sagt das Netz über das Cantine:

Da das Cantine erst seit kurzem aufhat, sind die Bewertungen auf Google noch weng aussagekräftig. Einige gibt es dennoch schon, die dem Lokal 4,9 von 5 Sternen geben. Einige Stimmen:

„Eine sehr stylische Einrichtung mit einer super Atmosphäre zum essen/trinken. Durch der offenen Theke kann man sehen wie das Personal zusammenarbeitet um das Essen schnell und sorgfältig zuzubereiten.“

„Es ist echt als ob man in Griechenland ist und sich da Souvlaki bestellt.“

„Extrem lecker und extrem griechisch.“

(Anmerkung der Redaktion: Etwaige Fehler sind in den Original-Stimmen vorhanden und wurden im Sinne der Authentizität nicht redigiert.)

Restaurant-Infos:

Cantine Souvlaki Bar, Kleppingstraße 22b, 44135 Dortmund; Öffnungszeiten: Mo.-Do., 11.30 - 23 Uhr, Fr./Sa. 11.30 - 0 Uhr, So. 12.30 - 23 Uhr.


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