Dortmunds kuriosester Bahnübergang: Diese Schranken sind immer unten

rnStraßenverkehr

Bahnübergänge in Dortmund gibt es viele, aber einen, der besonders kurios ist: Hier ist die Schranke praktisch immer unten. Wer passieren will, muss vorher Kontakt mit einer Zentrale aufnehmen.

Jungferntal-Rahm

, 27.10.2020, 18:00 Uhr

Es gibt Schranken, die sind gefühlt sehr oft unten, weil so viele Züge auf der Bahnstrecke fahren. Menschen, die die Bahnstrecke zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel regelmäßig passieren wollen, können davon ein Lied singen und warten oft minutenlang, bis es weiter geht.

Diese Schranke aber, die zwischen den Ortsteilen Rahm, Hangeney und Kirchlinde im Grünen liegt, ist speziell: Sie ist eigentlich immer unten und funktioniert damit genau andersrum als die herkömmliche Schranke.

Eigentlich ist das Prinzip ja: Wenn ein Zug kommt, geht die Schranke runter. Hier ist das Prinzip: Wenn ein Fußgänger oder Radfahrer kommt, geht die Schranke hoch. Dazu muss der Passant zu einem gelben Kästchen mit Gegensprechanlage gehen, einen Klingelknopf drücken und auf Antwort warten.

Bei unserem Passierversuch heißt es nach dem Knopfdruck und 20 Sekunden Wartezeit: „Achtung Zug!“ Nachdem der durchgefahren ist, geht die Schranke hoch. Dann knackt es im Lautsprecher und die Stimme sagt: „Achtung, Schranke wird geschlossen.“ Sie setzt sich in Bewegung, bimmelt wie einst und schließt sich. So lange, bis wieder jemand den Knopf drückt.

Typus heißt Anrufschranke

Eine Bahnsprecherin erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, es handle sich bei diesem Typus um eine Anrufschranke: „Anrufschranken sind an einigen, im Bereich des Straßenverkehrs wenig frequentierten Bahnübergängen zu finden, bei denen die Schiene zum Beispiel einen Forst- oder Industrieweg kreuzt.“ Die Schrankenbäume seien geschlossen und würden nur bei Bedarf geöffnet.

Wenn ein Passant den Bedarf per Knopfdruck mitteilt, werde das dem Fahrdienstleiter übermittelt. „Nach Prüfung der Strecke werden die Schranken dann entsprechend geöffnet.“

100 solcher Schranken in NRW

Die Zahl dieser Anlagen sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. „Bundesweit verfügen noch 3 Prozent der rund 16.400 Bahnübergänge über diese technische Sicherung.“ In NRW sind es 5 Prozent der 2.020 Bahnübergänge, also etwa 100. Ob es in Dortmund oder der näheren Region weitere gibt, konnte uns die Bahn nicht sagen.

Auf diesem verschmierten gelben Kasten ist ein Knopf und eine Gegensprechanlage. Wer ihn drückt, hört wenig später die Stimme des Fahrdienstleiters.

Auf diesem verschmierten gelben Kasten ist ein Knopf und eine Gegensprechanlage. Wer ihn drückt, hört wenig später die Stimme des Fahrdienstleiters. © Tobias Weckenbrock

Generell seien in NRW in den vergangenen zehn Jahren 460 Bahnübergänge beseitigt oder mit Schranken aufgerüstet worden. Das bleibe auch das Ziel für die Zukunft. „Heute verfügen etwa zwei Drittel der Bahnübergänge in NRW über eine Schranke, Blinklicht oder Lichtzeichen.“

Das System Anrufschranke funktioniert. Die wenigen Passanten hier, unweit des großen Kreuzes der OWIIIa mit der A45, sind nur Fußgänger und Radfahrer. Deren Anrufe per Knopfdruck scheinen den Fahrdienstleiter noch nicht zu überfordern.

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