Rechtsextremismus

Dortmunds Polizeipräsident öffentlich bedroht – Staatsschutz ermittelt

Dass Polizeipräsident Gregor Lange nicht bei allen Einwohnern Dortmunds beliebt ist, ist kein Geheimnis. Das Format, das jetzt laut Polizei genutzt wurde, um ihn zu bedrohen, ist aber neu.
Das Archivbild zeigt Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange
Das Archivbild zeigt Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange © Kindel

Der Staatsschutz der Polizei Dortmund ermittelt gegen derzeit unbekannte Täter, die am Wochenende (7./8.8.) an einer Mauer in Dorstfeld ein Graffiti übersprüht haben. Die Wand hat eine besondere Geschichte, seitdem Rechtsextremisten die Worte „Nazi“ und „Kiez“ großflächig aufgemalt hatten.

Im September 2019 ist die Wand vor Vertretern der Stadt Dortmund und der Polizei übermalt worden. Seitdem war der Schriftzug „Our Colors Are Beautiful“ dort zu sehen.

Der Schriftzug wurde unkenntlich gemacht

Am Sonntagnachmittag (8.8.) entdeckte ein Streifenteam der Polizei gegen 14.30 Uhr dort an der Emscherstraße während einer Präsenzfahrt einen neuen Schriftzug. Es habe sich um eine Bedrohung gegen Dortmunds Polizeipräsidenten Gregor Lange gehandelt: „Lange aufs Maul“ sei zu lesen gewesen, so die Polizei.

Nach den Ermittlungen am Tatort machten Polizisten den Schriftzug unkenntlich. Die Stadt Dortmund ließ den Schriftzug anschließend von einer Fachfirma umgehend entfernen, sodass schnell wieder „Our Colors Are Beautiful“ zu lesen war.

Die Sonderkommission Rechts bittet Zeugen, die an der Emscherstraße oder im Umfeld verdächtige Personen oder die Taten selbst beobachtet haben, um Hinweise an die Kriminalwache unter Tel. (0231) 1 32 74 41. „Zudem ermutigt die Polizei Betroffene rechtsextremer Bedrohungen, ihre Situation zu schildern und diese Taten anzuzeigen“, so die Mitteilung: „Die gesamte Dortmunder Polizei geht in einem strategischen Schwerpunkt mit Null Toleranz gegen rechtsextremistische Straftäter vor.“

Derartige Delikte bezieht die Polizei in ihre Argumentation für die geplante Videobeobachtung der Emscherstraße mit ein. Über den Einsatz der Videotechnik dort entscheidet noch ein Verwaltungsgericht.

„Wir beobachten auch jeden Neuzugang“

„Nach mehreren Freiheitsstrafen, Ausstiegen und Wegzügen führender Köpfe“, versuchen nun die übrig gebliebenen Mitglieder der rechten Szene der Polizei zufolge „mit Propaganda-Delikten öffentlich Aufmerksamkeit zu erzielen“. Die Polizei will deshalb den Druck auf die Szene hoch halten.

Dazu sagt der Leitende Kriminaldirektor Walter Kemper: „Wir kennen nicht nur die Abgänge aus Dortmund – wir beobachten auch jeden Neuzugang.“ Die Polizei sei weiterhin mit verstärkten Kräften verdeckt und erkennbar unter anderem in Dorstfeld im Einsatz.

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