Sperrstunde: Die Brückstraße wird vorerst ab 23 Uhr genauso verlassen aussehen. © Kevin Kindel (Symbolbild)
Nachtleben

Dortmunds Sperrstunde fällt weg – das brachte die Abschaffung andernorts

Clubs in Dortmund können bald durchgehend geöffnet sein. In manchen anderen Städten ist das schon lange so. In einer Großstadt hatte der Wegfall der Sperrstunde eine überraschende Folge.

Die nächtliche Gastronomie- und Party-Sperrstunde wird in Dortmund ab dem 1. Oktober ausgesetzt. Das hat die Stadtverwaltung zur Unterstützung des Nachtlebens am Dienstag (14.9.) bekannt gegeben. In anderen Städten ist diese Entscheidung schon vor Jahren gefallen.

Seit 20 Jahren können die Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen selbst bestimmen, ob sie die generelle Sperrzeit von 5 bis 6 Uhr morgens aufheben wollen.

Die Stadt Essen hat das beispielsweise im September 2001 direkt getan. „Danach dürfen alle Betriebe, die dem Gaststättenrecht unterliegen, an allen Tagen in der Woche rund um die Uhr betrieben werden“, heißt es von der dortigen Stadtverwaltung.

Für die Düsseldorfer Altstadt ist dies im Jahr 2009 beschlossen worden. In Köln gilt die generelle Sperrzeit noch, genau wie in Berlin, München, Frankfurt, Stuttgart und Dortmunds Nachbarstadt Bochum.

In Hamburg müssen Clubs und Bars unter der Woche um 5 Uhr schließen. Das gilt dort aber nicht in den Nächten vor Samstagen und Sonntagen. Einzelne Feiertage sind außerdem in vielen Städten ausgenommen.

Änderung auf spätere Stunden

Überall können auch Ausnahmegenehmigungen beantragt werden. In Dortmund haben einige Unternehmen des Nachtlebens etwa im Jahr 2011 mit der Stadtverwaltung besprochen, die Sperrzeit für diese Betriebe von 5 bis 6 auf 6 bis 8 Uhr zu verändern.

In Dresden ist die Regel erst im Sommer 2020 aufgehoben worden. Eine erste Bilanz möchte die dortige Stadtverwaltung auf Anfrage aber noch nicht ziehen. „Angesichts des kurzen Zeitraums und unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Clubs können derzeit noch keine Aussagen zu möglichen Effekten getroffen werden“, heißt es.

Aus Sicht des dortigen „Klubnetzes“ sei die Aufhebung aber schon durchaus hilfreich gewesen. „Bürokratie null, Kosten null“, zitiert die Stadtverwaltung den Sprecher der Interessenvertretung, Felix Buchta.

Zwei Jahre früher hat Leipzig sich zur Streichung entschieden, im August 2018. Seitdem gibt es keine Sperrzeit mehr für „Veranstaltungsbetriebe, Gaststätten mit Veranstaltungsbetrieb, kulturelle Einrichtungen und Diskotheken“, wie Stadt-Sprecherin Franziska Schneider erklärt. Leipzig hat laut Statistischem Bundesamt etwa 10.000 Einwohner mehr als Dortmund.

„Die Rückmeldungen der Clubbetreiber sowie der Gastronomie und Hotels sind positiv“, sagt Schneider. Das Ordnungsamt habe auch nicht mehr Beschwerden wegen Lärms festgestellt als zuvor. „Die Aufhebung für die genannten Betriebsarten wird somit vonseiten der Stadt Leipzig als positiv angesehen“, sagt die Sprecherin.

Keine große Ansammlung vor dem Club

Tatsächlich habe die Abschaffung der Sperrstunde sogar zu weniger Situationen mit Lärmpotential geführt, wie Jörg Kosinski erklärt. Er ist Vorstandsmitglied des Verbands der Leipziger Clubs und Live-Musikspielstätten und nennt die Sperrzeit aus Leipziger Sicht „ein Relikt“.

„Eine Sperrstunde führt zu einer Häufung von Menschen, die gleichzeitig vor dem Club stehen“, sagt Kosinski. Wenn um 5 Uhr Feierabend sein muss, gehen eben alle restlichen Gäste zur selben Zeit raus. So sorge man dann erst für ein erhöhtes Lärmaufkommen: „Das ist eine Ballung, die man nicht haben will.“ Vor allem in der Techno-Szene gebe es viele Menschen, die bis in den Morgen feiern wollen.

Dortmund testet Regelung neun Monate

Die Dortmunder Verantwortlichen wollen die neue Situation neun Monate lang beobachten. Im kommenden Jahr könnte der Rat der Stadt dann über eine mögliche endgültige Abschaffung abstimmen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel