Dramatische Entwicklung: So groß ist die Not der Westfalenhallen

rnDramatische Einbußen

Die Einbußen sind gigantisch: Durch Corona stürzen die Umsätze der Westfalenhallen in die Tiefe. Es geht um viele Millionen. Nun schießt die Stadt Geld nach - aber auch das reicht nicht.

Dortmund

, 23.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im August deutete Hauptgeschäftsführerin Sabine Loos an, 2020 könne für die Westfalenhallen GmbH zu „einem historisch schlechten Jahr“ werden. Jetzt zeigt sich: Ihre Prognose trifft ins Schwarze.

Die Umsätze sind quer durch alle Bereiche dramatisch gesunken - vom Messe- und Kongressgeschäft bis hin zum Veranstaltungs- und Catering-Bereich.

Seit dem bundesweiten Lockdown im März musste die Halle 80 Prozent ihrer Umsätze in den Wind schreiben. Im bereits laufenden vierten Quartal könnten die Verluste sogar auf 83 Prozent klettern.

Nach aktuellem Stand verliert die Unternehmensgruppe bis Jahresende insgesamt 31 Millionen Euro Gesamtumsatz – und reiht sich damit nahtlos in die Phalanx nahezu aller Messegesellschaften ein, die teils exorbitante Verluste einstecken müssen.

Dem Rekordjahr 2019 folgt jetzt der Absturz

Für die Westfalenhalle besonders schmerzhaft: Dem aktuellen Tiefschlag gingen überaus erfolgreiche Jahre voraus: Seit 2017 konnte die 100-prozentige Stadt-Tochter ihren Umsatz immer weiter steigern. 2019 kletterte er auf den bisherigen Rekord von 56,6 Millionen Euro.

Damals machte den Beteiligten auch das operative Ergebnis (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) noch Spaß: Es war auf 5,1 Millionen Euro gestiegen. (2018: 4,2 Millionen Euro). Die Zahlen lesen sich wie aus lange vergangenen Zeiten.

Allein im Messebereich mussten bis August 19 Veranstaltungen komplett abgesagt werden. In der großen Westfalenhalle fielen Corona zwei Konzerte und vier Shows zum Opfer. Weitere 42 Veranstaltungen wurden auf 2021 und sogar 2022 verschoben. Zwar probte der Messebereich mit der Creativa und der Fair Friends im September einen zaghaften Neustart.

Halle braucht 11 Millionen Euro für Liquidität

Aber das Niveau war deutlich niedriger als in den Vorjahren. Die Creativa, mit rund

90.000 Gästen eine der erfolgreichsten Branchenschauen überhaupt, zählte in diesem Jahr gerade einmal 20.000 Besucher. Zudem drücken auch Aussteller auf die Kostenbremse und verzichten auf Messestände.

Besonders bitter: Die Westfalenhallen GmbH war überaus erfolgreich ins Jahr 2020 gestartet. Vor dem Lockdown Ende März liefen die Geschäfte wie geschmiert, die Umsätze lagen während dieser Zeit um satte 16,3 Prozent über dem Plan. Der Halle stand möglicherweise ein Rekordjahr ins Haus – durch Corona ist es zum Krisenjahr geworden.

Wie andere Unternehmen hat auch die Halle alle möglichen Register gezogen, um Geld zu sparen: Das Gros der 450 Beschäftigten wurde in Kurzarbeit geschickt. Zudem wurden Investitionen verschoben und beispielsweise Tilgungen bei den Banken ausgesetzt.

Die wegbrechenden Einnahmen konnten damit freilich nicht aufgefangen werden. Stadt-Kämmerer Jörg Stüdemann geht davon, dass die Westfalenhallen GmbH bis Jahresende eine Liquiditätsspritze von rund elf Millionen Euro benötigt.

Stadt schießt ihrer Tochter bis zu 5,5 Millionen Euro zu

Und die Stadt ist auch bereit, ihrer notleidenden Tochter an Rheinlanddamm und Strobelallee unter die Arme zu greifen. Zumindest zur Hälfte: Sie will der Westfalenhallen GmbH bis zu 5,5 Millionen Euro zur Erhöhung des Eigenkapitals zuschießen. Die Stadt selbst wird die Summe in ihrem „Corona-Sonderhaushalt" verbuchen und langfristig abtragen.

Die weiteren 5,5 Millionen Euro soll sich die Halle über Bankkredite besorgen. „Damit kommt die Halle insgesamt über die Runden“, sagt Kämmerer Stüdemann. Zufrieden ist er gleichwohl nicht.

Das Messe- und Veranstaltungsgeschäft sei einer der am stärksten betroffenen Bereiche, weiß Stüdemann. Land und Bund seien aufgefordert, endlich auch diesem Wirtschaftszweig unter die Arme zu greifen. „Staatlich gesicherte Kredite sind das eine“, sagt Stüdemann, „was aber wirklich gebraucht wird, sind nicht rückzahlbare Zuschüsse.“

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